Jacob hatten wir rausgescheucht, während wir uns umgezogen hatten. Von alleine wäre er nicht rausgegangen. Jetzt sahen wir alle ziemlich dämlich aus in diesen Klamotten.
"Wo genau sollen wir hin?" Fragte Ida.
"Nach unten natürlich", sagte Emely lachend. Anscheinend war sie die einzige, der diese Aufgabe gefiel.
"Schuhe", sagte ich auf einmal, als wir gerade rausgehen wollten.
"Was?" Fragte Emely.
"Wir brauchen Schuhe."
"Oh, Mist."
"Ja."
"Unten stehen welche, für die richtigen Angestellten, die können wir nehmen", fiel Emely glücklicherweise ein.
So glücklich war ich aber gar nicht, als ich die Schuhe sah. Die hatten alle mindestens 7 cm Absätze.
"Darauf kann ich nie im Leben laufen", sprach Ida meine Gedanken aus.
"Ach kommt schon. Das ist eigentlich voll einfach", ermutigte uns Emely, die auf sowas jeden Tag rumlief.
"Haha", sagte ich kein bisschen überzeugt.
Ich zog trotzdem die Schuhe an, weil ich ja schlecht Barfuß laufen konnte.
"Jetzt müssen wir nur ein paar Meter laufen", sagte Emely, immer noch super fröhlich.
"Na super", murmelte ich ironisch und folgte ihr.
Im Eingangsbereich sahen wir eine kleine Gruppe, die offenbar diese Savants waren. Es waren vier jüngere Frauen und eine etwas ältere und bestimmt sechs bis neun Männer. Alle sahen ziemlich attraktiv aus und ich schaute schnell weg, so wie ich es immer tat, wenn mir ein Mann zu attraktiv aussah. Am Ende konnte einer von ihnen noch Gefühle sehen, so wie Mark.
"Die sehen ja echt heiß aus", flüsterte Emely mir zu und ich wurde fast ein bisschen rot, weil ich eben das selbe gedacht hatte. Kontrollier dich! Sagte ich mir selbst und straffte die Schultern.
"Lächeln nicht vergessen", sagte Emely an uns beide gewannt und zwinkerte uns zu.
"Hallo und willkommen hier im Hotel", sagte Emely freundlich, als wir bei den Savants angekommen waren. Wie hieß dieses Hotel noch gleich? Ich hatte gerade ein völliges BlackOut. Seit wann machte mich die Anwesenheit von so vielen Männern bitte so nervös?
"Sind Sie gut angekommen?" Emely war wirklich gut als Hotelangestellte. Als keine Reaktion kam, stellte sie ihnen die gleiche Frage noch einmal auf englisch.
Ich tat so, als würde ich mich mehr für meine Nägel interessieren, um niemanden anschauen zu müssen. Blöd war nur, dass es bei meinen Nägeln nicht viel zu schauen gab; Sie waren nicht einmal lackiert.
"Ja, danke", antworte ihr einer von den Männern auf Englisch.
"Amsterdam ist eine wundervolle Stadt, finden Sie nicht?" Fragte Ida die Männer und Ich zuckte innerlich zusammen, weil ich sie sprechen hörte. Ich meine, Ida war ungefähr genauso gesprächig wie ich.
"Ja, wir hatten leider noch nicht die Gelegenheit uns die Stadt genauer anzuschauen", sagte eines der Mädchen. Wie bedauerlich.
"Wie kommt es, dass sie unbedingt jetzt hierher kommen? Ich kann Ihnen versichern, dass es im Sommer sehr viel schöner hier ist", sagte Emely lachend.
Ich schaute auf. Die Antwort auf diese Frage interessierte mich. Beziehungsweise war diese Frage der eigentliche Grund für diese Unterhaltung. Ich blickte direkt in das wunderschöne Gesicht von einem der Männer. Er hatte so wunderschöne blaue Augen und... Reiß dich zusammen! An dieser Stelle wurde mir mal wieder klar, warum ich den Augenkontak zu gut aussehenden Männern lieber meiden sollte. Sie machten mich nervös und ließen meinen emotionslosen Gesichtsausdruck bröckeln. Ich schaute schnell weg.
Ein kleines, blondes Mädchen antwortete Emely und im nächsten Moment wurde mir klar, dass sie zwar die Wahrheit sagte, jedoch nur, weil sie es nicht besser wusste. Genau genommen erzählte sie auch nur einen Teil der Wahrheit. Dass sie hier waren, weil einer von ihnen seinen Seelenspiegel hier suchte, erfuhr ich nur aus ihrer Erinnerung.
"Wir würden jetzt gerne in unsere Zimmer gehen. Uns wurde gesagt, dass Sie uns unsere Zimmer zeigen?" Fragte einer der Männer, dem die ganze Fragerei offenbar etwas misstrauisch machte.
"Ja, genau. Haben Sie schon ihre Schlüssel erhalten?" Was?! Ich kannte mich im Hotelbereich kein bisschen aus. Ich bemühte mich, Emely nicht allzu entsetzt anzuschauen.
Er nickte.
"Gut, folgt mir", sagte Emely und bewegte sich elegant in Richtung. .. wohin ging sie eigentlich? Ida und ich sahen wahrscheinlich nicht allzu elegant aus. Wir besaßen echt kein Talent darin auf diesen Schuhen zu laufen. Immerhin war noch niemand von uns hingefallen.
"Ich hab' keine Ahnung, wie ich eines dieser Zimmer finden soll", raunte ich Emely zu.
"Deshalb gehen wir ja jetzt auch zum Hotelplan", antwortete sie und fuhr an die anderen Savants gewannt fort: "Am besten zeigen wir euch erstmal den Hotelplan, damit ihr euch das nächste mal nicht verlauft. Welche Zimmernummern habt ihr denn?"
Ein älterer Mann, wahrscheinlich der Vater der Familie, schaute kurz auf einen Zettel und sagte dann: "144, 146, 158, 156, 160 und 44, 46, 68." Bei einem Familienurlaub konnte man sich doch ruhig mal ein Zimmer teilen, oder? Also wozu brauchten sie bitte acht Zimmer?
"Führ du doch die drei zu ihren Einzelzimmern", Emely deutete auf die Karte, um mir zu zeigen, wo sie waren. Wie blöd, dass ich diese Karte nicht verstand. "Und Ida und ich zeigen ihnen die anderen Zimmer, okay?"
Voraussetzt ich finde die Einzelzimmer. Ich wollte mich umdrehen, aber dann fing die Welt sich auf einmal an zu drehen. Nur für einen Moment. Toll, jetzt wurde mir auch noch schwindelig. Vielleicht hätte ich heute doch etwas mehr essen sollen. Noch zu allem Überfluss bekam ich jetzt auch noch Kopfschmerzen. Gut möglich, dass einer von ihnen eine Gabe hatte, die andere krank machen konnte, falls es sowas gab.
"Alles gut bei Ihnen?" Fragte einer der Männer, der offenbar darauf wartete, dass ich ihnen ihre Zimmer zeigte. Emely und Ida waren schon los und ich hatte es nicht einmal bemerkt.
"Ja", sagte ich gereizt und ging in Richtung der Einzelzimmer. Zumindest vermutete ich sie da. Ich massierte mir die Schläfen, in der Hoffnung, dass dadurch die Kopfschmerzen besser werden würden.
Hinter mir räusperte sich jemand und ich drehte mich um.
"Ich will ja nicht Ihre Arbeit bemängeln, aber war da nicht eben ein Schild, wo drauf stand, dass die Einzelzimmer in der anderen Richtung sind?" Es war der Mann, der Schuld daran war, dass wir diese Savants überhaupt zu ihren Zimmern bringen mussten. Er hatte braunes, etwas längeres Haar, das er nach hinten gebunden hatte. Außerdem fiel mir sein grimmiger Gesichtsausdruck auf.
"Dann gehen wir eben da entlang, wenn es Ihnen besser passt", immerhin hatte ich meine monotone Stimme wieder im Griff.
Das Schild sah ich jetzt glücklicherweise auch, so wusste ich jetzt zumindest, wo ich hinlaufen musste.
"Familienausflug?" Fragte ich, in der Hoffnung, dass mir dieses mal jemand antworten würde, der mehr wusste.
"Mehr oder weniger", sagte einer von ihnen. Da ich voran ging, war es nicht schlimm, dass ich es nicht schaffte ein Lächeln zu unterdrücken. Damit wäre die Sache wohl geklärt.
Wir bogen in einen Gang ein, der glücklicherweise sogar der richtige war.
"Hier sind 44 und 46", sagte ich und deutete auf die Türen.
"Victor, Uriel? Wollt ihr in die Zimmer", fragte einer der Männer aber ich nahm die Antwort nicht mal richtig war. Es drehte sich mal wieder alles vor mir und ich musste mich an der Wand abstützen. Die Kopfschmerzen, die ich noch dazu hatte, machten die Sache nicht besser.
"Okay, wo ist die Nummer 68?" Redete er mit mir?
"Hallo?" Er redete also wirklich mit mir.
"Genau, Raum 68 ist...", links oder rechts? "Hier lang", sagte ich und ging (hoffentlich) in die richtige Richtung.
Ich schaute an die Türen. 54, 56, 58. Das klang doch richtig.
Leider war ich so konzentriert auf die Türen, das meine volle Aufmerksamkeit nicht mehr beim Laufen lag. Und schon im nächsten Moment knickte ich wegen diesen blöden Schuhen um.
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Forgetting Donny
FanfictionDonny Willems arbeitet in einem illegalem Savant-Unternehmen, welches sich an kriminellen Menschen rächt. Als ein paar andere Savants ihnen auf die Schliche kommen, sieht es schlecht für sie und das Unternehmen aus. Aber es kommt gleich noch schlimm...
