Kapitel 42 (3/4)

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PoV Tobi

Ungläubig starrte ich auf die Stelle, an der Stegi auf dem Boden lag. Zusammen gekrümmt und sich nicht regend.
Das letzte Mal als ich ihn so gesehen hatte, war es Tims Schuld gewesen.
Damals hatte ich nur tatenlos zugesehen, wie Tim sich wieder hat provozieren lassen.
Und jetzt?
Die Situation war ähnlich, aber ich hatte gemerkt, dass Tim sich geändert hatte.
Rafi, welcher neben mir stand, schluckte hörbar. Anscheinend verstand er so langsam, wie falsch das Ganze hier war.
Ich sah zu Tim... und erstarrte.
Sein Gesichtsausdruck zeigte... nichts. Nichts außer Ungerührtheit.
Komplett ohne Emotionen sah er zu Stegi und zog eine Augenbraue hoch.
Und in diesem Moment wurde mir klar, was für einen großen Fehler ich getan hatte, indem ich Tim hierher geholt hatte.
Wie  kam ich nur darauf, dass er Stegi helfen würde? Der, der ihn sonst mehr  hasste als jeder andere, sollte ihn jetzt vor dem bewahren, was er ihm  sonst selbst antat?

Marcel grinste nun zufrieden und drehte sich zu Tim.
In diesem Moment ging es mit mir durch. Lange genug hatte ich mir das angesehen.
Ich  ballte die Fäuste und machte einen Schritt auf Marcel zu, doch ehe ich  irgendetwas weiteres tun konnte, spürte ich eine Hand an meinem Arm,  welche mich zurück hielt.
Tims Hand.
"Nicht." war alles was er sagte, leise und kaum hörbar.
Perplex  blieb ich stehen. Ich sah zu Rafi, doch er schien ebenfalls überfordert  zu sein. War ich denn der einzige Vernünftige hier?
Dennoch tat ich aus irgendeinem Grund, was Tim mir gesagt hatte. Nämlich nichts.

"So", grinste Marcel. "Frage beantwortet?"
Tim zuckte mit den  Schultern. "Klar." Sagte er unbeeidruckt. Ich musste mich zusammen  reißen, nicht einfach auf Marcel loszustürmen, doch das letzte bisschen  Hoffnung in Tim hielt mich davon ab.
"Und jetzt?", fragte Tim und hob eine Augenbraue.
"Eh.."  Zum ersten Mal schien Marcel etwas verunsichert, fing sich aber schnell  wieder. "Tja. Was willst du jetzt machen?", fragte er und sah Tim  herausfordernd an.
Tim sagte nichts, also sprach Marcel weiter.  "Willst du jetzt irgendwas tun? Ihr 'Retter' von solchen Opfern wie  Stegi, seid doch bekannt dafür, keine Gewalt auszuüben, nicht wa..." "Du  hast es anscheinend nicht ganz verstanden, oder?" Marcel hielt inne und  sah Tim, welcher ihn abrupt unterbrochen hatte, nun deutlich verwirrt  an.
Dann runzelte er die Stirn. "Wer bist du und... was willst du hier?"
In diesem Moment änderte sich Tims Gesichtsausdruck und ein gehässiges, bitteres Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus.
"Nun",  begann er zu erklären. "Anscheinend denkst du, dass es mir tatsächlich  etwas ausmacht, dass du so einen Lappen wie den da", er sah verächtlich  auf Stegi runter "schlägst. Hab ich Recht?" Ich sah Tim fassungslos an.  Nein. Das konnte er nicht tun.
Er fuhr fort. "Was soll ich sagen?  Das was du gerade getan hast, tue ich täglich. Und eigentlich hat es mir  nicht gepasst, dass mir wer mein Opfer wegnehmen will. Aber jetzt, wo  ich dich sehe, finde ich es tatsächlich ganz cool wen zu treffen, der  den gleichen Hass verspürt bei Stegi wie ich es tue."
Marcel schien langsam zu begreifen, was hier abging, denn seine Augen leuchteten plötzlich auf, und er grinste.
Währenddessen  realisierte ich nur leicht geschockt, was ich getan hatte indem ich Tim  hierher geholt hatte. Was hatte ich mir bloß dabei gedacht?
Jedes  Fünkchen Hoffnung, welches ich noch im Bezug auf Tim hatte, verschwand  auf eine schmerzhafte Art aus meinem Kopf und ich nahm nur noch wie  erstarrt wahr, wie Tim und Marcel sich unterhielten, als wären sie die  besten Freunde...

Liebe oder Macht? ~ Stexpert FFWo Geschichten leben. Entdecke jetzt