Kapitel 28 : Viele, kleine Heinzelmännchen, das Bambi und ein Beinahe-Tod

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Alice auf dem Bild
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Kapitel 28 : Viele, kleine Heinzelmännchen, das Bambi und ein Beinahe-Tod

Bei all der Aufregung über das dumme Buch habe ich meine Nachforschungen bezüglich der Akte völlig vergessen, doch als mein Magen gefüllt war fiel es mir wieder ein. Die Rumtreiber hatten ein großes Geheimnis. Glücklicher weise liebte ich es Geheimnissen auf den Grund zu gehen!

Leider war mein Ideenreichtum zur Lösung des Rätsels fürs erste erschöpft, also beschloss ich, all die Fakten zusammenzutragen, die ich kannte. Mit der Ausrede, ich müsse für Verwandlung lernen, schnappte ich mir Pergament, Tinte und Feder und setzte mich in der Bibliothek an einen Tisch. Ich machte mich daran, alles aufzulisten was ich über die Rumtreiber wusste, und wenn es noch so banal aussehen sollte.

-Die Rumtreiber

-Moony, Wormtail, Padfoot, Prongs (Spitznamen haben bis auf Remus' alle etwas mit Tieren zu tun...vielleicht bezogen auf die jeweiligen Patroni)

-Sirius war nachts im Wald, hat mich vor Werwolf beschützt

-Remus' Gesicht ist vernarbt, vielleicht seit dem Vorfall im Wald

-Konflikt ereignete sich wohl hauptsächlich zwischen Peter und Remus

Was ich hatte war zwar nicht sehr viel, aber es waren Anhaltspunkte. Ich beschloss in Bücher nach Gründen zu suchen, warum Freunde sich gegeneinander wandten, was sich als schwieriger entpuppte, als ich anfangs dachte. Es fing schon bei den Titeln an, ich hatte keinen blassen Schimmer, ob ich in "Zauberhafte Kräuter und wie man sie verarbeitet" eher etwas fand, als in "Die grausamsten Zauber der letzten dreißig Jahre".

Vielleicht hatten sie im Wald ja Hunger bekommen und eine Pflanze gegessen, die ihre Wahrnehmung zerstörte. Kurz um: ich tappte komplett im Dunkeln und wenn ich tatsächlich jedes einzelne Buch durchforsten wollte, würde ich mit etwas Glück im Rentenalter neue Vermutungen anstellen können.

Nein, allein würde ich das niemals schaffen!

"Hey, du da!", sagte ich übertrieben freundlich zu einer Erstklässlerin, die mich verstört beäugte. "Willst du dir zufällig ein bisschen was dazuverdienen? Deine Freunde sind selbstverständlich auch herzlich dazu eingeladen!". Misstrauisch verengte das Mädchen die Augen und ihre Freunde, die neben ihr in ihre Arbeit vertieft waren horchten auf.

"Was müssten wir dafür tun?", fragte sie kritisch. Mein Lächeln wurde breiter (wahrscheinlich sah ich jetzt richtig gruselig aus) und ich stieß ein unnatürliches Kichern aus: "Ach wisst ihr, da ist dieser Zauberkunstaufsatz den ich noch zu Ende bringen muss und das Thema lautet: Finde heraus was Feindseligkeit unter Freunden verursacht". Zugegeben, das war etwas sehr weit hergeholt, aber Spontaneität hatte noch nie zu meinen Stärken gehört.

"Jedenfalls gebe ich jedem von euch zwei Knuts, wenn ihr täglich eine Stunde nach Gründen dafür sucht und diese aufschreibt". Mit steinerner Miene betrachtete mich das Mädchen: "Sieben Knuts für jeden und wir tun das nur eine Woche lang!". Verdammt, diese kleine Hexe hatte es faustdick hinter den Ohren und ich war mir im klaren darüber, dass mein ganzes Taschengeld dafür draufgehen würde. Zum Glück des kleinen Rotzgörs wollte ich unbedingt hinter das Geheimnis kommen und somit reichte ich ihr meine Hand: "Deal!".

Wehe den Rumtreibern, wenn es sich am Ende nur um so etwas banales wie ein Mädchen handelte, in das sich ungünstiger Weise beide verliebt hatten. Aber ich klammerte mich an die Hoffnung, dass in Hogwarts nichts auch nur annähernd banal war.

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Um alles ein wenig zu beschleunigen hatte ich selbst auch mit angepackt und sogar noch Bücher durchforstet, bis es Zeit für das Mittagessen war. Meine kleinen Heinzelmännchen hatten mir brav am Ende ihrer Schicht die Aufschriebe ausgehändigt. Noch war nichts interessantes zu sehen. Das meiste beschrenkte sich (meine schlimmsten Vermutungen bestätigend) auf schwülstige Gedichte über unerwiderte Liebe.

Eine große Blonde hatte eine Geschichte über einen Zauberer gefunden, welcher sich zum Leidwesen seiner Freunde den Dunklen Künsten zugewand und somit die Freundschaft beendet hatte.

Meine Laune besserte sich erst, als ich den reich gedeckten Gryffindor tisch sah und mich zu Alice gesellte, die einsam zwischen zwei Liebespärchen saß und ein Buch las.

Bei genauerem Hinsehen erkannte ich, dass es sich hierbei um Lily und James (im Grunde wirklich süß, aber irgendwie auch viel zu kitschig für meinen Geschmack ), sowie um Sirius und Patricia handelte. Letztere küssten sich ganz ungeniert vor allen Schülern, was McGonnagall allerdings unterband indem sie Black eins mit dem Tagespropheten überzog und ihm vor versammelter Mannschaft einen Vortrag über "Erregung öffentlichen Ergernisses" hielt.

Ich quittierte alles mit einem schadenfrohen Grinsen. Sirius beugte sich zu mir, ihn schien McGonnagalls Rede nicht weiter zu kümmern: "Liv, wegen dem Ball...ich hab ein bisschen rumgefragt und tatsächlich jemanden gefunden: Steward O'Brian!".

Hochnäsig hob ich das Kinn: "Danke sehr! Auch wenn es nicht sonderlich schwer gewesen sein kann...wer kann mir schon widerstehen?".

Sirius lachte sein gewohnt raues Lachen, was Bambi ganz und gar nicht zu gefallen schien. Böse funkelte sie mich an und ich gab mir die größte Mühe ebenso finster zurück zu funkeln, was auch funktioniert hätte, wenn ich mich nicht in diesem Moment an einer Walnuss verschluckt hätte. Blöder Salat aber auch!

Alice klopfte mir auf den Rücken und rettete mich damit in letzter Sekunde vor dem Erstickungstod. Bambi, das Biest, konnte sich ein schadenfrohes Grinsen nicht verkneifen und sah hämisch auf mich herab. Dumme Kuh!

"Geht es dir gut, Olivia?", fragte sie gespielt besorgt und ich war sicher, dass sie mir am liebsten noch eine Nuss in die Luftröhre gesteckt hätte. "Ganz wunderbar! Danke der Nachfrage", krächzte ich bissig. Ich sollte mit Sirius unbedingt über seinen Geschmack bezüglich Frauen (pardon, ich meinte selbstverständlich 'Biestern') reden. Nicht, dass es mich etwas anging, aber diese strunsdoofe Pute passte sogar nicht zu Sirius. Sie verstand weder seinen Humor, noch war sie Intelligenz technisch mit ihm auf einer Wellenlänge.

Ich gab es nur ungern zu, aber eigentlich war er ziemlich klug - das genaue Gegenteil von Bambi also. Wie hieß es so schön bei den Muggeln: Gegensätze ziehen sich an.

"Warum muss sie bei uns sitzen?", zischte Alice missbilligend, als Patricia schrill auflachte, weil Sirius einen Witz erzählt hatte. "Kann sie nicht zu ihren Freundinnen gehen und sich über Schuhe unterhalten? Ich will mich auf mein Buch konzentrieren!". Ich rümpfte bestätigend die Nase: "Sie ist wie eine Zecke! Wenn sie sich einmal festbeißt wird man sie nur schwer wieder los!".

Everybody needs enemies  (Rumtreiber ff)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt