„Hast du dir mal türkische Hochzeiten angeguckt? Die sind einfach nur der Wahnsinn!", schwärmte meine Schwester.
„Ja und saumäßig teuer. Wie will man das finanzieren, wenn man nicht Jahre darauf gespart hat?", steuerte ich dagegen. Wir saßen im Wohnzimmer unserer Eltern, unser Vater saß anteilnamslos in seinem Sessel und las Zeitung, während John und unsere Mutter in der Küche das Essen vorbereiteten. Derek lief draußen ein wenig herum, er war mit mir gefahren.
„Die Kleider sind so wunderschön, dagegen kommt mir meins vor wie für eine Dorfhochzeit. Und dann feiern die immer so toll und es wird nur getanzt. Dieser Hennaabend sieht auch so wundervoll aus. Warum haben wir in Deutschland nicht so tolle Traditionen? Warum habe ich mir ausgerechnet einen Russen und keinen Türken geangelt?", redete sie trotzdem einfach weiter. Sie sollte bloß nicht rummeckern, immerhin gab ihre Hochzeitsplanerin wirklich ihr Bestes und als ob Russen nicht feiern konnten, ganz im Gegenteil. So wie der Stand der Dinge war, konnte sie sich trotzdem auf eine Traumhochzeit freuen.
„Ich glaube nicht, dass Russen nicht feiern können.", meinte ich beiläufig. „Wird eigentlich auch seine Familie aus Russland kommen?", war ich neugierig.
„Ja und das ist nicht nur eine Familie, sondern eine ganze Sippe. Das stört mich allerdings nicht. Ich habe immer von einer Hochzeit geträumt, mit ganz vielen Gästen." Und schon war sie wieder in ihrer rosanen Hochzeitswelt versunken. Ich fragte mich, wie das mit Kate sein würde. Sie war nicht die Art von Frau, die nur an das Eine denken konnte, sie würde da viel entspannter rangehen, dachte ich mir.
„Wie läuft es eigentlich mit der Wohnungssuche?"
„Sehr gut. Wir haben bald zwei Besichtigungstermine. Weißt du, ich bin so unfassbar glücklich. Es ist, als würde ich in ein völlig neues Leben eintauchen. Eine neue Stadt, eine Hochzeit und ein Baby, könnte es schöner sein?", flüsterte sie, damit unser Vater nichts von dem Baby hörte, obwohl sie es langsam mal hätte bekannt machen sollen, sonst wäre auch jeder allein darauf gekommen, wenn man nachher schon die große Murmel sah. Nein, vermutlich konnte ich es mir nicht vorstellen, schließlich hältst du mir ja ständig vor Augen, wie makellos perfekt dein Leben gerad eist, hätte ich sie am liebsten angekeift. Normalerweise dachte ich nie so gegenüber meiner Schwester, doch in letzter Zeit ging sie mir nur noch auf die Nerven. Das lag alles nur an John. Ich hätte nie gedacht, dass sich mal ein Mann zwischen uns beide stellen konnte.
„Bald sollten die anderen kommen.", kam unsere Mutter zu uns und setzte sich mit auf das Sofa.
„Was heißt hier, welche anderen? Es kommen doch nur meine Schwiegereltern, oder?", wollte Sophie sichergehen.
„Wir haben Tom eingeladen, weil er heute auch bei seinen Eltern ist und dachten, es wäre doch ganz nett, wenn ihr einen alten Freund wiederseht.", erklärte Mutter. Ich freute mich darauf, ihn zu sehen, obwohl das letzte Mal nicht lange her war. Vielleicht lockerte er die Runde oder besser gesagt mich etwas auf.
„Was?", schrie Sophie panisch auf.
„Hast du ein Problem damit?" Mutter wirkte wie ich sehr überrascht, da sie sich doch immer so gut mit ihm verstand.
„Nein, nein. Ich war nur kurz nicht so ganz bei der Sache, alles gut.", beschwichtigte sie, aber irgendwie kam mir das wie eine Lüge vor. Vielleicht lag es auch einfach nur an den Hormonen.
„Übrigens wollte ich dich fragen, ob du an meiner Stelle nicht John in der Küche weiterhelfen kannst.", richtete sich meine Mutter an mich. Ihm konnte man einfach nicht aus dem Weg gehen, großartig! Ich tat, wie mir befohlen, wobei ich mit Sicherheit keine gute Hilfe darstellen konnte. Bei mir war man froh, wenn ich nicht das essen anzündete. De Küche war noch nie meine besondere Stärke gewesen.
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Hooked Up
Roman d'amourSam ist dabei, die Hoffnung auf ihren Traummann aufzugeben, bis sie John trifft. Er scheint perfekt zu sein. Hals über Kopf verliebt sie sich in ihn. Als sie sich das nächste Mal unerwartet sehen, wird John ihr als Verlobter von Sophie vorgestellt...
