Bis sich Freitag herumwälzt, ist Harrys Sarg vergraben worden und da ist ein kleiner Hügel von frischem Dreck über seinem Grab. Sein Grabspruch ist jedoch unverändert, immer noch der selbe simple Satz, der es zuvor auch war: Ruhe in Frieden.
Harry und ich stehen vor dem Grab, unsere Hände in unseren Hosentaschen.
"Mein Körper ist jetzt wirklich da unten," sagt er. "Es ist seltsam."
Ein Vogel landet auf dem Grabstein, setzt sich elegant auf ihn. Er starrt uns an, neigt seinen Kopf neugierig zur Seite. Ich frage mich was er von uns denkt, hier vor einer Platte Stein stehend, die einen unpersönlichen und bedeutungslosen Grabspruch darauf hat. Ich frage mich, ob er weiß das ich lebe und er tot ist, dass eine unsichtbare Barriere zwischen uns steht. Oder, frage ich mich, ob wir einfach wie zwei Menschen aussehen, die vor einem Grab stehen.
"Sie hätten etwas anderes als Grabspruch nehmen sollen," sage ich. "Etwas neues und besseres."
"Das ist mir eigentlich ziemlich egal," sagt Harry. "Es ist ein Stück Stein von mir."
"Mir wäre das nicht egal," sage ich.
"Wirklich."
"Ja. Ich weiß nicht warum."
"Ich weiß warum." Er lächelt mich wissend an.
"Oh, wirklich?" Ich hebe eine Augenbraue. "Warum?"
"Du würdest wissen wollen was die Leute sagen, nachdem du weg bist, auch wenn es ein winziger Satz auf einer Platte Stein ist."
"Ja. Vielleicht ist es das." Ich nicke langsam.
"Siehst du, ich kenne dich." Er schubst mich leicht und ich lächel ihn an.
Der Vogel fliegt von dem Grabstein weg, erhebt sich über die Bäume hinweg. Harry und ich sehen zu wie er wegfliegt, die Herbstsonne scheint auf seine tiefschwarzen Flügel herab.
"Ich habe vergessen dir das zu erzählen," sage ich, blicke auf meine Füße herab. "Ich gehe heute Abend auf eine Party von Max. Ich muss ihm das Foto zurückgeben, dass ich mitgenommen hab."
"Oh. Das Foto von mir und ihm?"
"Ja. Er hat herausgefunden, dass ich es mir genommen hab, aber er war nicht sauer. Ich frage mich woher er gewusst hat, dass ich es mitgenommen habe, und woher er überhaupt wusste, dass es gefehlt hat. Er hatte eine Menge Fotos."
"Max kann...in seltsamer Weise sentimental sein. Ich habe ihn dafür immer aufgezogen."
Ich nicke, wünsche mir, dass ich einen größeren Einblick in Harrys und Max Freundschaft hätte. Ich kenne nur die Kleinteile, die Harry mir erzählt hat, und ich habe das Gefühl, als müsste ich mehr wissen, um Licht auf Harrys Tod zu werfen.
Ich überprüfe die Uhrzeit auf meinem Handy. "Es ist fast sieben," sage ich. "Ich sollte gehen."
"Okay. Viel Spaß."
Ich sehe zu Harry auf. "Was wirst du tun?"
Er zuckt mit den Schultern. "Normalerweise würde ich mit Wesley abhängen, aber..."
Ich runzel die Stirn.
"Hey, es ist okay. Ich werde einfach mit Em reden oder sowas. Vielleicht schleiche ich mich in dein Zimmer und gehe durch deine Unterwäsche."
Ich weite meine Augen, stoße leicht an seine Schulter und lache. "Viel Spaß dabei," sage ich sarkastisch, lache immer noch und laufe in Richtung Tor des Friedhofes.
"Keine Sorge, ich werde alles zusammenlegen, wenn ich fertig bin."
Ich lache erneut, schüttel meinen Kopf. "Du bist ein Idiot."
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Phantom » German Translation
FanfictionDie tragische Liebesgeschichte von einem traurigen Mädchen und einem toten Jungen, die mitten unter Herzschmerz und Rätseln zusammenarbeiten müssen, um seinen Mörder zu finden und lernen, dass der Tod möglicherweise nicht das Ende ist. © Copyright 2...
