Tief durchatmend legte Ich Ihm eine Hand auf die Schulter, ganz langsam und unter extremer Vorsicht.
„Alles in Ordnung bei Dir?"
Er wirbelte den Kopf in meine Richtung, als wäre nicht gewesen und fing sich sofort. Ob das Lächeln das er mir in der gleichen Sekunde noch darbot echt war oder nicht, richtig beurteilen konnte Ich das nicht, dafür kannte Ich Ihn nicht lange genug, aber-
„Ja, schon gut...Ich...hasse es nur wenn man mich bei etwas unterbricht..."
Er wirkte aufrichtig, seine Augen schienen vor Vertrauenswürdigkeit überzulaufen und Ich glaubte fest daran schon einen Besten Freund für den Rest meines Lebens gefunden zu haben.
Es war noch nie schwierig gewesen sich mit mir anzufreunden. Wenn Ich mich gut mit jemandem verstand oder er mir auch nur ansatzweise sympathisch war, dann bezeichnete Ich Ihn schon als Freund, ob er davon wusste oder meine Ansichten teilte stellte sich meist erst viel später...oder auch gar nicht heraus...
„Hat Dir Jana schon die Schule gezeigt? Du weißt schon, das Mädchen mit der Brille, die dich in die Klasse gebracht hat...unsere Schulsprecherin"
HA! Ich wusste es doch!
„Ja, sie hat mich kurz herumgeführt, aber leider hab Ich den Orientierungssinn eines toten Maulwurfs, Ich werde mich also erst mal in den Neuen Tunneln zurechtfinden müssen"
Er lachte leise, schob mich summend und in gemütlichem Tempo am Rücken vorwärts, während er mit der freien Linken Hand vor meinem Gesicht in alle möglichen Richtungen deutete:
„Da zum Beispiel ist unsere Cafeteria. Empfehlen kann Ich alles aus der Burger-Woche und die Sandwiches mit Schinken und Käse, meiden würde Ich vor allem alles was außer Pattys noch Hackfleisch enthält, oder VIELLEICHT Hackfleisch enthält...
Da drüben, zur Tür raus und dann direkt das nächste Gebäude, das ist die Sporthalle, aufgeteilt in drei Abschnitte mithilfe von herunterfahrbaren Wänden. Für gewöhnlich sind die Mädchen ganz links oder in der Mitte, die Kabinennummern der Mädchen-Sammel-Umkleiden sind die Nummern 3-5 und eins und zwei sind mit Jungs besetzt. Im Übrigen ist Fünf meistens abgeschlossen...
Die Schwimmhalle ist daneben, aber zurzeit wegen Umbauten geschlossen. Schwimmunterricht fällt aus oder wird im örtlichen Schwimmbad vertretend stattfinden, genau wie die Außerschulischen Schwimm-AG's oder das Abzeichen Schwimmen.
Aufhalten dürfen wir uns hier überall, draußen auf den Parkplätzen, auf dem Hof, zu deiner rechten findest Du eine Tür, genau zwischen den Schließfächern 99 und 100, der zu unseren wundervollen, leicht trockenen Grasflächen führt..."
Es stellte sich heraus das Jasper und Ich uns einige Kurse teilten, was mir wirklich gelegen kam, so auch den folgenden Kurs und dann, nach drei weiteren, in denen er mich immer vor meinem Klassenzimmer abgeholt hatte und beim nächsten absetzte, hatten wir auch den letzten gemeinsam.
Jasper hatte sich das selbst aufgetragen, Ich hatte nicht einmal Einspruch einwerfen und protestieren können, es war Ihm nämlich total egal, weil er sich verpflichtet fühlte mir, seiner „Ab heute Neuen Besten Freundin" aus dem Schlamassel der Orientierungslosigkeit herauszuhelfen. Wir hatten dabei viel Zeit zu reden, zu Lachen und einander erstmals Kennenzulernen, auch was private Interessen betraf.
„Gib mir mal dein Handy"
Ich gab es Ihm.
„Wofür denn?" „Na Ich speichere meine Nummer ein, falls Du doch irgendwann einmal hier verloren gehen solltest"
Ich lachte Ihn dafür aus, vielleicht aber auch mich selbst, nur um dann einen verrückten Anruf zu imitieren: „Hallo, HALLO? Jasper, bist Du da? Ich glaub Ich hab mich verirrt, hier liegt so viel Schnee und Ich glaube da war gerade eine See Robbe!"
Er stieg in mein Lachen ein, zückte, wie Ich es getan hatte das Handy und hielt es sich, vor Lachen schreiend, ans rechte Ohr: „Oh Nein Mel!?! Ich glaube Du bist in Alaska!! Ich kann in ca. 79 Stunden bei dir sein, also rühr dich nicht vom Fleck!!", prustete er los.
„Okay...aber...Ich glaub dann wird aus mir eine Schneefrau!!!!", danach bekam Ich mich nicht mehr vor Lachen, konnte nichts zurückhalten bis Ich mir vor schmerzen den Bauch halten musste.
„Weißt Du wie Du nachhause kommst? Holt dich deine Tante...oder...?"
„Sie sagte Ich solle anrufen wenn man mich hole müsse, aber Ich ziehe ernsthaft in Erwägung zu Fuß zu gehen, nur um den Kopf frei zu kriegen. Du weißt schon, war alles ziemlich viel in den letzten Tagen...
Es war das, aber auch die Tatsache, dass sich Luces den ganzen Tag nicht einmal hatte Blicken lassen. Auch von Jinger und Grayson fehlte jede Spur, es fühlte sich an als hätten sie mich einfach fallen gelassen. Das fühlte sich nicht gut an, jedoch durfte Ich keine voreiligen Schlüsse ziehen, die Ich womöglich schon morgen bereuen könnte. Zuerst musste Ich nachdenken, am besten mit frischem Sauerstoff an die Sache herangehen und vielleicht mit Jinnie und Luc reden, dachte Ich, doch...das erübrigte sich schon nach der nächsten Kurve.
Jetzt wusste Ich wo sich Luces herumgetrieben hatte, machte mir mein Verstand klar, als Ich das Mädchen von heute Morgen, dessen Makeup Abdruck noch immer auf meinem weichen T-Shirt vorzufinden war, dabei beobachtete, wie sie sich Ihm um den Hals warf, wie sie Ihre Zunge in seinen Hals steckte und sich an Ihn presste wie ein Siamesischer Zwilling, um Ihre gebleichten Haare, hübsch wie sie nicht waren, über Ihn fallen zu lassen, sodass sie die beiden noch mehr verschmelzen ließen.
Wir waren nicht zusammen, es sollte mir doch nichts ausmachen.
Ich war ein Lückenfüller,
ein Testobjekt.
Er wollte ausprobieren wie weit er bei mir gehen konnte, jetzt hatte er sich wieder den anderen gewidmet.
Weil Ich jetzt uninteressant geworden war, er wusste, dass Ich Ihm verfallen war.
Ich rannte los, vergaß Jasper, Grayson und die unbemerkte Augen-Suche nach meiner Schwester.
Ich merkte nicht, wie mir die schweren Tränen in die Augen traten und sich eigenmächtig Ihren Weg über mein ganzes Gesicht bahnten.
Ich spürte nur flüchtig wie Jasper mir nachgerannt kam und wie er mich in den Arm nahm, ahnend was der Auslöser gewesen sein musste. Sein Herz raste, vielleicht vor Aufregung, oder aber von dem Sprint, den er hingelegt haben musste um mich einzuholen, aber es spiegelte mein Leben und die derzeitige Laune in diesem einen Moment besser wieder, als es ein Spiegel je könnte.
Luces hatte nur gespielt.
ABER.
Ich war darauf hereingefallen.
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Neues Leben (Band 1) *Überarbeitung abgebrochen*
Werewolfleben und leben lassen, Ich brauchte niemanden mehr außer meiner Schwester. Wenn Ich den Polizist zitierte, war Ich das "abgebrühte Londoner Waisenkind", das nun bei seinen Großeltern aufwuchs. Ich war sechs Jahre alt gewesen, als meine Eltern tot...
