Adriana 23

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Ein Schock durchfuhr meinen Körper, und für einen Moment setzte mein Gehirn aus, als aus ihrem Mund der Name „Wilson" fiel. Mein Inneres tobte, und am liebsten wäre ich sofort aufgesprungen, um ihn zu finden, obwohl er noch gar nicht eingetroffen war.

Doch ich wusste nicht einmal sicher, ob es wirklich der Wilson war, den ich suchte. Also zwang ich mich, die Ruhe zu bewahren. Das Messer verweilte noch immer an der Kehle des Mädchens, deren Namen ich nicht einmal erfragt hatte.

Eigentlich war er mir auch herzlich egal, denn mein Gedächtnis sortierte alles Unwichtige gnadenlos aus – und die Namen von Personen, die ich als irrelevant einstufte, verschwanden besonders schnell.

Unbewusst hatte sich mein Griff durch den Schock gelockert. Noch brauchte ich das Mädchen, denn ich war weder im Club noch hatte ich Gewissheit, dass der Inhaber – möglicherweise mein Gesuchter – tatsächlich hier auftauchen würde.

„Du wirst deinen Job wie gewohnt weitermachen. Mir ist egal wie, Hauptsache, du fällst nicht auf," forderte ich, meine Stimme eisig. „Danach wirst du mich in den Club bringen. Und nur damit du es weißt: Ich werde dich die ganze Zeit im Auge behalten. Solltest du versuchen, dich nicht an unsere Abmachung zu halten, werde ich dich genauso überwältigen wie gerade eben."

Ein kurzes, zögerliches Nicken, denn mehr brachte sie nicht zustande. Dann ließ ich das Mädchen schließlich los. Ihre Schultern sanken einen Moment lang, bevor sie sich sofort wieder strafften, als wollte sie jede Spur von Schwäche verbergen. Selbst jetzt, mit einer Wunde am Schlüsselbein, strahlte sie eine gewisse kämpferische Würde aus, die nicht zu übersehen war.

Ich trat ein paar Schritte zurück, ohne den Blick von ihr zu nehmen. Ihre Augen verengten sich leicht, und ich konnte den unübersehbaren Funken von Trotz darin erkennen. Sie war nicht der Typ, der leicht einzuschüchtern war – das konnte ich sehen. Vielleicht war sie in ihrer Ehre gekränkt, aber sie würde sich das niemals anmerken lassen.

Ihre Hände glitten ruhig und kontrolliert zur blutigen Stelle an ihrem Schlüsselbein. Mit fast schon methodischer Präzision ertastete sie die Wunde.

Einen Moment lang standen wir einfach da, die Anspannung in der Luft fast greifbar. Meine Haltung blieb aufrecht, und sie erwiderte meinen durchdringenden Blick mit einem Ausdruck, der ebenso viel Trotz wie Vorsicht zeigte. Schließlich brach sie das Schweigen.

„Warum willst du überhaupt in den Opal?" Ihre Stimme war ruhig, aber durchdrungen von einer unterschwelligen Schärfe. „Was suchst du da so dringend, dass du mir ein Messer an die Kehle setzt?"

Ich musterte sie einen Moment lang, entschied mich jedoch, keine Details preiszugeben. „Das geht dich nichts an."

„Du machst hier einen ziemlichen Aufstand dafür, dass es mich nichts angehen soll." Sie hob eine Augenbraue und trat einen Schritt näher, ihr Blick fixierte mich wie ein Jäger seine Beute. „Und woher kannst du überhaupt so kämpfen? Du bist zu..." Sie hielt kurz inne, musterte mich von oben bis unten. „Zierlich, um das einfach so gelernt zu haben."

Ein leichtes Grinsen huschte über mein Gesicht, doch meine Stimme blieb kalt. „Glaub mir, Größe ist nicht alles. Es geht darum, wie man sie einsetzt."

Sie verschränkte die Arme, als ob sie mich weiter herausfordern wollte. „Das erklärt immer noch nicht, woher du solche Fähigkeiten hast."

Ich musste mich bedeckt halten und zuckte deswegen nur mit den Schultern und wich ihrem Blick nicht aus. „Man lernt einiges, wenn man muss."

„Das ist keine Antwort." Ihre Stimme wurde schärfer, sie schien nicht so leicht aufzugeben.

„Und du hast nicht viel Zeit, um mich auszufragen", entgegnete ich und deutete mit einem knappen Nicken auf die schwarze Limousine, die langsam in die Straße einbog. „Sieht aus, als wäre dein Job angekommen."

CruorWo Geschichten leben. Entdecke jetzt