Harry und ich sehen uns einen Moment an, mein Atem steckt geschockt in meinem Hals. Wesley ist weg, einfach so- ohne Vorwarnung, er war einfach weg. Innerhalb von Sekunden vom Zwischenleben in das Jenseits überquert.
"Wir müssen gehen," flüstert Harry und zieht meine Hand hoch, weicht dem Blick von Wesleys Mutter vorsichtig aus, die immer noch in dem Garten steht. Sie ist jedoch nicht aufmerksam- sie setzt sich zurück auf die Bank, wischt sich die Tränen von ihren Wangen.
Wir machen uns leise und eilig auf den Weg zurück zum Friedhof. Ich kann sehen, dass Harry ebenfalls geschockt ist. Sein Kiefer ist angespannt und er lässt meine Hand los, um sie durch seine Haare zu fahren, während wir laufen.
Auch wenn ich weiß, dass Wesley bereits tot war, besiegelt es beinahe den Handel, dass er übergeschritten ist, und ich habe das Gefühl das ich ihn wahrhaftig verloren habe, obwohl er endlich seinen Frieden findet und ich ihn wiedersehen werde, sobald ich sterbe und letztendlich ins Jenseits überschreite. Eine Welle von Schmerz schießt durch mich hindurch, als ich darüber nachdenke wie ich reagieren werde, wenn Harry überschreitet. Ich stoße den Gedanken beiseite.
Wir kommen wieder auf dem Friedhof an und die Sonne ist verschwunden, hinter die dunkle Linie des Horizontes gefallen. Wolken verdecken die Sterne und die Luft ist mit der Drohung von mehr Regen feucht, da der leichte Nieselregen vorhin aufgehört hatte. Meine Füße sinken leicht in die matschige Erde unter mir ein.
"Em!" ruft Harry, seine Augen scannen die Reihen von Grabsteinen. "Em, komm hier rüber!"
Hinter einer großen Eiche erblicke ich ein Paar Augen und das kleine Mädchen tritt hervor, Sorge auf ihrem Gesicht, als sie auf uns zukommt. Ihre bloßen Füße sinken in den matschigen Boden und ihre blonden Haare sind von dem Regen leicht feucht- nicht, dass sie irgendwas davon spüren kann, also ist es kein Wunder, dass sie kaum bemerkt wie dunkel gefärbt ihre Füße von dem Schmutz und dem Regen sind.
"Was ist los?" fragt Em. Ihre Augen landen für den Bruchteil einer Sekunde auf mir, bevor sie sich wieder auf Harry verlagern, der sie mit seiner schlaksigen Figur praktisch überragt.
"Es geht um Wesley," sagt Harry. "Er ist übergeschritten."
Ems Augenbrauen schießen hoch, ihr Gesichtsausdruck überrascht. "Übergeschritten? Wann? Wie?"
Ich stehe geduldig neben Harry, als er es kurz erklärt, seine Stimme gedämpft. Em steht mit ihren Händen an ihren Seiten da, runzelt die Stirn.
Ich kann nicht anders, als wieder einmal ihre frühzeitige Weisheit zu bemerken. Die Art wie sie steht, Schultern zurück und gerader Rücken; die Art wie sie spricht, ihre Lippen formen jedes Wort mit Fürsorge und Mitgefühl. Zehn Jahre steckt sie bereits im Zwischenleben fest- zehn Jahre. Wenn sie leben würde, wäre sie zweiundzwanzig. Es ist offensichtlich für mich, dass, auch wenn ihr Körper nicht gealtert ist, ihre Intelligenz es gewiss getan hat.
Meine Gedanken entleeren sich aus meinem Kopf, als Harry fertig ist, Em die Geschichte zu übermitteln.
"Interessant," sagt sie, tippt mit ihrem Finger an ihre Unterlippe. "Ich habe für eine Weile nicht geglaubt, dass er überschreiten würde. Seine Mutter war so..." Sie verstummt allmählich.
Harry nickt. "Das haben wir alle gedacht."
"Nun," sagt sie. "Wir sollten uns für ihn freuen. Wir werden ihn ohnehin bald wiedersehen." Sie lächelt sanft zu Harry hoch.
Jemand vom anderen Ende des Friedhofes ruft Ems Namen und sie dreht sich um, nickt dem Winker zu. Sie sieht kurz zurück zu uns. "Ich freue mich für ihn. Gerade Wesley hat das Jenseits am meisten verdient. Vergiss das nicht."
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Phantom » German Translation
Fiksi PenggemarDie tragische Liebesgeschichte von einem traurigen Mädchen und einem toten Jungen, die mitten unter Herzschmerz und Rätseln zusammenarbeiten müssen, um seinen Mörder zu finden und lernen, dass der Tod möglicherweise nicht das Ende ist. © Copyright 2...
