Der Mond stand hoch über Emberfield, ein kaltes silbernes Licht, das durch die schweren Wolken brach und den Ort der Zeremonie in einen mystischen Schein tauchte. Ein imposanter Saal, dunkel und erhaben, gefüllt mit einem Meer aus schwarzen Rosen und tiefroten Kerzen, die in mächtigen Leuchtern loderten. Die gesamte Atmosphäre schien wie geschaffen für eine Verbindung, die weit mehr bedeutete als nur die Vereinigung zweier Menschen – es war das Erblühen einer neuen Ära.Isabelle schritt den langen Gang entlang, als die schweren Türen sich öffneten. Jeder Atemzug schien die Luft erzittern zu lassen, während die Gäste – die mächtigsten und skrupellosesten Gestalten der Unterwelt – ihre Köpfe respektvoll senkten. Ihr Kleid war wie aus der Essenz der Nacht selbst gesponnen, ein schwarzer, schimmernder Stoff, der sich wie flüssiger Schatten um ihren Körper schmiegte. Feine, blutrote Rosenstickereien zogen sich über die Korsage bis hinab zum Rock, die Zartheit der Blüten ein scharfer Kontrast zu der kompromisslosen Autorität, die Isabelle ausstrahlte. Eine funkelnde, tiefschwarze Tiara, besetzt mit Onyx und Rubinen, krönte sie als das, was sie war: Damians Königin.
Alexander stand abseits, gefesselt an einem der hinteren Stühle, seine Augen weit vor Unglauben und Qual. Sein Blick hing an Isabelle, die einst seine zarte Prinzessin hatte sein sollen, seine zukünftige Frau. Aber das Bild, das sich ihm nun bot, war die vollkommene Umkehrung all seiner Vorstellungen. Das unschuldige Lächeln war einem wissenden, kühlen Ausdruck gewichen, und in ihren Augen glomm eine Macht, die er niemals bei ihr gesehen hatte – eine unbarmherzige Entschlossenheit, gepaart mit dem Feuer, das nur Damian in ihr hatte entzünden können.
Damian wartete am Ende des Ganges, seine Präsenz unheilvoll und dominant, doch als Isabelle vor ihm stand, ging er mit einem tiefen, eleganten Bogen vor ihr auf die Knie. Ein Raunen ging durch die Menge. Dieses Zeichen war mehr als nur Demut. Es war die Anerkennung einer Herrschaft, die weit über seine eigene hinausging. Er hielt ihr den Dokumentenstapel hin – die letzten Überreste von Alexanders einst mächtigem Imperium, jetzt zerschlagen und zerschmettert unter ihrem Willen.
„Isabelle Moreau," sprach Damian, seine Stimme leise, aber voller unerschütterlicher Macht, „die Königin der Schatten. Meine Herrscherin. Mein Herz. Ich gebe dir hiermit alles, was ich bin. Du hast die Kontrolle, die Herrschaft und mein Leben, wenn du es forderst." Er hob den Blick zu ihr, und etwas Sanftes, beinahe Verletzliches blitzte kurz darin auf, ehe es von eiserner Entschlossenheit verdrängt wurde. „Sag mir, wirst du mich annehmen als deinen König, deinen Schatten, der für immer an deiner Seite kämpft und stirbt?"
Die Welt schien für einen Moment stillzustehen, während Isabelle sich über ihn beugte, ihre Hand sanft auf seine Wange legte und ihn dann aufstehen ließ. „Ja," flüsterte sie, ihre Stimme glatt wie Seide und gefährlich wie ein Dolch, „ich nehme dich an, Damian Moreau, als meinen König der Schatten. Aber vergiss nicht: Ich werde immer an der Spitze stehen."
Die Menge hielt den Atem an, während sie seine Lippen mit einem Kuss versiegelte – kein zärtliches Versprechen, sondern ein raubtierhaftes Bekenntnis, das den Raum mit Spannung auflud. Die Zeremonie ging weiter, und als der Priester – ein düsterer, furchterregender Mann, dessen Macht selbst den Gästen Angst einflößte – sie offiziell als Herrscherpaar der Schattenwelt erklärte, wurde die Halle von einem unheilvollen Jubel erfüllt.
Isabelle und Damian drehten sich zu den versammelten Gästen, Hand in Hand, unangefochten in ihrer neuen Macht. Dann glitt Isabelles Blick zu Alexander, der gebrochen und leblos auf seinem Platz saß, seine Augen auf sie geheftet, als würde er sie nicht wiedererkennen. Für einen Herzschlag lang schien sie seine Verzweiflung zu berühren, dann formte sich ein erbarmungsloses Lächeln auf ihren Lippen.
„Alexander," sagte sie leise und trat zu ihm, „du hast geglaubt, ich wäre deine Prinzessin, nicht wahr? Gefangen in deinem goldenen Käfig, dem Licht verhaftet und blind für das, was ich wirklich bin. Aber sieh mich jetzt an." Sie neigte sich zu ihm, ihre Stimme nur ein Hauch. „Ich bin keine Prinzessin. Ich bin eine Königin. Eine Königin der Dunkelheit, und du... du gehörst nun mir. Für immer."
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Die Schatten Königin- Between Shadows and Flames
RandomAls Isabelle neu in die Stadt zieht, begegnet sie den Devereaux-Brüdern, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Alexander ist vorsichtig und gutmütig, während Damian dunkel und gefährlich ist. Zwischen Licht und Schatten, Sicherheit und Gefahr, s...