Kapitel 13: Die Maske der Täuschung

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Isabelle betrat Alexanders Arbeitszimmer mit der Ruhe und Anmut, die sie perfektioniert hatte. Das gedämpfte Licht, das von den hohen Fenstern hereinsickerte, warf lange Schatten über den Raum. Alexander stand mit dem Rücken zu ihr, die Hände auf die Lehne seines Schreibtischstuhls gestützt, als er sie eintreten hörte.

„Alexander?", fragte sie sanft und schloss die Tür hinter sich. Die Unsicherheit in ihrer Stimme war perfekt platziert, genau die richtige Mischung aus Besorgnis und Unschuld.

Er drehte sich langsam um. Sein Blick war kühl, beinahe misstrauisch. „Isabelle," sagte er und ließ sich in den Stuhl fallen, wobei er sie keinen Moment aus den Augen ließ. „Setz dich."

Die plötzliche Förmlichkeit ließ ihr Herz kurz schneller schlagen, doch sie ließ sich nichts anmerken. Mit einem zarten Lächeln setzte sie sich auf den Stuhl gegenüber, ihre Haltung elegant und makellos. „Was ist los, Alexander? Du klingst so ernst."

Alexander holte tief Luft, als würde er sich selbst ermahnen, ruhig zu bleiben. Dann zog er das Handy aus seiner Tasche und legte es langsam auf den Tisch vor ihr ab. Ein Foto erschien auf dem Bildschirm — ihr Dodge Hellcat, geparkt vor der Lagerhalle.

„Was zum Teufel hast du dort gemacht?" Seine Stimme war ruhig, aber das Zittern darin verriet die brodelnde Wut und Verwirrung darunter.

Isabelles Herz raste, doch sie hielt ihren Blick fest und fokussiert. Ohne zu zögern, lehnte sie sich leicht nach vorn und studierte das Bild, als sähe sie es zum ersten Mal. „Oh, das..." Ein kleines Lächeln spielte um ihre Lippen. „Das ist von letzter Woche."

Alexander verschränkte die Arme vor der Brust. „Ja. Und was hast du um Mitternacht in dieser Gegend gemacht? Du hast mir gesagt, du wärst nach Hause gefahren."

Isabelle hob die Augenbrauen und lehnte sich entspannt zurück. Sie seufzte leise, als hätte sie das Bild und den Verdacht dahinter bereits erwartet. „Ich wusste, dass du so reagieren würdest," murmelte sie und strich sich eine Haarsträhne hinters Ohr. „Ich wollte dich nicht beunruhigen, Alexander. Es ist... ein Überraschungsprojekt."

„Ein Überraschungsprojekt?" fragte er ungläubig und beugte sich vor. „Was für ein Projekt?"

Isabelle setzte einen nachdenklichen, beinahe schuldbewussten Ausdruck auf. „Ich wollte es dir erst sagen, wenn es konkreter wäre." Sie zog eine Mappe aus ihrer Handtasche und legte sie auf den Tisch. „Ich plane, das Gelände dort zu kaufen, um etwas für die Bedürftigen zu schaffen. Eine Unterkunft für die Obdachlosen, ein Zufluchtsort für diejenigen, die sonst auf der Straße leben müssen."

Alexander blinzelte, überrascht und sichtlich aus dem Konzept gebracht. „Eine Unterkunft für Bedürftige?" Er klang, als könne er nicht glauben, was er hörte.

„Ja," sagte Isabelle und öffnete die Mappe. Darin befanden sich detaillierte Pläne, Papiere und sogar E-Mail-Auszüge. Alles war perfekt vorbereitet. „Ich habe vor, ein Zentrum zu schaffen, das nicht nur Unterkunft bietet, sondern auch Programme für Wiedereingliederung, psychologische Unterstützung und Berufstraining. Ein Ort, der diesen Menschen hilft, wieder auf die Beine zu kommen." Sie schob ihm ein Dokument herüber. „Ich habe sogar bereits mit einer Maklerin gesprochen."

Alexander nahm das Papier und überflog es schnell. „Elena Wren... von der Immobilienfirma Montgomery & Co.?"

Isabelle nickte. „Genau. Sie hat mir das Grundstück angeboten. Und ich dachte, bevor ich dir davon erzähle, wollte ich mir das Gelände selbst ansehen."

Alexander starrte sie an, und für einen Moment flackerte Unsicherheit in seinen Augen. „Du hast mir nichts gesagt."

„Weil ich wollte, dass es eine Überraschung wird, Liebling," sagte sie und streckte die Hand nach seiner aus. „Etwas, das wir gemeinsam tun können, wenn es offiziell ist. Ich weiß, wie sehr dir wohltätige Zwecke am Herzen liegen. Ich dachte, das wäre meine Art, dir zu zeigen, dass ich auch bereit bin, meinen Teil beizutragen."

Die Worte trafen ihr Ziel. Alexander entspannte sich leicht, seine Schultern sanken ein wenig herab. „Aber... Mitternacht? Warum um diese Zeit?"

Isabelle lachte leise, ein sanftes, fast entschuldigendes Lachen. „Weil ich tagsüber ständig mit Besprechungen und Planungen für das Bankett beschäftigt war. Es war die einzige Gelegenheit, die ich hatte. Und ich wollte sicher sein, dass niemand es vorzeitig mitbekommt."

Alexander betrachtete die Papiere erneut, las die E-Mail-Auszüge und studierte die Namen auf den Dokumenten. Alles wirkte echt, durchdacht. Die Adresse, die Zeitangaben, die Notizen — sie hatte an alles gedacht. Seine Zweifel schienen sich langsam aufzulösen.

„Ich wollte dich wirklich nicht verärgern," sagte Isabelle leise, ihre Augen groß und ehrlich. „Ich wollte etwas Gutes tun. Und ich dachte... es würde dir gefallen."

Alexander seufzte tief. Der Verdacht in seinem Blick verschwand, ersetzt durch Erleichterung und vielleicht ein wenig Scham. „Es tut mir leid," murmelte er und griff nach ihrer Hand. „Ich hätte nicht so an dir zweifeln sollen."

„Schon gut," antwortete Isabelle sanft und legte ihre andere Hand auf seine. „Es zeigt nur, wie sehr du dich um mich sorgst. Das weiß ich zu schätzen."

Er lächelte schwach und hob ihre Hand an seine Lippen. „Die Kette ist übrigens wunderschön," sagte er plötzlich, sein Blick auf dem schwarzen Schmuckstück verweilend, das um ihren Hals glitzerte.

Alexander nickte langsam und ließ die Kette schließlich außer Acht. „Sie steht dir."

„Danke." Sie beugte sich vor und küsste ihn sanft auf die Lippen, um jegliche weitere Fragen zu ersticken. „Alles, was ich tue, ist für uns, Alexander. Du kannst mir vertrauen."

Er sah ihr tief in die Augen, und ein warmes Lächeln breitete sich auf seinen Lippen aus. „Ich weiß. Verzeih mir."

Isabelle erwiderte das Lächeln, doch innerlich kehrte die Kälte zurück. Als Alexander ihr das Lächeln schenkte, wusste sie, dass sie ihn noch weiter in ihre Netze gezogen hatte. Er war wieder in Sicherheit gewogen, sein Verdacht verflogen.

Der Gedanke, wie er bald alles verlieren würde — und nicht einmal wusste, dass es sie war, die den letzten Dolch führte — ließ ihre Brust vor Stolz anschwellen. Der Sturz würde ihn zerschmettern.

Und sie würde auf den Trümmern stehen. An Damians Seite.

Die Schatten Königin- Between Shadows and Flames Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt