Ich sehe Harry drei Tage lang nicht. Ich weiß nicht genau warum, aber er ist nie in meinem Zimmer aufgetaucht oder sonst irgendwas, wie er es gewöhnlich tut, also habe ich vermutet, dass er beschäftigt war.
Was seltsam ist, dafür, dass er tot ist.
Heute ist Freitag, und heute Abend ist die Party in Nates Haus, zu der Ria mich eingeladen hat. Für den Rest der Woche haben sich sowohl Ria als auch Jenna sich hingegeben, mich zu überzeugen, zu kommen. In der Mittagspause war das alles, worüber sie geredet haben. Was ist an dieser Party überhaupt so toll?
Jenna lehnt sich über den Tisch, senkt ihre Stimme. "Hast du gesehen wie groß Nates Haus ist? Es ist fast wie ein Hotel."
Ich hebe eine Augenbraue. "Und?"
"Und, er schmeißt die besten Parties. Wirklich jeder geht hin. Wir beide gehen hin, zusammen mit Max und Ava. Oh, und Zoey, Roy..." Sie rasselt ein paar weitere Namen herunter, die ich nicht kenne.
"Hör zu, ich bin mir sicher das es lustig wird und so, aber ich glaube ich verzichte." Ich stochere in meinem Essen herum.
"Du wirst was verpassen," sagt Ria.
"Ich bin mir sicher, dass ich drüber hinwegkommen werde." Ich erzwinge ein Lächeln.
Ria und Jenna tauschen einen Blick aus.
Als ich nach der Schule nach Hause komme ist niemand meiner Eltern schon von der Arbeit zurück, also habe ich das Haus für mich.
Ich denke darüber nach mit meinen Hausaufgaben anzufangen und will mich bei dem Gedanken fast übergeben, streiche die Option schnell.
Ich schaue aus dem Erkerfenster in das Esszimmer im Hinterhof. Quer über der weiten Grünflache kann ich das kleine Tor und den Pfad erkennen, der in den Wald führt.
Ehe ich mich dagegen entscheiden kann drücke ich mich aus der Hintertür und und laufe durch den Hof, die hohen Gräser kitzeln meine Knöchel. Mein Vater hatte gesagt, dass er den Rasen hier draußen mähen muss, aber ich mag das Gras so.
Ich gehe durch das Rost-Tor und beginne den Weg entlangzulaufen. Es ist so anders tagsüber durch den Wald zu laufen, als es nachts ist. Die Bäume sehen nicht so riesig und dunkel aus, und die Sonne wirft Strahlen durch die Blätter, erhellt den Fußweg.
Die Gehstrecke erscheint jetzt länger als zu sein als Harry mich hierhergebracht hatte, und ich frage mich ob es deswegen ist, weil ich jetzt alleine bin. Ich fange an zu denken, dass ich den falschen Weg laufen könnte, doch ich sehe bald die Spitze der Weide vor mir.
Ich laufe in die Lichtung, nehme mir einen Moment die Schönheit von ihr zu würdigen, wenn die Sonne durchscheint. Die Stränge des Weidenbaumes schwingen leicht im Wind, die zwei Schaukeln bewegen sich sanft mit. Aus meinem Augenwinkel sehe ich eine Bewegung und schaue herüber, um zu sehen wie drei kleine Hasen aus der Lichtung hüpfen. Ein silberblauer Schmetterling landet einen Meter von mir entfernt auf einem Grashalm.
Ich höre ein Rascheln und sehe zu einem der Bäume hinauf, die die Lichtung umrahmen. Grüne Augen, die zu den Blättern des Baumes passen, treffen meine und Harry lächelt mich von einem Ast hoch über dem Boden an.
"Tag," grüßt er mich, lehnt sich auf seine Handlächen zurück. "Ich hab gesehen wie du von deinem Garten gekommen bist."
"Ja," sage ich.
"Willst du dich hier oben zu mir gesellen?" fragt er, ein verschlagenes Lächeln rutscht auf sein Gesicht.
"Nein, danke," sage ich.
"Ah, stimmt," sagt er. "Höhenängstlich. Jetzt erinnere ich mich."
"Ein bisschen hohenängstlich."
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Phantom » German Translation
FanfictionDie tragische Liebesgeschichte von einem traurigen Mädchen und einem toten Jungen, die mitten unter Herzschmerz und Rätseln zusammenarbeiten müssen, um seinen Mörder zu finden und lernen, dass der Tod möglicherweise nicht das Ende ist. © Copyright 2...
