P. O. V. AVERY
Der Monat November strich an uns vorbei, wie die Vögel auf ihren Weg in die Unendlichkeit.
Oder das Meer, wie es sich selbst durch die ganze Welt trug und gar nicht bemerkte, wie schnell und stark seine Ströme manchmal waren.
Es schneite immer noch, kleine weiße wie Watte aussehende Flocken fielen vom Himmel und bedeckten den grauen Boden, mit einem weißen Teppich, der auf dem ersten Blick wirkte wie ein teueres Lammfell.
Dienstag. Letzend Dienstag waren Aiden's Eltern, und auch Sydney wieder da gewesen.
Es war schön die vier zu sehen und diesen Moment von Glück in Aiden's Augen zu sehen wenn Sydney ihn in ihre kleinen Arme schloss.
Die ersten Tage des Dezembers brachen nun Stück für Stück heran, was sich an der Kälte und an dem Schaubild der Natur nur all zu gut deuten ließ. Es war wirklich erstaunlich, dass ich noch nicht ein einziges Mal krank geworden war.
Man konnte die letzen Schultage bis zu den Ferien schon fast an den Fingern abzählen, was ich auch tat. Noch 16 Tage, dann waren endlich wieder Ferien, doch ich wusste nicht recht, ob ich mich darauf freuen konnte. Ob ich mich jemals auf überhaupt irgendwas freuen konnte, ohne in Hintergedanken die Worte und die Stimme von meinem Dad zu hören, die mir ausdrücklich sagte, dass Aiden was passieren würde, wenn er sich nicht an den Deal hielt.
Klar hatte ich versucht es zu vergessen, die Erinnerungen an ihn aus meinem Kopf zu löschen, ihn wie von einer Festplatte zu deinstallieren, doch das war gar nicht so einfach.
Ich wusste, dass der Anruf kommen würde, der Anruf, in dem er mir sagte, dass ich zu ihm und Mom kommen sollte, der Anruf, der mir den Weg, in seine Behandlungsräume wies und mich psychisch zerstören lassen sollte, der Anruf, der über alles entschied, was mir je wichtig war.
Auch wenn ich dachte, dass er mich nicht zerstören, oder manipulieren konnte, ich wusste was er mit mir vor hatte und deswegen konnte ich nicht sagen ob er nicht anders bei mir vorgehen würde, als bei den anderen. Ich meine, ich kannte ihn, er kannte mich, und er müsste sich damit im Klaren sein, dass ich niemals einem Menschen was antun könnte und niemals so sein könnte wie er. Ob jemand verdient hatte bestraft zu werden oder nicht, ich wollte auf jeden Fall nicht diejenige sein, die Blut unschuldiger Menschen an ihren Händen kleben hatte.
Es gab Momente, in denen ich ihn und seine Pläne vergaß, aber es gab nicht einen Tag, an dem ich nicht daran dachte, was er aus mir machen wollte.
Er würde nicht auf ewig glauben, dass Aiden und ich nicht mehr zusammen waren, er würde es herausfinden und wenn er es erstmal herausgefunden hatte, dann würde er nicht nur mein Leben zur Hölle machen, sondern auch das von Aiden.
"Und was hast du für ne Note?" Ich zuckte zusammen als Liis mich vorsichtig anstupste und mit mir sprach. "Note?" Ich sah sie verwirrt an.
"Na die Note vom Test, den wir eben zurückbekommen haben, hast du wieder geträumt?" Ich sah vor mir auf den Tisch auf den sie mit einem Nicken deutete und tatsächlich, da lag unser vor einer Woche geschriebener Geschichtstest.
Ich drehte mein Blatt um und atmete erleichtert aus. Eins minus.
"Streber..." Scherzte Liis neben mir und drehte sich wieder nach vorne zum Lehrer.
Ich sah nach links auf den leeren Platz, auf dem Aiden sonst immer saß und lächelte schwach. Ich musste aufhören zu grübeln, das machte alles nur noch schlimmer und außerdem wirkte Aiden so, naja... Glücklich? Zufrieden? Vollkommen?
Er genoss die Beziehung in vollen Zügen, doch das konnte ich nicht, so gerne ich es auch wollte, zu viel Angst und Unsicherheit staute sich da einfach vor meiner Paranoia und legte somit die ganze Vernunft frei, die bei mir die Zweifel weckten.
"Bevor die Stunde jetzt gleich endet, würden gerne noch ein paar Leute mit euch sprechen, Polizisten, um genau zu sein. Lasst mich euch grob sagen, dass es um einen verschwundenen Schüler geht, aber der Rest wird euch jetzt von Officer Tannet und zwei FBI Kollegen, Mr. Lee und Mr. Jefferson erklärt."
Ich rutschte unruhig auf meinem Stuhl her. War das der Grund warum Aiden mir gestern Abend schrieb, dass er was wichtiges zu erledigen hatte und nicht zur Schule kommen konnte?
Ich dachte an damals zurück, wo er für eine Woche einfach spurlos verschwunden war und am Tag der Projektverteilung urplötzlich wieder da war.
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Only Yours, Honey
Teen FictionIhre Eltern warnten sie vor den Gefahren die draußen auf sie lauerten, aber nie vor denen, mit blauen Augen und einem Herzschlag. Ich hoffe ihr habt Spaß beim lesen!<3 Best ranking: #1 In Jugendliteratur
