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Ich sehe zu, wie Harry geht. Er springt von dem Fensterbrett herunter, ohne noch einmal zu mir zu blicken.

Mein Schock verlagert sich langsam zu Verwirrung, als ich die Ereignisse die gerade stattgefunden haben nacherzähle. Harrys seltsames, ruhiges Verhalten, die Art wie er er ohne ein Wort gegangen ist. Zugegeben, ich habe ihm gesagt zu gehen, doch er hat recht, nimmt den Gesamtzusammenhang in Betracht. Das kann für keinen von uns gut enden, wenn ich ihm weiterhin helfe und der Wahrheit näherkomme.

Alle Emotionen verlassen mich, außer eine: Wut. Blinde, heiße Wut, die in meiner Brust beginnt und sich in meinen Fingern und Zehen ausbreitet, meine Körpertemperatur steigt, als ich weiter darüber nachdenke was Harry gesagt hat.

"Du verstehst es nicht. Ich will nicht mehr, dass du mir hilfst."

Vor was hat er Angst? Wenn er wusste, dass es nicht gut enden würde, warum hat er mich dann überhaupt gefragt, ihm zu helfen?

Meine Laune ist kurz davor zu explodieren, als ich jeden Moment mit Harry, alles was er gesagt hat überdenke. Er kann nicht einfach von mir erwarten das alles loszulassen, oder? Nur weil er denkt, dass es "zu viel" geworden ist?

Ich sehe mich in meinem Zimmer nach etwas um, dass ich schlagen oder werfen oder zerstören kann. Ich schleudere alle Kissen von meinem Bett und trete auf sie ein, doch das genügt nicht. Ich gehe in meinen Kleiderschrank und finde die Kiste mit Harrys alten T-Shirts und werfe sie aus der Kiste in die Mitte meines Zimmers, verteile sie überall, bunter Stoff fliegt in alle Richtungen. Meine Augen landen auf dem schwarzen Arctic Monkeys T-Shirt und ich trete es weg, lasse es gegen meine Zimmertür fliegen. Ich hebe es auf und schmeiße es erneut, Wut gepaart mit Adrenalin kursiert durch mich. Heiße, wütende Tränen trüben meine Sehkraft, als ich mich bücke und ein T-Shirt in meine Hände nehme, versuche mich zu beruhigen.

Ich versuche mein bestes mich in Harrys Lage zu versetzen, um zu versuchen zu verstehen was er denkt, doch ich kann es einfach nicht. Alles lief so gut, besonders nach letzter Nacht habe ich das Gefühl den Antworten, die Harry braucht um ins Jenseits überzuschreiten, näherzukommen- also warum hat er das Ganze beendet?

Wenn man es so sieht, klingt es als wären wir zusammen oder sowas. Natürlich waren wir das nicht. Ich half ihm einfach nur seinen Mörder zu finden, auch wenn ich tiefere Gefühle für ihn entwickeln würde. Nichts zwischen uns kann anhalten- denn, laut den Worten von Robert Frost, kann nichts Goldenes bleiben.

Ich werfe das Shirt wieder auf den Boden, als mein Kopf immer noch Schwierigkeiten damit hat irgendeinen Grund zu finden, wieso Harry die Bänder die uns verbanden durchgeschnitten hat. Mehr Zorn beginnt sich zu bilden, als ich daran denke wie er in den Videos mit seiner Mutter geredet hat, und die Art wie er sich kaum darum gekümmert hat, selbst als Geist nicht.

"Ich hab dir gesagt, dass ich egoistisch und arrogant war, ich weiß nicht warum es einen Unterschied macht, das auf einem Video zu sehen."

"Ich habe nie behauptet ein Engel gewesen zu sein oder sowas, also verstehe ich nicht warum du so überrascht bist, es selbst zu sehen."

Ich denke daran zurück, als mein Vater gesagt hat das sich Menschen verändern, doch sie verwandeln sich nicht. Ich sehe jetzt, dass er recht hatte. Selbst wenn der Tod Harry von der egozentrischen Person die er einmal war verändert hat, werden kleine Überreste davon zurückbleiben. Er hat sich verändert, aber nicht verwandelt.

Und das macht mich wütend und traurig und lässt mich hoffnungslos fühlen, und ich überzeuge mich selbst, dass die letzten beiden Nebeneffekte von dem wütenden Teil davon sind. Das Bild, wie Harry das Fenster hinter sich schließt, spielt sich vor meinem inneren Auge ab und meine Wut schäumt über.

Phantom » German TranslationWo Geschichten leben. Entdecke jetzt