Kapitel 7-Erklärungen

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„Du musst mir noch von dem Antrag erzählen!", forderte Mutter Sophie auf, kaum dass wir wieder zu Hause waren. Wir drei Frauen saßen im Wohnzimmer auf dem Sofa, während Vater mit John auf der Terrasse saß und sie gemeinsam ein Bier tranken. Ich konnte mir vorstellen, dass er John noch beiläufig ein paar Mal klarmachte, dass er ihn fertig machen würde, wenn er eines seiner Mädchen verletzte. Leider hatte er es schon getan. Am liebsten hätte ich mit John getauscht und mich zu meinem Vater gesetzt, der mir mehr Ruhe schenkte als der weibliche Teil meiner Familie. Ich wollte nicht noch mehr kitschige Details über diese nahezu perfekte Beziehung wissen. Schon die ganze Zeit sprachen sie darüber, wie sie sich die Hochzeit vorstellten, wie das Kleid aussehen sollte und was es zu essen geben sollte. Nach einer Weile hatte ich schon gar nicht mehr hingehört, einfach auf Durchzug geschalten und die Bücherregale beobachtet. Ich studierte die Buchrücken genau, von Jane Austen bis hin zu J. R. R. Tolkien. Manche Bücher waren schon so alt, bestimmt über 100 Jahre, dass die Seiten schon richtig dunkel waren und die Aufschrift kaum lesbar.

„Ja, natürlich. Weißt du, er kann so romantisch sein. Erst haben alle Zeichen darauf gedeutet, dass er mit mir Schluss machen möchte. Dabei waren wir schon über ein Jahr zusammen und alles lief immer so toll zwischen uns. Dann habe ich eine Nachricht bekommen, in der drin stand, wo ich hinkommen sollte. Für mich klang das in dieser Nachricht stark nach Schlussmachen. Ich hatte es mir so sehr eingebildet, dieser Mistkerl kann manchmal wirklich gut schauspielern. Er tat seit mindestens zwei Wochen so, als würde er sich von mir entfernen und dann diese Nachricht...Ich war ziemlich verletzt. Umso größer war natürlich die Überraschung, aber wie! Das hat er wirklich super hinbekommen. Dann bin ich zum Marktplatz gegangen, ich war verwundert, warum er mir ausgerechnet dort die schmerzhafte Nachricht überbringen wollte. Es war schon ziemlich dunkel. Er hat mich dort abgefangen und mir die Augen verbunden, mich ein Stück weitergeführt und mir dort die Augenbinde wieder abgenommen. Dort stand eben, ob ich ihn heiraten will, nur mit Teelichtern und ganz vielen Rosen drum herum und dann hat er so viel Schönes aus unserer Beziehung erzählt und auch, wie sehr er mich doch liebt. Drum herum stand sogar ein kleiner Chor, die unser Lied gesungen haben, mit Kerzen in den Händen. Daraufhin bin ich mal wieder völlig in Tränen ausgebrochen, bevor ich ja sagen konnte. Ich war so überwältigt, gerade, weil ich dachte, es wäre aus. Das war so ein unfassbarer Moment. Ich hätte mir keinen schöneren Heiratsantrag vorstellen können und ich war so erleichtert, dass er mich nicht verlassen wollte und es anscheinend so schnell noch nicht vorhat. Ich bin ja so verliebt.", schwärmte meine Schwester. Ich versuchte so gut es ging, nicht zuzuhören, doch andererseits wollte ich es hören, obwohl es mir noch mehr wehtat.

„Pass bloß auf, dass ich mich nicht auch noch in ihn verliebe.", lachte Mum. „Da hat er so einen tollen Charakter, scheint erfolgreich zu sein und sieht auch noch verboten gut aus. Wo findet man solche Männer nur?" Das mit dem Charakter stellte ich mal in Frage.

„Wir finden ihn alle ganz toll, er ist großartig.", sagte ich wohl etwas zu bissig. Dieses Geschwafel ging mir langsam so gegen den Strich. Ich musste mich zurückhalten oder sollten alle merken, was los war? Genau das galt es bestens zu verhindern.

„Ist alles in Ordnung?"

„Klar. Tut mir leid, ich bin nur etwas müde und die Woche war anstrengend.", log ich schnell.

„Natürlich, wir sollten wohl alle besser schlafen gehen, es ist schon spät." Gemeinsam erhoben wir uns und wollten in Richtung Treppe gehen, da kamen die beiden Männer auch zu uns. Ohne ihn hören oder sehen zu müssen wusste ich sofort, dass John hinter mir stand. Ich begriff absolut nicht, warum mein Körper so stark auf ihn reagierte, doch jedes Mal, wenn er sich in seiner Nähe befand, kribbelte es überall. Das machte es nur noch schwieriger, ihn nur als Schwager zu akzeptieren. Konnte man das nicht irgendwie abstellen?

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