Kapitel 17

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Drei Tage später.

Ich stand vor dem Spiegel und betrachtete mich, wie ich mich noch nie zuvor gesehen hatte. Drei Tage waren seit meiner Entlassung aus dem Krankenhaus vergangen, und in dieser kurzen Zeit hatte sich so viel verändert. Mein Zimmer, das noch vor Kurzem ein Sammelsurium aus alten, unordentlichen Klamotten und Erinnerungen war, erstrahlte jetzt in einem völlig neuen Licht. Es war nicht nur aufgeräumt, sondern mit frischen Möbeln und einer beruhigenden Farbpalette ausgestattet, die mir sofort ein Gefühl von Ruhe und Neuheit gab.

Die Wände waren jetzt in einem sanften Blau gestrichen, und der Boden glänzte frisch. Überall standen Pflanzen, die dem Raum Leben verliehen. Der Schrank in der Ecke war voll mit neuen Klamotten, die ich nie für möglich gehalten hätte. Und ich fühlte mich... gut damit. Es war nicht nur, dass die Klamotten jetzt modischer und besser passten. Es war die Tatsache, dass sie mir wirklich gefielen – elegante Reitklamotten, die zu mir passten, neue Hosen, hübsche Oberteile und bequeme, aber stylische Outfits für die Schule.

Ich zog mir eine meiner neuen Reithosen und ein passendes Shirt an. Das war das Beste an allem – ich musste nicht mehr in unordentlichen, weiten Klamotten herumlaufen, in denen ich mich nie richtig wohl gefühlt hatte. Die Reithosen passten perfekt, und das coole Bordeaux-Rot-Set, das meine Mutter mir besorgt hatte, war einfach der Hammer: Ein neuer Sattel, eine neue Trense, Bandagen, Schabracken und Fliegenohren – alles im perfekten Farbton, der zu Sun's weißem Fell passte. Ein Look, der fast so edel war wie das Gefühl, das ich bekam, wenn ich auf ihm saß.

„Wow", murmelte ich und betrachtete mich nochmal im Spiegel. Heute war der Tag, an dem ich endlich wieder richtig Lust hatte, ausreiten zu gehen. Die Pferde – Mystery und Sun – warteten nur darauf, dass ich sie wieder in die Freiheit führte. Mystery, mein dunkelbraunes Pferd, das mir immer ein bisschen geheimnisvoll vorkam, und Sun, mein kräftiger, weißer Hengst, der voller Energie steckte. Sie hatten mich nie enttäuscht, sie waren immer für mich da.

„Bist du fertig?", rief meine Mutter von unten.

„Ja, komme gleich!"

Ich nahm meine Tasche und ging nach unten, wo meine Mutter mir ein breites Lächeln schenkte. „Wie gefällt dir alles?"

„Es ist perfekt", antwortete ich, während ich mir die Jacke überzog. Sie hatte wirklich keinen Aufwand gescheut, um mir den Start in mein neues Leben zu erleichtern. Ich fühlte mich, als hätte ich jetzt nicht nur ein neues Zimmer, sondern ein neues Ich. 

Im Stall warteten Mystery und Sun schon auf mich. Mystery, mein dunkelbrauner Hengst, hatte das neue Bordeaux-Halfter, das perfekt zu seinem edlen Fell passte. Sun, mein strahlend weißer Hengst, stand ebenfalls ruhig da, als ich ihm die Fliegenohren aufsetzte, die ebenfalls in Bordeaux gehalten waren. Ich schlich eine Hand über seine Mähne und schnallte ihm die Bandagen um, als würde ich ihn auf ein großes Abenteuer vorbereiten. Dann ging ich zu Bella, meiner Golden Retriever Hündin, die mit ihrem neuen Bordeaux-Halsband und Geschirr fröhlich bellte und sich auf den Ausritt freute.

„Komm, Bella", sagte ich und kraulte ihr den Kopf, bevor ich die Hündin an die Leine nahm.

„Wir gehen heute zum Strand."

Die Sonne schien in einem klaren, blauen Himmel, und der salzige Wind wehte über den offenen Strand. Von unserem Haus aus konnte ich das weite Meer sehen – der perfekte Ort für einen Ausritt. Der weiche Sand war ein idealer Boden, um mit Sun und Mystery zu reiten, und ich wusste, dass wir heute einfach die Freiheit genießen würden.

Ich legte das Halfter an Mystery und führte ihn am Zügel, während Sun ruhig neben mir herging. Bella sprang fröhlich um uns herum und bellte hin und wieder, als wolle sie uns zu einem Rennen auffordern. Wir gingen den Weg entlang, der uns direkt zum Strand führte, und der Geruch von salzigem Wasser und frischer Luft füllte meine Lungen.

„So schön, oder?", flüsterte ich Sun, als wir das Ufer erreichten. Der Sand glitzerte im Sonnenlicht, und die Wellen rollten sanft ans Ufer.

Mit einem leichten Lächeln stieg ich in den Sattel, gab Sun einen sanften Klaps und ließ ihn in einen ruhigen Schritt übergehen. Mystery lief brav neben uns her, und Bella tollte aufgeregt im Sand herum.

„Lass uns ein bisschen mehr Gas geben", sagte ich und gab Sun das Zeichen, schneller zu gehen. Mystery trabte nun ebenfalls schneller, und Bella lief mit unermüdlicher Energie hinter uns her.

„Wie fühlt sich das an?", fragte ich mich selbst und spürte, wie der Wind durch meine Haare strich, während Sun und ich gemeinsam den Strand entlang ritten. Die Sonne wärmte meinen Rücken, der Sand glitzerte golden, und das Geräusch der Wellen war die einzige Begleitung zu unseren Bewegungen.

Es war ein Gefühl, das ich nie wieder missen wollte. Die Freiheit, die der Strand mir gab, die Verbindung zu Sun und Mystery, die mich beide vollkommen vertrauten, und Bella, die ausgelassen zwischen uns herumlief. Für den Moment fühlte sich alles richtig an.

Ich gab Sun ein Zeichen, den Schritt in einen leichten Trab zu übergehen, und der weite Horizont schien nur noch für uns zu existieren. Es war ein Tag, den ich in meinem Herzen bewahren wollte. Der Moment gehörte mir – endlich war ich diejenige, die die Zügel in der Hand hielt, nicht nur beim Reiten, sondern auch in meinem Leben.

„Das hier ist mein neuer Anfang", murmelte ich und atmete tief ein. Der Wind brachte eine unbeschreibliche Leichtigkeit mit sich.

Mystery und Sun liefen nebeneinander, der weiche Sand schien unter ihren Hufen zu verschwinden, und Bella war stets an unserer Seite, als würde sie uns begleiten und uns anfeuern. Wir galoppierten weiter, bis der Horizont uns fast verschlang, der Wind in meinen Ohren und das Rauschen der Wellen der einzige Klang, der blieb.

Für den ersten Moment in meinem Leben fühlte ich mich nicht mehr wie die „komische" Ella. Nein, ich war Ella – die Reiterin, die mutig den Weg des Lebens beschritt. Und heute war mein Tag.

BlakeWo Geschichten leben. Entdecke jetzt