Der Flur war schmal, die Wände in einem tiefen Anthrazitton gehalten, beleuchtet von schmalen LED-Streifen, die ein warmes, goldenes Licht ausstrahlten. Der Boden war mit dunklen Fliesen ausgelegt, die das Licht dezent reflektierten und den Eindruck von Eleganz vermittelten, auch wenn dieser Bereich eindeutig für die Mitarbeiter gedacht war.
Meinen Rücken presste ich sofort an die Wand, ein Instinkt, der sich in der Vergangenheit bewährt hatte. Wenn es Kameras gab, dann waren sie meist an den Decken angebracht, mit Blick auf die Mitte des Flures – ein einfacher Trick, um im toten Winkel zu bleiben und das Risiko zu minimieren, erfasst zu werden.
Mein Blick suchte die Wände und Ecken ab, doch ich konnte keine Kameras entdecken. Ein Club wie dieser hatte sonst doch immer Videoüberwachung, vor allem in den Bereichen, die für Gäste tabu waren.
Ein ungutes Gefühl stieg in mir auf. Es war fast zu einfach, sich hier unbeobachtet zu bewegen, und das machte mich misstrauisch. Vielleicht hatten sie einfach andere Sicherheitsmaßnahmen, oder der Besitzer hielt nicht viel von Technik. Was auch immer der Grund war, ich schob den Gedanken beiseite. Zumindest hier fühlte ich mich sicher, dass mich niemand beobachtete – jedenfalls nicht durch eine Linse.
Ich hatte keine Ahnung, wohin dieser Flur mich führen würde, aber Umkehren war keine Option. Mein Herz pochte schneller, und ich zwang mich, nicht hektisch zu wirken.
Hektik weckte Aufmerksamkeit – und Aufmerksamkeit war das Letzte, was ich gebrauchen konnte. Die Schuhe auf dem harten Boden machten einen leisen, aber dennoch spürbaren Klang. Ich hielt die Schritte bewusst gleichmäßig.
Ich schritt bis zu Ende des Ganges, wo die Musik immer lauter wurde. Die Tür am Ende war nicht verschlossen, und ich drückte sie vorsichtig auf, nicht sicher, was dahinter auf mich wartete.
Als ich hindurchtrat, musste ich mich für einen Moment orientieren. Vor mir lag ein belebter Bereich, direkt hinter einer Bar. Die Theke war nur wenige Schritte entfernt, und zwischen den Mitarbeitern herrschte reges Treiben – Gäste wurde bedient, Getränkekisten gestapelt, Gläser gespült, und jemand rief Anweisungen über den Lärm.
Ich war direkt im Club gelandet. Perfekt. Doch jetzt hieß es, unauffällig zu bleiben. Den kurzen Moment der Überraschung schüttelte ich ab, hob das Kinn und setzte eine selbstbewusste Haltung auf.
Mit einem fließenden Schritt schlüpfte ich geschickt um einen Mitarbeiter herum, der ein Tablett voller Drinks balancierte. Im nächsten Augenblick stand ich auf der anderen Seite der Bar – mitten im Geschehen.
Niemand schien zu bemerken, dass ich aus dem Mitarbeiterbereich gekommen war. Die Angestellten waren viel zu sehr mit ihrer Arbeit beschäftigt, und die Gäste mit sich selbst.
Ich hatte es geschafft. Ich war endlich im Club. Der erste Schritt war also erledigt, aber jetzt begann der wahre Teil. Wilson finden. Das war der Plan, zumindest bis zu diesem Punkt. Danach? Tja, danach würde ich sehen.
Ich ließ meinen Blick über die Menge schweifen. Der Club war voll, aber nicht überfüllt. Die Leute waren gut gekleidet, ein Mix aus Geschäftsleuten, Künstlern, und ein paar geheimen Gesichtern, die man besser nicht zu lange anstarrte. Es gab die üblichen Pärchen, die sich an den Tischen unterhielten, und einige, die am Rand standen und mit scharfem Blick die Menge musterten.
Im Zentrum der Tanzfläche flirrte ein Lichtkegel, der von der Decke herabfiel, und hüllte die tanzende Masse ein. Drumherum gab es kleine Nischen, versteckte Lounge-Bereiche, und am Ende des Raums eine weitere Bar, hinter der die Barkeeper Drinks mixten.
Wo könnte Wilson nur sein? So wie ich ihn einschätzte, würde er sich niemals einfach unter die Menge mischen. Das passte nicht zu seinem Stil. Wahrscheinlich hatte er hier ein Büro, wo er in Ruhe arbeiten konnte. Vielleicht war er auch hier um ein Meeting abzuhalten.
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Cruor
Roman pour AdolescentsCruor - ein Mittel, das Leben rettet. Ein Mittel, das einen Preis fordert, den diejenigen zahlen müssen, die Cruor in sich tragen. Aber es ist ein Preis, den diejenigen nicht zahlen wollen! ------------------------- Helena, zieht nach dem Verlust ih...
