Mit einem Kopf voller Informationen verließ ich am Abend diesen seltsamen Raum.
Venom und Daliah begleiteten mich zu meinem Zimmer, während Venom mich ohne Unterlass darüber aufzog, dass ich beinahe schon wieder zusammengebrochen wäre.
Daliah hingegen wirkte irgendwie nachdenklich und besorgt.
Sarah hatte gemeint, wir würden den normalen Unterricht einfach weiter besuchen und nach diesem dann lernen, wie wir unsere Fähigkeiten zu nutzen hatte. Dabei würde Kian uns die Grundlagen der Magie beibringen.
Das alles hörte sich so unreal an, dass ich alles erst einmal verdauen musste.
Das war auch der Grund, warum ich nicht auf mein Zimmer zu lief, sondern raus in den Garten.
„Glaubt ihr, dass die Gremmlins auch für den Sturz in diese komische, magische Zwischenwelt verantwortlich sind?", fragte ich vorsichtig.
„Du meinst die ungewollte Reise in das Land, in dem wir geboren wurden", meinte Venom nüchtern und ich hätte ihn am liebsten geschlagen. Wie konnte er das nur so locker nehmen?
„Sarah sagte etwas in der Art", erklang Daliahs leise Stimme und sie blickte auf den Boden, als würde sie nachdenken.
Ich seufzte und verschränkte die Arme hinter meinem Kopf, um die letzten Sonnenstrahlen zu genießen.
„Ich bin hier her gekommen, um nach meinem Abschluss ein normales Leben zu führen. Ich wollte nicht in irgendeinen Kampf verwickelt werden, der schon seit Jahrhunderten tobt", grummelte ich und Daliah nickte zustimmend. Venom schnaubte.
„Ich finde das gar nicht so schlecht. Das erklärt einiges. Vielleicht werde ich ein Held, oder ein Herrscher über irgendein Gebiet", sagte er und ich blickte ihn mit hochgezogener Augenbraue an. War das sein Ernst?
Herrscher eines Gebiets, war das letzte, was ich werden wollte.
Aber Venom hatte schon irgendwie Recht. Wenn ich das mit den Drachen richtig verstanden hatten, dann waren diese nicht nur die Wächter der magischen Welt, sondern auch ihre Oberhäupter.
Aber ich wollte kein Oberhaupt sein!
Ach, das war doch alles doof!
„Unser altes Leben können wir damit sowieso vergessen", murmelte Daliah und ich seufzte. Ich hatte keine Freunde und auch kein wirkliches Leben, daher war das egal, aber meine Eltern!
„Ist das so schlimm?", fragte Venom und ließ uns auf blicken. Er wirkte ein wenig hochnäsig, wie er so in den Himmel blickte und die Wolken beobachtete.
War es schlimm? Keine Ahnung.
„Es wird brauchen, bis ich mich daran gewöhnt habe", erklärte ich Zähneknirschend.
„Dann gewöhn dich besser schnell daran, ich habe das Gefühl, dass diese Spinnen nicht die einzigen Gefahren sind, die auf uns lauern werden", erklang Venoms Stimme, ehe er die Hände in die Hosentasche steckt, aus einer ein Zigarettenetui holte, sie sich in den Mund steckte und anzündete.
Dann verstaute er das Feuerzeug wieder, steckte die Hände in die Taschen und zog von dannen.
Ich hoffte nur, dass diese Ereignisse noch auf sich warten lassen würden.
Die nächsten Tage vergingen ruhig, aber doch mit vielen interessanten Themen.
Kian erklärte uns die Magie und eröffnete uns ganz neue Wege.
Drachen konnten Magie auf eine andere Art und Weise wirken, wie die meisten anderen Wesen. Sie waren nicht sonderlich eingeschränkt. Engel konnten nur eine gewisse Art der Heilmagie und Ghostwisperer, wie es Daliah waren, eine andere.
Venom und ich hingegen könnten ähnliche Zauber lernen, wie die von Kian, oder Daliah.
Doch das war noch Zukunftsmusik.
Erst einmal mussten wir herausfinden, welche Art von Drachen wir waren, denn da gab es unterschiedliche. Doch niemand konnte uns sagen, ob wir zu den Feuerdrachen, den Wasserdrachen, Giftdrachen, Traumdrachen, oder zu anderen Drachenarten gehörten.
Die Elementdrachen waren die am weitesten verbreiteten gewesen. Doch sie waren eher schwächlich.
Die stärksten waren die Chaosdrachen. Doch Sarah und auch Aurelania schwiegen darüber, was ich war.
Sie könnten es mir erzählen, immerhin war Aurelania angeblich mit mir verwandt.
Doch keiner der beiden hielt es für nötig.
Das war ärgerlich!
Ich seufzte und lehnte mich ein wenig bequemer an den dicken Baum, an den ich mich niedergelassen hatte. Die Sonne war noch immer am Himmel zu sehen, auch wenn sie bald den Horizont erreichen würde. Dennoch genoss ich ihre Strahlen und versuchte ein wenig zu entspannen.
Dabei spürte ich Kians Blick in meinem Nacken, doch ich konnte ihn nicht sehen. Dennoch war ich mir sicher, dass er hier irgendwo war, nur wusste ich nicht warum.
Ich schlug das Buch auf, das ich mir aus der Bibliothek geliehen hatte und versuchte mich auf die Geschichte zu konzentrieren, die mir der Autor nahe bringen wollte.
Er war gut darin die geschichtlichen Fakten so dar zu legen, das sie interessant klangen, doch ich war in Geschichte noch nie gut gewesen und so schweiften meine Gedanken immer wieder ab.
Drachen und Engel. Magier und Ghostwisperer. Eine wirklich anstrengende Woche.
Auch wenn ich Antworten bekam, so wurden die Fragen doch nur noch mehr und umfangreicher.
Irgendwer war hinter den letzten Drachen her, die noch lebten. Das hatte Sarah mir und Venom erklärt. Doch angeblich waren wir hier auf der Schule sicher. Und solange wir unsere Kräfte nicht entdeckten sowieso.
Meine Augen fielen zu und ich triftete schon halb in das Reich der Träume ab, als ich eine seltsame Erschütterung spürte.
Erst dachte ich, dass diese und die seltsamen Farben zu meinem beginnenden Traum gehörten, doch ich irrte mich.
Als ich die Augen öffnete, war die Welt in ein seltsames giftgrünes Licht getaucht, das mich an Venoms Augen erinnerte und noch immer spürte ich die Erschütterung.
Ein wenig panisch sah ich mich um, doch ich schien die einzige zu sein, die es spürte.
Kalt kam ein Windstoß, der mich fast von den Beinen riss und ich schloss schwer atmend die Augen.
Mein Herz hämmerte wie wild und ich versuchte eine Erklärung zu finden, was hier los war.
Angst packte mich und gleichzeitig das Verlangen zu Venom zu rennen. Ich hatte das seltsame Gefühl, dass irgendwas passiert war, aber ich konnte nicht sagen, was.
Ein erneuter Windstoß traf mich, riss mich aber von den Beinen und ich stolperte, ehe ich zu Boden krachte.
„Aurora", erklang Kians Stimme und mir wurde bewusst, dass ich mir seine Blicke doch nicht nur eingebildet hatte!
Um mich drehte sich alles und als ich die Augen öffnete, um Kian an zu sehen, war noch immer alles giftgrün. Dennoch sah ich, wie Kians Augen sich kurz erschrocken weiteten, ehe er wieder ruhiger wurde.
„Keine Panik. Sag mir was los ist", sagte er und versuchte mich zu beruhigen. Dennoch konnte seine versucht ruhige Stimme nicht darüber hinweg täuschen, dass auch er Angst hatte.
Stammelnd versuchte ich mich zu artikulieren, doch ich brachte kein richtiges Wort hervor. Es war, als würde mein Körper nicht mehr mitmachen wollen. Selbst meine Arme und Beine fühlten sich seltsam fremd an und mein Blick wurde immer mehr zu einem kleinen Loch.
Nicht schon wieder. Ich hatte wirklich keine Lust schon wieder das Bewusstsein zu verlieren.
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Dragon Hill ~Verfluchte Kinder~
FantasyIch habe mich schon immer gefragt, was manche Leute dazu brachte, dumme Dinge zu tun. Jetzt weiß ich es, denn das hier war eindeutig dumm. Anders konnte ich es mir nicht erklären, warum ich mich auf diese blöde Idee einließ, auch wenn sie von mir ka...
