Als ich den Eingang des Clubs Opal erreichte, war die Nacht bereits tiefschwarz, und die Straßenlaternen warfen lange, diffuse Schatten auf das Pflaster. Der Mond hing wie eine zerquetschte Scheibe am Himmel, sein Licht blass und kalt, als könnte es die Dunkelheit kaum durchdringen.
Der Club zog die Blicke auf sich, nicht zuletzt wegen des großen Schildes über dem Eingang. Opal stand dort in hell leuchtenden, weißen Buchstaben. Die schwarze Glasfassade darunter spiegelte das Licht, als würde sie den Namen noch stärker hervorheben. Es war unmöglich, an dem Lokal vorbeizugehen, ohne es zu bemerken.
Der rote Teppich vor dem Eingang signalisierte deutlich, dass nicht jeder hier willkommen war. Die Türsteher in ihren schwarzen Anzügen mit ernstem Blick unterstrichen noch einmal, wie schwer es war, Zugang zu diesem Club zu bekommen.
Vor dem Eingang hatte sich eine lange Schlange gebildet, die sich bis zum Ende der Straße zog. Menschen in freizügigen Outfits, die sich kaum zurückhielten, ihre Vorfreude und Ungeduld zu zeigen.
Einige standen still und starrten auf die Tür, während andere in kleinen Gruppen zusammenstanden, miteinander sprachen oder in ihren Handys tippten, als wollten sie sich nicht fehl am Platz fühlen.
Besonders auffällig waren die Frauen, die in knappen Outfits gekleidet waren, ihre Blicke aufmerksam auf die ankommenden Männer gerichtet, in der Hoffnung, dass der eine oder andere sie bemerken und mitnehmen würde.
Es war offensichtlich, dass viele hier nicht nur auf den Eintritt hofften, sondern auch auf das Versprechen von Reichtum und Einfluss, das dieser Club zu bieten schien. Es erstaunte mich, wie viele so verzweifelt waren. Trotz der Kälte harrten sie draußen aus und ertrugen zitternde Beine.
Ich straffte die Schultern und zog den Mantel enger um mich, während die Kälte sich langsam auch unter meinen Stoff schlich. Ich war an Schmerz gewöhnt und daran, ihn zu verbergen, egal wie stark er war. Doch auch wenn ich ihn nicht zeigte, bedeutete das nicht, dass ich ihn nicht spürte.
Unter meinem Mantel fiel mein sorgfältig ausgewähltes Kleid in schweren, fließenden Linien bis zum Boden. Es war verführerisch und betonte jede Kurve, während der tiefe Rückenausschnitt meine Rückenmuskeln zur Geltung brachte.
Ich wusste, dass ich die Blicke auf mich ziehen würde, doch das Kleid hatte etwas Stilvolles, Elegantes an sich, das die Aufmerksamkeit auf die richtige Weise lenkte.
Um dennoch vorbereitet zu sein, hatte ich ein schmales Messer in einem Halfter um meinen Oberschenkel geschnallt, sicher verborgen unter dem Stoff, aber jederzeit griffbereit. Es war eine meiner goldenen Regeln: Das Haus verließ ich niemals unbewaffnet.
Trotzdem fühlte ich mich genauso armselig und verzweifelt wie die anderen jungen Mädchen um mich herum. Ich stand nicht auf der Gästeliste, hatte keine Einladung und wusste, dass der Club mich nicht einfach so hereinzulassen würde.
Am liebsten wäre ich direkt zu den Türstehern gegangen, hätte mit ihnen geredet – oder besser gesagt, versucht, sie zu überreden, mich reinzulassen. Doch ich wusste, wie das wahrscheinlich enden würde. Wenn sie mich nicht einließen – und das war mehr als wahrscheinlich –, könnte ich sie auch einfach umwerfen.
Ich hatte keine Zweifel, dass ich es körperlich mit ihnen aufnehmen könnte, aber in dieser Öffentlichkeit konnte ich mir nicht leisten, als zierliches Mädchen vor den Augen aller zwei Riesen zu überwältigen. Ich konnte schon förmlich die Schlagzeilen sehen und die Polizei, die mir dicht auf den Fersen war.
Also entschied ich mich für die andere Option: Ich stellte mich weiter abseits an den Straßenrand, wo weniger Menschen standen und ich den Eingang des Clubs gut im Blick hatte.
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Cruor
Novela JuvenilCruor - ein Mittel, das Leben rettet. Ein Mittel, das einen Preis fordert, den diejenigen zahlen müssen, die Cruor in sich tragen. Aber es ist ein Preis, den diejenigen nicht zahlen wollen! ------------------------- Helena, zieht nach dem Verlust ih...
