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Am nächsten Morgen taucht Harry auf dem Weg in die Schule in meinem Auto auf. Er sitzt erneut auf dem Rücksitz, und sein plötzliches Erscheinen lässt mich wieder zusammenzucken.

"Solltest du mittlerweile nicht daran gewöhnt sein, dass ich wie aus dem Nichts auftauche?" fragt er humorvoll.

"Ja, aber ich bin es nicht," sage ich, fahre mein Auto aus der Einfahrt und drehe auf die Straße.

Er lächelt mich an, scheint zufrieden zu sein, das Überraschungselement auf seiner Seite zu haben.

"Interessante Unterhaltung, die du letzten Abend mit deinen Eltern beim Abendessen hattest," sagt er, lehnt sich nach vorn, um sein Gewicht auf die Mittelkonsole zu legen. Ich beobachte ihn im Rückspiegel.

"Welche Unterhaltung?" Röte beginnt auf meinen Wangen empor zu steigen.

Er räuspert sich. "Nein, Dad, sei nicht albern, ich habe keinen toten Freund," sagt er, ahmt meine Stimme nach.

Ich verdrehe meine Augen, mache den Blinker an, als ich um eine Ecke biege. Harry bricht in Gelächter aus, drückt sich zurück, um sich an die Rücksitze zu lehnen. Er streckt über die Oberseiten der Sitze seine Arme aus, grinst.

"Die pure Ironie von dieser ganzen Unterhaltung war höchst amüsant," sagt er, lacht immer noch. Er ahmt meine Stimme erneut nach. "Jungs würden lieber sterben, als mich zu daten."

"Ich hör mich nicht so an, Depp," grummel ich, packe das Lenkrad und funkel Harry in dem Spiegel an, versuche mir ein Lächeln zu unterdrücken.

Jetzt ist Harry dran, seine Augen zu verdrehen. "Tut mir leid, dass ich deine Stimme nicht in der perfekten Tonlage nachmachen kann," sagt er sarkastisch.

Ich schüttel meinen Kopf, unterdrücke mir immer noch ein Lächeln.

Harry lächelt neckend, lehnt sich wieder nach vorn. "Bin ich nicht dein toter Freund, Jane?"

Mein Blick schnellt zwischen Harry auf dem Rücksitz und der Straße hin und her. "Du wirst mich dazu bringen, einen Autounfall zu bauen."

Er lacht erneut. "Ich fasse das als Bestätigung auf."

Ich fahre auf den Parkplatz der Schule, nehme einen Platz der relativ weit vom Gebäude entfernt ist, um Harry versteckt zu halten. Ich schalte den Motor ab und drehe mich um, um ihn anzusehen.

"Viel Spaß in der Schule," sagt er.

"Danke," sage ich. "Ich liebe es einfach mit deinen alten Freunden zur Schule zu gehen, von denen jeder dein Mörder sein könnte."

"Krieg gute Noten!" ruft er, als ich die Tür hinter mir schließe.

Die erste Hälfte des Tages geht langsam vorüber, wie gewöhnlich, und ich erhasche mich dabei mir Sorgen über Harry zu machen. Wird er den ganzen Tag in meinem Auto sitzen? Ich weiß, dass er das schon mal gemacht hat, aber was wenn ihn dieses Mal irgendjemand sieht?

Ich schüttel meinen Kopf und atme tief durch, als ich zum Mittagessen laufe. Ich muss aufhören, mir Sorgen zu machen. Harry geht es gut, ihm geht es immer gut.

Nachdem ich für ein Wasser in der Schlange gewartet hatte (da ich meins heute Morgen praktischerweise auf der Küchentheke vergessen habe) begebe ich mich zu dem Tisch herüber, an dem ich normalerweise sitze. Ich bin fast da, freue mich nach einem monotonen Morgen Schule mich auf mein Essen zu stürzen, als jemand meinen Arm packt.

"Hi, Jane," sagt Ian, lächelt. "Wie geht es dir?"

Ich mache einen Schritt zurück, als ich mich erinnere was der Ausflug in das Spiegel Reparatur Geschäft offenbart hatte: Ian war derjenige, der den blutverschmierten Spiegel den Morgen nach Harrys Tod zur Reparatur hingebracht hatte. Ich betrachte ihn vorsichtig, zeige ihm ein freundliches Lächeln. Oder, so freundlich wie ich es machen kann, wenn es zu diesem Zeitpunkt mehr als wahrscheinlich ist das er Harry umgebracht hat.

Phantom » German TranslationWo Geschichten leben. Entdecke jetzt