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"Steh auf, Faulpelz."

Ich stöhne bei der Stimme meiner Mutter auf, ziehe ein Kissen über meinen Kopf.

"Es ist Sonntag," sage ich angeschlagen, öffne meine Augen nicht.

"Dein Vater und ich gehen auf den Bauernmarkt, und wir möchten das du mitkommst. Es ist fast elf Uhr!"

"Genau, das ist zu früh."

"Jane Alison. Sei nicht so faul."

Ich setze mich in meinem Bett auf, reibe meine Augen. "Muss ich auf den Bauernmarkt mitgehen?" Ich mache ein angewidertes Gesicht.

"Das sind lokal angebaute Produkte, die frischer und gesünder sind." Sie verschränkt ihre Arme vor der Brust.

"Mom."

"Wir gehen in zwanzig Minuten los," sagt sie fröhlich, grinst breit als sie mein Zimmer verlässt.

"Uuuuggghhh," stöhne ich, als sich die Tür hinter ihr schließt.

Ich schleppe mich aus dem Bett, weiß das ich das von den zwei positivitätsbesessenen Menschen die zufällig meine Eltern sind, noch lange hören werde, wenn ich sie nicht zum Bauernmarkt begleite.

Ich ziehe ein Paar Jeans an, streife mir ein kariertes Shirt über und knöpfe es zu, als ich aus meinem Kleiderschrank und zurück in mein Zimmer laufe.

Ich zucke zusammen, als ich Harry seelenruhig auf meinem ungemachten Bett sitzen sehe.

"Scheiße!"

Ich ziehe mein Shirt zu, verdrehe bei seinem übermütigen Schmunzeln die Augen.

"Hast dich wohl immernoch nicht an mich gewöhnt, hab ich Recht?" Sein Ton ist neckend.

"Nicht, wenn ich mich anziehe." Ich werde blindwütig rot und drehe mich um, um mein Oberteil zuende zu knöpfen.

"Naja, dafür sind Kleiderschränke da." Er grinst. Als mich mein Shirt genügend bedeckt, drehe ich mich zurück und verschränke die Arme vor meiner Brust. Er strahlt immernoch neckend.

Ich starre ihn wütend an. "Was machst du hier?" Ich drehe mich zum Spiegel und fahre meine Finger durch meine Haare, binde sie zu einem Pferdeschwanz zusammen.

Er zuckt mit den Schultern. "Ich vermisse es dieses Zimmer zu haben, schätze ich." Er zeigt auf die Wand gegenüber von meinem Bett. "Da hatte ich einen Fernseher hängen, und auf einem Regal darunter waren all meine CDs angeordnet." Er lehnt sich auf seinen Handflächen zurück. "Und mein Bett war genau hier." Er klopft leicht auf meine Bettwäsche, lächelt schief.

"Wo sind deine Eltern?" frage ich ihn. "Meine Mutter hat gesagt das dieses Haus jahrelang auf dem Markt war, aber das macht keinen Sinn."

Harrys Gesichtsausdruck verliert jeglichen Humor. "Nachdem mein Mordfall geschlossen wurde, sind meine Eltern umgezogen. Das Immobilienunternehmen hat über die Leerstandszeit des Hauses gelogen, nur damit sich es sich verkaufen würde."

"Wo sind sie hingezogen?"

"Nach Vancouver, British Columbia. Dort ist ohnehin der Hauptsitz der Styles Petroleum Industries," sagt er bitter.

"Du klingst feindselig."

"Ich bin feindselig." Er steht von meinem Bett auf. "Sie sind umgezogen weil sie dachten sie könnten vergessen, was hier passiert ist."

"Und haben sie?"

Er beißt die Zähne zusammen und starrt mich an, seine Augen voller Verachtung. "Es scheint so."

Phantom » German TranslationWo Geschichten leben. Entdecke jetzt