Kapitel 28

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Ich wusste, dass ich an einem Punkt angekommen war, an dem es kein Zurück mehr gab. Die Dunkelheit, die mich zuvor nur geängstigt hatte, war nun ein Teil von mir. Sie war keine fremde, bedrohliche Macht mehr – sie war meine eigene. Ich konnte sie fühlen, sie pulsierte durch meine Adern, durch jede Faser meines Körpers. Sie war nicht nur etwas, das in den Schatten lauerte. Sie war ein Teil der Wahrheit, die mir immer vorenthalten worden war.

„Bist du sicher, dass du bereit bist, damit umzugehen?", fragte Londan, seine Stimme war ein leises Echo in der Dunkelheit des Kellers. Aber in seinen Augen lag kein Zweifel mehr, nur das stille Vertrauen, dass ich meine Entscheidung nicht mehr rückgängig machen würde.

„Ich habe keine Wahl", antwortete ich, ohne ihn anzusehen. Stattdessen sah ich auf meine Hände, die nun die Energie spürten, die durch mich floss. Es war wie ein Strom, der unaufhörlich durch meine Finger surrte, die Muskulatur unter meiner Haut vibrierte mit jeder Bewegung. „Ich muss es tun. Für mich. Für alle, die er verletzt hat."

Londan trat noch näher, aber er sagte nichts mehr. Er wusste, dass dies ein Moment war, den ich alleine durchleben musste. Ich hatte die Dunkelheit in mir geweckt, und nur ich konnte entscheiden, was ich damit anfing. Es gab keine Anleitung, keine Lösung, die mir jemand anderes geben konnte. Das war mein Kampf, und ich hatte keine Ahnung, wie er enden würde.

„Es wird nicht leicht, Ella", sagte Londan schließlich, als er sah, wie ich tief in Gedanken versank. „Aber du wirst nicht alleine sein, auch wenn du es vielleicht so empfindest. Du musst lernen, dich auf diese Macht zu verlassen."

Ich nickte, auch wenn ich wusste, dass ich nicht sicher war, wie ich diese Macht beherrschen sollte. Aber ich hatte keine Wahl. Mein Leben war immer ein Spiel für meinen Vater gewesen, und er hatte immer versucht, mich zu brechen. Doch jetzt wusste ich, dass ich die Zügel in die Hand nehmen musste. Es war Zeit, die Marionette zu zerstören.

„Wie kann ich ihm entkommen?", fragte ich, die Worte kamen fast mechanisch, doch sie waren von einer tiefen Verzweiflung durchzogen. „Er hat mich in diesem Spiel gefangen. Und ich weiß nicht, wie ich den Ausgang finden soll."

Londan sah mich mit einem Ausdruck an, der sowohl Mitleid als auch Ermutigung in sich trug. „Du musst den Spieß umdrehen. Du musst ihm zeigen, dass er dich nicht kontrollieren kann. Du bist stärker, als du denkst."

Ich schloss die Augen und atmete tief durch. Der Gedanke, gegen meinen Vater zu kämpfen, fühlte sich gleichzeitig befreiend und erschreckend an. Aber ich wusste, dass ich es tun musste. Ich konnte nicht weiterhin die Rolle der hilflosen Tochter spielen, die von ihrem Vater manipuliert wurde. Ich war mehr als das.

Die Stimme aus der Dunkelheit flüsterte wieder in meinem Kopf. Sie klang nun vertrauter, weniger bedrohlich. Du bist der Schlüssel. Es war nicht nur ein Flüstern mehr, sondern eine feste Wahrheit, die sich in meinem Inneren manifestierte.

„Du wirst ihn besiegen", sagte Londan leise. „Aber sei dir bewusst, dass der Weg dorthin schmerzhaft sein wird. Du musst bereit sein, Opfer zu bringen."

Ich nickte und öffnete die Augen. „Ich bin bereit. Ich muss es einfach tun."

Ich spürte die Energie in mir, die Dunkelheit, die keine Bedrohung mehr war. Sie war mein Werkzeug, mein Verbündeter. Und mit diesem Wissen stand ich auf, meine Ketten, die mich immer gefangen gehalten hatten, inzwischen keine Last mehr für mich. Ich war stärker geworden, und die Dunkelheit war kein Feind mehr. Sie war Teil von mir, ein Teil, den ich nutzen konnte.

„Wie genau werde ich gegen ihn kämpfen? Was ist der erste Schritt?" fragte ich, jetzt mit einer neuen Entschlossenheit in der Stimme.

Londan verschränkte die Arme und sah mich mit einem prüfenden Blick an. „Du musst herausfinden, wie du die Verbindung zwischen dir und ihm durchbrechen kannst. Er hat dich kontrolliert, seit du klein warst. Er hat dich als Werkzeug benutzt, als ein Mittel zum Zweck. Aber das ist vorbei. Du musst die Fäden durchschneiden, die er um dich gewickelt hat."

Ich spürte die Schwere dieser Worte. Mein Vater hatte immer eine Kontrolle über mich gehabt, eine unsichtbare Macht, die mich in den letzten Jahren gefangen hielt. Aber ich wusste jetzt, dass diese Fäden nicht stärker waren als ich. Ich konnte sie durchtrennen. Ich musste es nur wollen.

„Wie komme ich an den Punkt, an dem ich diese Kontrolle durchbrechen kann?" fragte ich, während ich mich wieder auf das Buch konzentrierte. Es lag noch immer auf dem Boden vor mir, die Seiten offen, als wollte es mir die Antwort zeigen.

Londan seufzte und trat näher. „Du musst verstehen, dass du deine eigenen Grenzen auflösen musst. Die Dunkelheit, die du in dir trägst, ist nicht nur eine Waffe gegen ihn. Sie ist ein Spiegel deiner eigenen Ängste, deiner Unsicherheiten. Du musst bereit sein, deine Ängste zu überwinden, sie zu kontrollieren und nicht umgekehrt."

Ich nickte, als ich diese Worte verstand. Es war nicht nur der Kampf gegen ihn, gegen meinen Vater, der mich gefangen hielt. Es war auch der Kampf gegen meine eigenen Dämonen, die mich immer wieder klein gehalten hatten. Nur wenn ich meine Ängste besiegte, würde ich die Macht finden, mich wirklich zu befreien.

„Ich werde ihn besiegen", sagte ich, mein Blick fest. „Ich werde nicht mehr seine Marionette sein."

„Dann geh und mach es", antwortete Londan, sein Gesicht ernst, aber auch stolz. „Die Dunkelheit hat dich nicht nur gezeichnet. Sie hat dich auch vorbereitet."

Und in diesem Moment wusste ich, dass der letzte Schritt in meine Freiheit der schwerste von allen sein würde. Aber ich hatte keine Angst mehr. Ich hatte keine Angst vor dem, was mich erwartete. Die Dunkelheit war jetzt nicht mehr mein Feind. Sie war mein Verbündeter.

Die Reise hatte gerade erst begonnen.

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⏰ Letzte Aktualisierung: Mar 05, 2025 ⏰

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BlakeWo Geschichten leben. Entdecke jetzt