Fakt dreizehn: Zeit vergeht langsam. Besonders, wenn man sie nicht kennt.
Heute war ein heißer Tag. Heißer als gestern. Wenn das denn überhaupt möglich war. Ich hatte beschlossen (wenn ich schon einmal auf so einer Insel war), schwimmen zu gehen. Um mich vor Ira's Blicken zu schützen, war ich ein ganzes Stück weitergelaufen, so lange, bis mir der Schweiß in die Augen gelaufen war und brannte. Dann hatte ich mich bis auf die Unterwäsche ausgezogen und war ins Wasser gestiegen.
Es war kühler und endlich atmete ich richtig durch. Das Wasser war so klar und sauber, dass man bis zum hellem Grund sehen konnte. Kaum ein Stein lag hier. Ich ging tiefer hinein, sodass ich nun bis zu meinen Schultern im Meer stand. Ob es wohl im flachen Wasser Haie gab? Zumindest traute ich mich nicht, weiter raus zu schwimmen. Ich hatte keine Ahnung, was für giftige, gefährliche Tiere im Meer nochlauern könnten. Würfelquallen? Steinfische? Keinen von denen wollte ich begegnen. Aber ich war auch im Dschungel gewesen. Ich schätzte, es machte keinen Unterschied. Gefahren würde es hier überall geben.
Plötzlich stieß ich mit dem Fuß gegen etwas hartes und ein paar Sekunden später hatte ich eine große Muschel in der Hand. Ich beschloss, sie aufzubewahren.
Erst, als meine Hände komplett schrumplig waren, verließ ich den Ozean wieder. Gott sei dank war in meinem Rucksack Unterwäsche gewesen, sodass ich Trockene anziehen konnte.
Ira wartete am Strand, falls ein Schiff oder ein Boot kommen sollte, daher beschloss ich, die beiden Flaschen mitzunehmen und sie mit dem schmutzigen Wasser zu füllen. Ich glaubte, Ira hatte davon Durchfall bekommen, was er mir natürlich nicht direkt erzählt hatte. Aber solange wir keine andere Quelle gefunden hatten, die gut zu erreichen war, war dies hier unsere einzige Alternative. Immerhin hatten wir nun zwei Flaschen zur Verfügung.
„Hier", sagte ich und reichte Ira eine davon, als ich wieder da war. Die Sonne war so kräftig, dass meine braunen Haare schon in der kurzen Zeit wieder trocken waren. „Ich will nach Hause", murmelte ich, als wir uns in den spärlichen Schatten setzten. Ich hatte meine Schuhe ausgezogen und vergrub meine nackten Füße in den Sand.
„Glaub mir, das will ich auch. Ich schätze, das letzte Mal, als ich so wenig gegessen hatte, war vor ... Nein, ich habe noch nie so wenig gegessen." Ich lachte leise, auch wenn mir klar war, dass das absolut nicht komisch war. Mein eigener Magen knurrte ebenfalls, aber noch hielt ich es aus.
„Sie werden uns finden", sagte ich und klang ungeheuer selbstsicher. Woher ich den Mut nahm, wusste ich selber nicht. Und auch, ob es tatsächlich wahr werden würde konnte ich nicht wissen. Vielleicht würde man uns vergessen. Vielleicht.
Aber daran durfte ich nicht mal eine Minute denken. Ich riss mich zusammen. Solange es Hoffnung gab, war nichts verloren.
„Weißt du, was noch ätzend ist?", fragte Ira plötzlich und sah mich an. Ich zuckte mit den Achseln.
„Sag's mir."
„Die Langeweile." Mit einer Hand fuhr er sich durch sein schmutziges, blondes Haar. „Ich meine, die war ja zu Hause schon nervig. Aber dort gab es zumindest noch Computerspiele. Computerspiele und Chips." Beides hatte ihm augenscheinlich nicht gut getan.
„Ich hätte auch gerne eine andere Beschäftigung, als hier zu sitzen und auf Rettung zu warten. Und auf Jared."
Wir schwiegen uns noch eine Weile an. Was sollten wir auch reden? Zwei völlig Fremde, die nichts weiter gemeinsam hatten, als einen Hubschrauberabsturz.
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Forgotten Island
AdventureFakt eins: Schon seit ich ein kleines Mädchen war, träumte ich davon, in einem Paradies zu leben. Fakt zwei: Nichts wünschte ich mir sehnlicher, als geliebt zu werden. Fakt drei: Nie hätte ich gedacht, dass mir etwas Schlimmes zustoßen könnte. ...
