Ich konnte kaum atmen. Der Raum um mich war so dunkel, dass es schien, als ob die Dunkelheit selbst mich ersticken wollte. Die Ketten an meinen Handgelenken schnitten in meine Haut, der kalte, metallische Druck ließ meine Finger taub werden. Doch das war nichts im Vergleich zu dem, was in mir vorging.
Ich fühlte nichts mehr. Kein Schmerz, keine Tränen. Nur Leere. Und dann... Wut.
Ich hatte geglaubt, ich wüsste, wer ich bin, wer meine Familie ist. Ich hatte geglaubt, dass es irgendwo einen Platz für mich in dieser Welt gab. Aber das war alles eine Lüge gewesen. Mein Vater – dieser Mann, der mich in dieser Dunkelheit zurückgelassen hatte – hatte mich nie geliebt. Nie. Und das zu wissen, das wusste ich jetzt tief in mir, war wie ein Schlag ins Gesicht.
Die Worte, die er gesagt hatte, hallten immer noch in meinem Kopf, wie ein Echo, das niemals verklingen wollte. „Du bist nur ein Spielzeug für mich. Ein Werkzeug." Die Vorstellung, dass er mich nie als Tochter, nie als Mensch gesehen hatte, sondern nur als Mittel zum Zweck, schnürte mir die Kehle zu. Doch während die Leere in meinem Inneren größer wurde, wuchs etwas anderes – etwas Dunkles, etwas, das ich nicht kontrollieren konnte.
Ich drückte die Zähne zusammen. Nein. Ich würde nicht zulassen, dass er mich besiegte. Nicht so.
Meine Hände waren wie Blei, als ich versuchte, mich aufzurichten. Der Boden unter mir schien zu schwanken, als würde er sich mit der Dunkelheit verschmelzen. Ich konnte die Ketten spüren, wie sie sich an meinen Handgelenken festzogen, aber ich weigerte mich, sie als das zu akzeptieren, was sie waren: meine Fesseln.
Ich wollte schreien, wollte weinen, aber es ging nicht. Die Worte blieben mir im Hals stecken. Ein Teil von mir hatte sich geschworen, niemals aufzugeben, aber der andere Teil – der Teil, der mich immer noch an die Lüge der Vergangenheit glauben ließ – war am Boden zerstört. Mein Vater hatte mich benutzt. Und die, die ich geglaubt hatte, meine Freunde zu sein, Londan und Ryan, waren nur Spielfiguren in seinem Plan. Die Welt, die ich kannte, zerbrach, Stück für Stück.
Aber da war auch diese Wut. Sie brodelte in mir, unaufhaltsam, unbändig. Sie kam aus einem tiefen, dunklen Ort, den ich lange nicht mehr betreten hatte.
„Du hast mich nie geglaubt, dass ich mehr bin als das, was du siehst."
Die Worte flogen mir durch den Kopf. Ich konnte sie nicht mehr zurückhalten. Sie waren wie ein Schwur. Ich hatte nie gewusst, dass ich in mir selbst eine solche Kraft hatte. Aber jetzt wusste ich, dass ich nicht mehr das hilflose Mädchen war, das sie geglaubt hatten. Ich war nicht nur eine Puppe in den Händen meines Vaters. Ich würde mich nicht von ihm definieren lassen.
Meine Zähne gruben sich in meine Unterlippe, als ich mich versuchte, aus der Dunkelheit zu befreien. Es tat weh. Alles tat weh. Aber das war nicht der Punkt. Der Punkt war, dass ich nicht hier bleiben würde. Nicht für ihn. Nicht für diese Ketten. Nicht für die Lügen.
Mit einem letzten, verzweifelten Ruck versuchte ich, mich hochzuziehen. Meine Beine waren weich, mein Körper schrie vor Schmerz, aber ich kämpfte weiter. Jeder Millimeter, den ich mich nach oben quälte, ließ mich stärker fühlen. Ich konnte spüren, wie meine Muskeln nachgaben, aber in meinem Kopf brüllte etwas anderes: Ich werde nicht aufgeben.
Endlich, mit einem letzten Stoß, stand ich – wackelig, zitternd, aber auf meinen eigenen Füßen. Mein Körper schmerzte, meine Glieder fühlten sich wie Blei an, aber ich hatte es geschafft, mich zu befreien. Ich war wieder aufrecht. Und in diesem Moment, als ich in der Dunkelheit stand und nichts mehr als Stille um mich war, wusste ich:
Es war erst der Anfang.
„Du hast nie geglaubt, dass ich mehr bin, als du siehst", flüsterte ich leise, meine Stimme rau und zitternd vor aufgestauter Wut. Doch diese Worte, diese Schwüre, die ich mir selbst gab, hatten jetzt einen neuen Klang. Sie waren nicht mehr nur leere Worte. Sie waren der Anfang meiner Rebellion.
Ich würde mir mein Leben zurückholen.
Und wenn mein Vater nicht bereit war, mir zu geben, was mir zustand, dann würde ich ihm zeigen, dass ich viel mehr war, als er jemals für möglich gehalten hatte.
Die Stille um mich herum war jetzt nicht mehr erdrückend. Sie war die Stille vor dem Sturm.
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Blake
Romantizm"Wieso bist du noch hier?" "Weil ich dich liebe." Blake und Ella. Er ist der Badboy der Schule, den jedes Mädchen will aber nicht haben kann. Er interessiert sich für niemanden und vorallem nicht für Ella. Auch er hat sich schon einige Male über s...
