31. Blut und Rache

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Sie ließen ihre Bögen noch nicht sinken, doch aus den Bäumen heraus schlug plötzlich ein Feuer quer über das Feld. Mit lodernden Flammen schlug es eine Schneise in die Armee. Der Geruch von brennenden Fleisch stieg in den Himmel und Nathaniel schickte sein Feuer in die Richtung der feindlichen Armee. Erst als er merkte, dass es langsam seiner Kontrolle entglitt, musste er es ersticken und aus der Stadt hinter sich flogen Pfeile. Gleichzeitig schoss auch Williams Teil der Armee noch einmal, doch Nathaniel war sich sicher, er hatte die Aufmerksamkeit auf sich gelenkt. Tatsächlich kam Bewegung in die feindlichen Reihen und schon bald hatten sie sich gespalten. Wobei die meisten Dämonen in seine Richtung kamen.  Seinen Vater konnte er glücklicherweise nicht dabei ausmachen, doch leider ein anderes bekanntes Gesicht. Rose führte den Teil der Armee an, der sich nun abgespalten hatte. Nathaniel lief zurück in die Stadt. Das Tor stand offen. Es wäre ohnehin kein Hindernis. Sie setzten auf die engen Gassen in denen sich eine Masse an Gegnern nicht auszahlte, da sie nacheinander vorrücken mussten.  Doch, dass Rose hierher kam beunruhigte ihn. Sie war eine wirkliche Gegnerin und Nathaniel lief auf die Mauer hinauf, um sie im Auge zu behalten. Kyle stand neben ihm und ballte die Fäuste als er Rose erblickte.
"Überlass sie mir."
Das war mehr eine Anweisungen als eine Bitte, obwohl er wusste, dass Nathaniel für diesen Teil der Armee die Befehlsgewalt hatte. Er konnte es aber verstehen. Rose hatte Amber getötet, das hatte Kyle noch nicht vergessen und er sehnte sich nach Rache.
"In Ordnung aber pass auf dich auf.", lautete Nathaniels Antwort, eh er statt gleichzeitig mit den anderen Pfeile abzuschießen die Mauer weiter nach links lief und sich über dem Tor positionierte. Er lauschte genau auf das Brüllen der verwundeten Dämonen und als der erste unter ihm zu sehen war, erschuff er erneut eine Wand aus Feuer. Sie füllte das Gesamte Stadttor und verbrannte eine ganze Masse an Dämonen doch im Vergleich zu den übrigen, war es nur eine Hand voll. Nathaniel sprang nach unten und rannte zwischen die Häuser. Weitere Soldaten warteten dort auf ihn und er ließ das Feuer erlöschen. Die Dämonen strömten in die Stadt und auch die Pfeile die noch immer von der Mauer aus geschossen wurden, konnten sie nicht aufhalten. Nathaniel sah mit an, wie ein übergroßer Adler zwei der Männer packte und von der Mauer riss. Er schoss ihn mit den Trümmern eines Hauses ab, das anderen Dämonen zum Opfer gefallen war. Dann musste er sich um sich selbst kümmern. Mehrere Dämonen kamen auf ihn zu und er machte sich nicht die Mühe sie genau zu betrachten.
"Denkt dran, Kopf ab oder Herz!", brüllte er noch einmal damit auch keiner es vergaß. Dann stürzte er als Allererster auf die Dämonen zu, wich einigen Pranken aus und schnitt einen kleineren die Kehle durch, eh er einen weiteren das Herz durchbohren und einen weiteren in Brand steckte. 
Hieb um Hieb, Stich um Stich ließ er sich mehr in einen Blutrausch sinken. Erinnerungen an früher kamen hoch. Blut, Asche und Tod spiegelte sich vor seinen inneren Auge und ebenso vor seinen echten.
Diesmal war es jedoch anders, er kämpfte für eine gute Sache. Damals hatte er nicht mal nach einem Sinn gefragt, doch er durfte diesmal nicht versuchen, die Bilder zu verdrängen.  Er musste sich hinein sinken lassen. Hinein in das, was das Dämonenblut in ihm auslöste, wieder wie damals handeln und so wurde alles, was ihm zu nahe kam, gnadenlos abgeschlachtet. Er stand bereits in einen Meer von Leichen und machte keinen Unterschied zwischen feindlichen Soldaten und Dämonen. Keuchend schlug er sein Schwert in den Boden als keiner mehr folgte.  Seine Gasse war fast vollkommen leer. Sechs von den zwanzig Soldaten, die mit ihm gekämpft hatten, standen noch. Zwei lagen verwundet am Boden und der Rest war irgendwo zwischen den Leichen. 
Die Überlebenden starrten ihn an, als hätte er dieses Blutbad alleine veranstaltet. Tatsächlich wusste er nicht, wie viel sie dazu geleistet hatten, er wusste nur, dass sie hier nicht dumm rum stehen sollten.  "Zwei kümmern sich um die Verwundeten, die anderen vier kommen mit!", lautete daher sein Befehl und er führte sie durch die Stadt bis sie den nächsten, noch kämpfenden Trupp aufstöberten. Mittlerweile waren sie allerdings zu neunt. Sie hatten noch einen zweiten Trupp aufgestöbert der seine Gasse zwar verteidigt hatte, allerdings hatten nur vier überlebt. Nathaniel schickte diese acht in den Kampf, während er selbst etwas anderes erledigen musste.  Er musste sicher gehen, dass Kyle in Ordnung war. Suchend rannte er durch die Stadt.

Larwenia Band 6 - Lord of Dark and DespairWo Geschichten leben. Entdecke jetzt