Das alles war Neu für uns. Reisen, Flughäfen, all der Stress, die umherrennenden Leute, das ausbrechende Chaos. Während Ich hilflos versunken in einem Meer aus Menschen versuchte unsere Koffer auf dem schwarz-grauen Fließband ausfindig zu machen, hatte sich Jinger in ein ruhiges Eck verzogen um Tante Amanda anzurufen. Schließlich kannten wir weder die Gegend, noch Ihre Adresse oder Ihre Hausnummer. Es dauerte gefühlte Jahrhunderte, bis Ich beide Koffer, meinen schwarzen und Jinger's knallroten, zusammengesucht und vom laufenden Band gehievt hatte. Die letzte Reise die wir unternommen hatten lag nun über zwölf Jahre zurück, wir waren vier Jahre alt gewesen und Ich hatte auch keine Ahnung mehr wo wir hingeflogen und den Urlaub verbracht hatten. Müde von dem ganzen Tag stolperte Ich zu Jinger, die neben einer großen, in einen dicken Pelzmantel eingepackten Frau stand, deren Hut dreimal größer schien als Ihr Kopf. Die hohen Stilettos von Prada schlangen sich wie Ranken um Ihre dünnen Fußknöchel und wenn man nur sie ansah, konnte man nicht erkennen in welcher Jahreszeit wir uns gerade wirklich befanden:
„Sommer", war meine Begrüßung: „Wir haben Sommer, Amanda! Wieso zur Hölle trägst Du Pelz?" Das dünne Ex Model drehte sich in einer Elegants um, die meinen Neid kitzelte und gleichzeitig meine Bewunderung. Die Grazie eines wunderschönen Pfaus, gepaart mit der unschlagbaren Leichtigkeit eines bunten Schmetterlings. Ja, Amanda hatte sich gut gehalten, zu gut meiner Meinung nach. Sie hätte meine ältere Schwester sein können, dabei war sie vermutlich mehr als zwanzig Jahre älter als Ich.
„Sie kann es sich eben leisten", erinnerte mich mein Kopf, und dem wollte Ich sofort Recht geben. Die jüngere Schwester meiner Mutter hatte sich in den Jahren als Model ein kleines Vermögen aufgebaut, hatte auf die richtigen Aktien gesetzt und eine Marktlücke zu Ihrem Vorteil genutzt. Sie hatte mit Ihrem Namen eine Firma gegründet, diese für mehr als das zehnfache Ihres Wertes verkauft und danach zahlreiche Titelseiten von jeglichen Magazinen gespickt. „Frauenpower" „Wie man erfolgreich durchs Leben geht", nur einpaar der Auszüge aus den Zahlreichen Schlagzeilen die sie gemacht hatte. Soweit Ich wusste hatte sie sich sogar schon als Schriftstellerin unter Beweis gestellt. Eine Biographie und ein Ratgeber; „Mein Weg zum Erfolg" und „In wenigen Schritten zum großen Geld" oder etwas dergleichen.
Aber das war Ihr noch nicht genug. Die Herausforderungsliebende Amanda leitete heute eine kleine Kette von Drogeriemärkten mit eigenem Label, hatte eine Agentur für Hausangestellte zum kleinsten Preis erworben und war nun als Luxusimmobilienmaklerin im eigenen Geschäft und im großen Stil tätig. Aber dieses Mal führte sie das Geschäft nicht mehr allein. Sie bekam Unterstützung von einer Inneneinrichtungsagentur und einem Privaten Architektenteam. Denn sie vermittelte nicht nur millionenteure Villen, sie baute sie auch, richtete sie ein und passte sie den Wünschen Ihrer Kunden an. Wer wollte konnte sich dann bei Ihr wegen des Hauspersonals gleich mit beraten lassen, vielleicht gab es bei einem Großauftrag sogar Rabatt auf die Angestellten Putzkräfte. „Kein Auftrag zu groß, kein Wunsch zu skurril", damit hatte sie sich einen Namen gemacht und der Welt bewiesen was so ein 1,80 Blondchen errichten konnte. Natürlich gab es schon den ein oder anderen Skandal, aber mit Ihrem Scharm, dem Hammer aussehen und Schlagkräftigen Argumenten hatte die Frau alle Blondinen aus dem Dumm und Blond Klischee aussortiert.
„Aber Wintermode im Sommer ist gerade total im Trend, Liebes. Außerdem war bei Prada ein zwei für eins Angebot", meinte sie, drückte mir ein dickes Küsschen auf die Wangen und setzte mir einen Breiten Sonnenhut und eine schwarz getönte Sonnenbrille auf: „Willkommen im Sunshine-State der USA!", lachte sie, dann zog sie uns näher heran: „Hört mal, draußen sind lauter Paparazzos, die warten auf Angelina Jolie oder sonst irgendeinen Hollywood Star, aber wenn sie uns sehen werden sie garantiert trotzdem einpaar Fotos knipsen...." erklärte sie und deutete auf die Türen. Sie wirkte keineswegs beunruhigt und Ich wusste dass, obwohl sie Ihr Privat Leben außerhalb der Kameras vergötterte, eine riesen Kamera-Diva in Ihr steckte, die nur darauf wartete entdeckt zu werden...vermutlich lag das an Ihrer Vergangenheit als Model, als sie in jeder Talkshow eingeladen wurde, um über Ihren Aufstieg vom Newcomer zum gefeierten Star zu erzählen.
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Neues Leben (Band 1) *Überarbeitung abgebrochen*
Werewolfleben und leben lassen, Ich brauchte niemanden mehr außer meiner Schwester. Wenn Ich den Polizist zitierte, war Ich das "abgebrühte Londoner Waisenkind", das nun bei seinen Großeltern aufwuchs. Ich war sechs Jahre alt gewesen, als meine Eltern tot...
