Bevor ich reagieren konnte, spürte ich plötzlich einen harten Griff um meine Handgelenke. Der Mann, der mich eben noch mit schmeichelnden Worten und falschem Lächeln eingelullt hatte, packte mich von hinten.
Mit einem schnellen, geübten Bewegungsablauf verschränkte er meine Arme hinter meinem Rücken und zog sie fest an, während er seinen anderen Arm um meinen Hals legte und mich so in einen Schwitzkasten zwang.
„Ganz ruhig, Süße," murmelte er dicht an meinem Ohr, seine Stimme glatt, fast beiläufig. Ich spürte seinen heißen Atem an meinem Nacken, während ich mich instinktiv wand und versuchte, mich zu befreien. Seine Hände waren stark, sein Griff unerbittlich. Mein Atem wurde schneller, Adrenalin schoss durch meinen Körper, meine Gedanken überschlugen sich.
„Lass mich los," zischte ich, wobei ich meine Stimme so ruhig wie möglich hielt, obwohl mein Herz wie wild hämmerte. Innerlich arbeitete mein Verstand fieberhaft, nach einem Ausweg suchend. Aber jeder Versuch, mich zu bewegen, ließ seinen Griff nur noch enger werden.
Ich zwang mich, innezuhalten. Widerstand brachte hier nichts außer Energieverlust. Stattdessen beschloss ich, mich der Situation anzupassen – zumindest für den Moment. Meine Muskeln entspannten sich, und ich stellte mein Sträuben ein, während ich meine Umgebung genau beobachtete. Vielleicht würde er unachtsam werden, sich in falscher Sicherheit wiegen. Und genau dann würde ich zuschlagen.
Der Mann aus dem Schatten trat näher, und als das Licht ihn voll erfasste, sah ich ihn deutlich. Er war älter, sicherlich Mitte 60, aber auf eine Art, die nichts von Schwäche oder Gebrechlichkeit verriet. Seine Statur war beeindruckend – schlank, aber muskulös, wie jemand, der sich sein Leben lang in Form gehalten hatte. Sein Gang war ruhig und geschmeidig.
Sein Gesicht zeigte die Zeichen der Jahre: tiefe Falten, die sich an den Mundwinkeln und um die Augen eingegraben hatten, und eine Stirn, die von einem Leben gezeichnet war. Doch diese Falten verliehen ihm Autorität, nicht Schwäche.
Seine grauen Haare waren kurz geschnitten, ein klassischer Stil, der seinen kantigen Kiefer und die starken Gesichtszüge betonte. Die Augen – ein stechendes, eisiges Blau – waren scharf und durchdringend, als könnten sie alles und jeden analysieren und auseinandernehmen.
Auch er trug eine Anzugshose, aber kombiniert mit einem schwarzen Hemd ohne Krawatte, was ihm eine Mischung aus Eleganz und Lässigkeit verlieh. Sein ganzer Auftritt strahlte Kontrolle und Macht aus.
„Ich mag es nicht, wenn Fremde in meinen Club einbrechen," sagte er schließlich, seine Stimme tief, ruhig und unnachgiebig. Er sah mich mit einem Blick an, der mir das Gefühl gab, völlig durchschaut zu werden. „Noch weniger mag ich es, wenn sie denken, sie könnten hier herumschnüffeln, ohne dass ich es bemerke."
Ich hätte gleichzeitig lachen und weinen können. Ich hatte es tatsächlich geschafft. James Wilson, leibhaftig, stand direkt vor mir – und bedrohte mich. Das war nicht der Moment oder die Art, wie ich mir unser erstes Treffen vorgestellt hatte, aber besser so, als dass es niemals geschehen wäre.
Mein Blick huschte kurz zu dem Kerl, der mich hierher gelockt hatte. Der Typ, der mich mit so viel Selbstsicherheit angebaggert hatte, als wäre es sein gottgegebenes Talent. Offensichtlich war er mehr als nur ein schmieriger Club-Gänger, der nach einem schnellen Abenteuer suchte.
Er arbeitete für Wilson. Und ich war darauf reingefallen.
Ich biss die Zähne zusammen, während ich den festen Griff des Kerls spürte, der mich hierher gezerrt hatte. Die Wut darüber, dass er mich so leicht in diese Situation gebracht hatte, loderte in mir auf.
Aber jetzt hatte ich keine Zeit, um mich zu ärger. Stattdessen richtete ich meine ganze Aufmerksamkeit auf Wilson. Er war das wahre Ziel. Nicht sein lakonischer Handlanger, der mich festhielt.
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Cruor
Teen FictionCruor - ein Mittel, das Leben rettet. Ein Mittel, das einen Preis fordert, den diejenigen zahlen müssen, die Cruor in sich tragen. Aber es ist ein Preis, den diejenigen nicht zahlen wollen! ------------------------- Helena, zieht nach dem Verlust ih...
