30. Kapitel. Und weg ...

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Robin wurde am frühen Abend von Grim zur Nachtwache geweckt. Isabella hatte schon Brote für sie vorbereitet und hatte diese vor dem Sofa auf den Tisch gestellt, damit sie für später genug zu essen hatte. Scheinbar waren die anderen außer Haus, denn es war seltsam still. Selina hatte sich mit Fiona vor den Kamin gesetzt und beobachtete nun die Flammen. Grim zog sie mit sich in einen anderen Raum, um ihr seine Beobachtungen berichten.
Ernst sah er sie an.
"Du musst heute Nacht vorsichtig sein. Ich roch den Verfolger wieder. Er war nicht weit entfernt und kam immer näher. Ich wollte allerdings kein Risiko eingehen, weshalb ich nicht angegriffen hatte. Es hätte ja doch eine Falle sein können."
"Grim ich bin immer vorsichtig. Mach dir keine Sorgen. Ich bin sicher, dass er heute Nacht aus seinem Versteck kommen wird."
"Brauchst du Hilfe?"
"Nein brauche ich nicht. Als Schwarzmagierin kann ich mich und andere sehr gut schützen."
Er nickte und verließ den Raum. Robin folgte ihm, nahm ihre Brote vom Tisch und steckte sie ein.
"Wo sind eigentlich Laniel und Selem?", fragte sie in die Runde und bekam von Selina die Antwort.
"Sie sind jagen und besorgen unser morgiges Mittagessen." Sie streichelte geistesabwesend Fionas Köpfchen und sah weiterhin in die Flammen. Robin nahm es zur Kenntnis und verließ das Haus.
Die Stunden vergingen und Selem und Laniel kamen mit einem ziemlich großen Hirsch nach Hause in dessen Brust ein langer Pfeil steckte. Sie zerrten den Schlitten mit dem Tier so nahe wie es ging an den Stall und ließen es in einer Nebenkammer ausbluten.
Robin drehte weiter ihre Runden und nichts großartiges passierte. Sie begann sich zu langweilen und spielte ein wenig mit ihrer Magie. Sie ließ kleine Kerzen um sich herum erscheinen und ließ sie sanft schweben. Plötzlich knackte es hinter ihr und blitzschnell ließ sie die Kerzen verschwinden, drehte sich um und hatte ihr Schwert gezogen.
Wen sie da vor sich stehen sah, überraschte sie nicht wirklich.
"Schöne Lichter.", sagte er und kam näher. Nicht einen Schritt wich Robin zurück, da sie wusste, dass er erst versuchen würde, auf sie einzureden.
"Du bist auf der falschen Seite, glaub mir. Du hast dich falsch entschieden."
"Woher willst du das wissen? Ich allein entscheide, was ich für das Beste halte.", erwiederte sie.
Er seufzte.
"Du wirst sterben."
"Dann sterbe ich lieber für die richtige Seite, anstatt jemanden zu dienen, der meine Schwester wie eine Spielfigur behandelt."
Er grinste dreckig und sie kam nicht um die Frage herum, egal wie sehr sie sich auch bemühte, sie nicht zu stellen.
"Vögelst du sie etwa immernoch, du widerliches Schwein?", fragte sie angewidert. Sein Grinsen wurde breiter.
"Ich tue nur das, was Rosie von mir verlangt, Süße."
Angewidert verzog sie das Gesicht und fragte schließlich:
"Warum bist du hier, Hunter?"
"Weil unser geschätzter König mir den Auftrag erteilt hatte, diese winzige gräuliche Kreatur zu ihm zu schaffen und genau das werde uch auch tun." Er trat nach vorn und zog ebenfalls sein Schwert.
"Vergiss es. Du wirst sie nicht bekommen.", rief sie laut und ging ihrerseits zum Angriff über. Sie hoffte, dass jemand im Haus ihren Ruf gehört hatte, sonst hätte sie ein ernsthaftes Problem. Allein konnte sie Hunter nicht besiegen. Er war schnell und geschickt mit dem Schwert und sie konnte nur für gewisse Zeit durchhalten, wenn sie keine Magie benutzte.
Sie tauschten einige Schläge aus bis Hunter links antäuschte und sie vollends auf den Trick reinfiel. Er schlug ihr das Schwert aus der Hand und drückte sie zu Boden bis er auf ihren Oberschenkeln saß und sie mit der einen Hand an der Schulter zu Boden drückte und ihr mit der anderen das Schwert an den Hals hielt.
"Nun weißt du, wie sich deine Schwester immer fühlt.", sagte er mit seinem dreckigen Grinsen und verstärkte den Druck auf das Schwert und somit auch auf ihren Hals.
"Es ist vielleicht auch gut so, dass sie nichts von ihrer Blutsverwandtschaft mit dir wusste. So kann sie dir nicht nachtrauern, wenn ich dich gleich töte."
"Na wenn du mich so unbedingt töten willst, dann tu es. Nur bringen wird es dir nichts. In diesem Haus sind genug Gestaltwandler, die dich riechen und hören können, wenn du auch nur zur Haustür reinkommst."
Während sie sprach, lies sie ihren Machtpunkt wachsen und schleuderte ihn mit einem Blitz von sich. Kurz danach hörte sie ein Surren und dann wurde es ekelhaft.
Sie stand auf und sah sich nach Hunter um und fand ihn ein paar Meter weiter im Schnee liegend. Er röchelte, hustete und spuckte, zappelte und trat, doch nichts konnte er gegen den Pfeil in seinem Hals tun, der auf der einen Seite eingeschlagen war und zur anderen Seite hinausragte. Sie sah sich um, um nach  dem Ursprung des Pfeiles zu suchen und fand ihn an einem der oberen Fenster. Selina trat zurück und senkte den Bogen.
"Ich frage nicht, was da gerade lief. Ich frage lediglich, ob das, was ich gerade getan habe, richtig war.", sagte sie nüchtern. Selina hatte also ihre Unterhaltung mitgehört.
Robin nickte und blickte auf den sterbenden Hunter und überlegte, wie sie die Leiche loswerden sollten.
Selina schloss das Fenster und kam einige Momente später mit einer Fackel zur Haustür raus.
Damit hätte sich auch die Frage der Entsorgung erledigt.
Selina zündete ihn an und ging, ohne eine weitere Reaktion, zurück ins Haus, aber nicht ohne vorher noch die Fackel im Schnee zu löschen.
"Robin, kommst du mit rein?", rief sie von drinnen und Robin starrte noch eine Weile verstört auf die Leiche, riss sich aber dann zusammen und folgte Selina ins Haus.

Selina goss das Wasser auf die trockenen Kräuter und wartete bis der Tee eine schöne grüne Farbe angenommen hatte, dann entfernte sie die Kräuter und goss das Gebräu in zwei Becher. Robin saß auf dem Sofa und starrte ins Feuer, als sie allerdings das Zimmer betrat, schaute die junge Magierin auf und nahm einen der Becher entgegen als Selina ihn ihr hinhielt.
Sie setzte sich neben sie und eine ganze Weile sprach niemand ein Wort. Im ganzen Haus war es ruhig und nur sie beide waren auf den Beinen.
"Du bist also Rose's Schwester?", fragte sie schließlich und sah Robin fragend an.
"Ja bin ich, aber sie weiß nicht, dass es mich gibt. Sie wurde entführt als ich drei Jahre alt war. Sie war sechs und hatte schon immer eine Neigung zu allem, was gefährlich sein kann. Später hatte ich sie dann auf einem ihrer Raubüberfälle gesehen und wusste sofort, wer sie war. Unsere Eltern hatten nur ein Bild von ihr und das haben sie gehütet wie einen Schatz."
"Woher wusstest du von ihr und Hunter?"
"Hunter lief mir mal zufällig über den Weg und hielt mich an, er meinte, ich sähe aus, wie eine Freundin von ihm. Schon damals wusste ich, dass die beiden etwas miteinander haben. Allein schon an seinem hungrigen Blick konnte ich es erkennen, wenn er sie beobachtete. Ich wollte sie nie näher kennenlernen, allein schon, weil sie ihre Kräfte gegen das Volk gewandt hatte und ich will auch jetzt nicht wirklich etwas mit ihr zu tun haben."
Selina nickte und wandte sich ihrem Tee zu. Sie konnte Robin verstehen, ihren Bruder wollte sie auch nie kennenlernen, aber nun fand sie ihn ganz in Ordnung, wenn er nicht gerade seine täglichen drei Stunden hatte. Sie akzeptierte ihn in ihrem Umfeld.
Sie stand auf, als ihre Tasse leer war und wandte sich zur Tür.
"Gute Nacht und Danke.", sagte sie und brachte Selina damit verwirrt stehen zu bleiben.
"Gute Nacht und es gibt nichts zu Danken. Du hast ihn von dir runtergeschleudert, ich habe ihm lediglich den Rest gegeben."
Robin erwiederte daraufhin nichts und Selina stellte ihren Becher in die Küche und ging nach oben zu Fiona. Dort wartete sie bis es unten endgültig still geworden ist und verwandelte sich dann. Fiona verwandelte sich ebenfalls als Selina sie ableckte, dann hob sie sie vorsichtig hoch, lief leise aus dem Haus und schlug den Weg Richtung Sidian ein. Von dort aus würde sie zum Schloss gehen und Fiona in einer kleinen Höhle im Fels verstecken, während sie in den Kampf zog. Außerdem würde sie noch Lunas alten Gefährten dazu abkommandieren, Fiona zu beschützen. Hier wollte sie ihre Tochter nicht lassen, vor allem nicht allein. Wenn der Krieg ein schlimmes Ende nehmen sollte und Will starb, würde sie sich zurückziehen und in den Bergen von Sondra ein neues Leben mit Fiona beginnen. Jetzt da ihr niemand mehr folgte.
Ja das war der Plan.

Larwenia Band 6 - Lord of Dark and DespairWo Geschichten leben. Entdecke jetzt