P. O. V. AIDEN
Keine vier Stunden nach Avery's Abreise hockte ich gelangweilt auf der Couch in der Holzhütte, während Jake mir gegenüber saß und immer mal wieder unauffällig zu mir schielte.
Nach dem gefühlt dreißigsten Mal, dass er mich anschaute, seufzte ich genervt auf, starrte ihn eindringlich und fragend an und zuckte mit den Schultern, was so viel bedeutete wie 'was is?'.
"Hab ich irgendwas im Gesicht?"
Er schüttelte den Kopf, hörte aber nicht auf, mich weiterhin zu Mustern. "Du bist anders". Meinte er plötzlich. Innerlich verdrehte ich die Augen, nicht noch jemand der das heute sagte. "Warum das?" Wollte ich wissen.
Auch er zuckte jetzt mit den Achseln, begann dann aber auf einmal zu lächeln. Ich verengte die Augen. "Wirst du verrückt? Hast du wieder irgendwas genommen?"
Ohne auf meine ernst gemeinte Frage einzugehen redete er los.
"Wir werden älter Aiden, wir lernen aus Fehlern und ändern Dinge, die wir falsch gemacht haben, und machen was schönes draus. Verstehst du?" Ich glaubte wirklich er müsse zum Arzt, zu einem guten Arzt.
Er seufzte und setzte sich so hin, dass er mir direkt in die Augen sehen konnte. "Wann hast du das letzt mal getötet?" Sofort dachte ich an Melcome. Noch immer wusste niemand was passiert war, außer mir. Jake konnte von mir genug überzeugt werden um zu glauben, dass er abgehauen sei. Ich überlegte weiter, wer war die letzte Person vor Melcome... Jeff! Jeff Olson! "Vor 6 Wochen".
"Sechs Wochen..." Murmelte er leise. "Wann ist Avery gekommen? Vor fast 5 Wochen wenn ich mich nicht irre, stimmt's?" Ich wusste zwar nicht worauf er hinaus wollte, nickte aber zögernd. Sofort sprangen Jake's Mundwinkel nach oben. Okay, was kam jetzt.
"Was ist jetzt?" Er hörte nicht auf so psychisch fröhlich zu grinsen, was mir irgendwie mehr als auf den Sack ging. Ich mochte sein Gesicht nicht, manchmal würde ich ihn einfach gerne verprügeln, damit er seine scheiss Gesichtszüge einfach mal für ein paar Tage nicht mehr bewegen könnte.
Nein. Ich musste runter kommen.
Warum regte mich sowas irrelevantes auf?
"Wie lange?" Fragte er dann, wofür ich ihm am liebsten schon wieder schlagen würde.
"Kannst du mal mit deinem scheiss Psychologen Gerede aufhören? Du fuckst mich ab!"
"Du bist verdammt nochmal blind Keeth!" Motzte er zurück.
"Kannst du nicht einfach mal zum Punkt kommen? Du verschwendest meine Zeit..." Genervt ließ ich mich tiefer in die Couch sinken und schloss meine Augen.
"Du liebst sie". Sofort riss ich meine Augen wieder auf und starrte ihn fassungslos an.
"Spinnst du. Wie kommst du auf sowas?" Nie habe ich ihm was erzählt. Nicht nur die kleinste Kleinigkeit über Avery und mir. Er konnte nichts wissen, er musste uns beobachtet haben!
Die Wut in mir stieg von Sekunde zu Sekunde. Warum war ich nur so verflucht reizbar...
"Komm runter Kumpel. Jeder blinde würde sehen, was ich sehe!"
Er sprach ruhig und gelassen, als hätte er sich nichts zuzuschreiben. Er sagte die Wahrheit.
Aber woher wusste ich, dass ich sie mochte, sehr mochte.
Dass ich bei ihr sein und alles erleben wollte, was sie auch erlebte. Sie halten, wenn sie weinte und sie küssen, wenn sie schlief.
Woher wusste er, dass ich sie, naja, sehr gern hatte.
Verflucht, in meinen Gedanken hörte es sich noch viel falscher an als wenn Jake es aussprach.
Ja verdammt, ich war der festen Überzeugung, dass ich mich in Avery verliebt hatte. Was eigentlich total unmöglich war... Ich war ein Soziopath.
Der Begriff Soziopath bezog sich entweder auf psychopathische Personen, die nicht oder nur eingeschränkt fähig waren, Mitgefühl zu empfinden, sich nur schwer in andere hineinversetzen konnten und die Folgen ihres Handelns nicht abwägen konnten. Ja, so beschrieb mich Mr. E auch, ein psychisch gestörter Junge.
Woher es kam? Allen aus meiner Familie ging es gut, niemand litt an Soziopathie, also musste es im Zusammenhang einer Vernachlässigung im Kindesalter liegen.
Ich hatte keine Persönlichkeitsstörung, ich fühlte einfach nur nicht viele Emotionen wenn ich tötete, oder wenn ich sah, wie jemand getötet wurde.
Es interessierte mich nicht.
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Only Yours, Honey
Ficção AdolescenteIhre Eltern warnten sie vor den Gefahren die draußen auf sie lauerten, aber nie vor denen, mit blauen Augen und einem Herzschlag. Ich hoffe ihr habt Spaß beim lesen!<3 Best ranking: #1 In Jugendliteratur
