Hallo ihr Lieben, wollte nur mal sagen, dass ich Kapitel 28 gegen all meine Erwartungen doch noch rechtzeitig fertigbekommen habe :D Frohes Lesen und da das nächste Chapiii erst nach den Weihnachtsfeiertagen kommen wird, euch allen ein frohes Fest :***
„Hey Kleines“, sagt mein gerade völlig verdatterter Freund. Er steht noch immer in der Tür und würde ich nicht eine gewisse Liebe und Zuneigung in seinem Blick ausmachen können, so würde ich sagen, dass Phil mich gerade ansieht als stünde ein Gespenst vor ihm. „Hi“, entgegne ich mit einem selbstsicheren Lächeln und komme langsam auf ihn zu. Erst nachdem wir uns zu dieser etwas seltsamen Begrüßung geküsst haben, taut er langsam auf. „Ich freue mich echt riesig, dass du hier bist und habe dich auch sehr vermisst, aber ich dachte, du wolltest erst etwa zwei Tage vor dem VideoDay kommen. Was ist mit deinen Eltern? Du wolltest doch deiner Mutter während der Schwangerschaft zur Hand gehen.“ Ich seufze kurz und sehe Phil in seine grünen Augen, die mich jedes Mal aufs Neue hypnotisieren, dann versuche ich mir langsam die richtigen Worte zurechtzulegen. „Mir ist die letzten zehn Tage seit unserem Skype-Videochat etwas klargeworden“, setze ich an.
„Und das wäre?“ „Sag‘ ich dir später, du siehst aus, als wärst du gerade auf dem Sprung“, wimmle ich ihn schnell ab. „Ja, zu Oguz und TC und dann weiter zur Team-Besprechung“, antwortet er. Aber nun sieht mein Freund einen Moment so aus, als würde er ein wenig mit sich selbst ringen, dann blickt er mir fest in die Augen. „Doch da ich genau weiß, wie du aussiehst, wenn dir etwas zu schaffen macht, muss das jetzt warten“, fügt er hinzu und schnappt sich meinen Trolli. Anschließend hält Phil mir – ganz Gentleman-like – die Tür auf und schließt sie hinter uns, als wir eingetreten sind. „Du musst jetzt wirklich nicht wegen mir eure Besprechung sausen lassen, ich weiß was für einen straffen Zeitplan ihr habt“, versuche ich zu widersprechen, aber Phil unterbricht mich mit einer Handbewegung. „Du fährst nicht ohne Grund ein paar hundert Kilometer, nur weil du mich vermisst. Da steckt noch etwas anderes dahinter und wenn du möchtest, dass ich einigermaßen rechtzeitig zum Meeting komme, müsstest du jetzt langsam mal anfangen mir deine ‚Beweggründe‘ zu erzählen, Schatz“, sagt er mit einem frechen Lächeln, wohlwissend, dass er mich soeben überredet hat.
Also gehen wir in Phils Wohnzimmer und setzen uns eng umschlungen auf sein Sofa, wobei er einen Arm um mich legt. Er streicht sanft mit dem Daumen meine Wange und ich spüre seinen abwartenden Blick förmlich. Ich seufze kurz. „Du hast gesagt, dir sei etwas klar geworden“, versucht Phil mir beim Einstieg zu helfen, „was wäre das? Hat es etwas mit uns zu tun?“ Ich schüttle den Kopf. „Nein hat es nicht, es ist eher etwas Familiäres.“ Kurz atme ich noch durch, dann versuche ich zu beginnen: „Also es betrifft indirekt vor allem meine Schwester…“ „Was ist passiert? Ist etwas mit ihr oder deiner Mutter?! Sag bitte nicht, dass ihr sie verloren habt!“, unterbricht Phil mich schockiert. „Nein, nein“, beruhige ich ihn, „den beiden geht es bestens und die Kleine entwickelt sich anscheinend prächtig. Es ist nur… ich bin mir innerhalb dieser letzten zehn Tage darüber klargeworden, dass ich von zuhause ausziehen muss oder besser gesagt auch irgendwie will. Das wäre irgendwann natürlich sowieso passiert, schließlich bin ich 18, aber ich bin zu der Entscheidung gekommen, dass jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Wenn in ein paar Monaten das Baby da ist, werde ich bereits nicht mehr zuhause wohnen, soviel steht fest.“
„Aber warum? Fühlst du dich etwa von deinen Eltern vernachlässigt?“, fragt Phil verwirrt und sieht mich besorgt an. Erneut verneine ich. „Das ist es nicht, ich bekomme noch immer dieselbe Aufmerksamkeit und wir streiten uns nicht. Aber mir ist klar geworden, dass das einfach nicht wirklich zu meiner Zukunft gehört, so als vierköpfige Familie zu leben und alles. Ich glaube durch den riesigen Altersunterschied wäre ich für die Kleine eigentlich eher die coole Tante als eine große Schwester. Und ich bin mittlerweile so etwas wie erwachsen, meine Eltern haben ihre Aufgabe erfüllt, nun müssen sie das auch bei ihr tun. Natürlich werde ich sie so oft wie möglich besuchen, wie bereits gesagt freue ich mich riesig, dass auch mein Einzelkind-Dasein demnächst ein Ende finden wird. Doch ich will jetzt nach dem Abi mein eigenes Ding durchziehen, ein eigenständiges und unabhängiges Leben führen. Ich denke, dieser Auszug wird mir nicht gerade leicht fallen, aber ich bin überzeugt, dass es die richtige Entscheidung ist.“ Abwartend auf Phils Reaktion, knete ich nervös meine Hände.
