Völlig fertig ließ ich mich auf die Matte unter mir fallen und spürte Schmerz in jeden einzelnen Muskel meines Körpers.
Ailee lachte und sah so aus, als würde sie dieses ganze gehetze von eben ohne Probleme noch ein weiteres Mal durchstehen.
"Man merkt eindeutig wie untrainiert du bist. Ich werde dich wohl jetzt jeden morgen mit zum Frühsport nehmen, damit du an Ausdauer gewinnst." stellte sie fest und grinste zufrieden.
Ich schüttelte den Kopf.
Es war draußen noch nichtmal wirklich hell und ich keuchte und schwitzte wie sonst etwas.
Nocheinmal würde ich das nicht über mich ergehen lassen.
"Irgendwann gewöhnt man sich daran Raiee, wirklich. Ich kann mittlerweile eine gute halbe Stune durch rennen ohne zu keuchen." präsentierte sie mir stolz.
Mit letzter Kraft richtete ich mich auf.
"Du bist auch länger hier als ich." seufzte ich und stützte meine Arme auf den Knien ab.
Sie zuckte nur mit den Schultern.
"In meinem alten Leben musste ich auch viel rennen, was denkst du wie ich hier her gefunden hab?" fragte sie rhetorisch und zog eine Augenbraue hoch.
"Wie bist du überhaupt hier her gekommen?" wollte ich von ihr wissen und sah zu ihr auf.
Ailee zog sich den Zopf zurecht und sah sich einen Moment in der noch gut besuchten Sporthalle um bevor sie sprach.
"Ich bin ihnen einfach hinterhergerannt. Ich wusste wer sie waren, als ich sah wie sie mit den Wächtern umgingen. Der bei dem ich gelebt hatte um meine Familie am Leben zu halten konnte sie überhaupt nicht ab." erklärte sie mir im Groben.
"Shownu und Minhyuk haben einem kleinen Mädchen geholfen und dem Wächter der ihr ihr Spielzeug wegnehmen wollte, eine Lektion erteilt.
Als sie dann weg sind bin ich ihnen bis hier her gefolgt. Ich weiß ich habe egoistisch gehandelt, aber ich konnte so nicht mehr leben. Es war schrecklich." mit jedem Wort wurde sie leiser und ließ ihre sichere, selbstbewusste Fassade einen Moment brechen.
Anscheinend schien ihre Vergangenheit sie doch nicht so kalt zu lassen, wie sie immer tat.
"Wie du mit deinem Bruder hier her gekommen bist musst du mir nicht erzählen, das wissen hier alle." lachte sie und wirkte wieder ganz wie sie selber.
"Das Jooheon sich die Waffe des Wächters an den Kopf gehalten hat und Hyungwon einfach Hyungwon war hat schon für viele verrückte Geschichten gesorgt, aber nie kamen welche mit ihnen wieder zurück."
Erzählte sie und schüttelte noch immer ungläubig den Kopf.
"Und jetzt hoch mit dir, wir gehen was essen." lenkte Ailee das Thema um und hielt mir ihre Hand als Hilfe zum aufstehen hoch.
Ich stöhnte und ließ mich wieder auf den Boden fallen.
Liegen bleiben und schlafen wollte ich, aber nicht aufstehen.
Wenn es hell wäre vielleicht, aber nicht in der nun aufgehenden Sonne.
Ich riss mich dennoch zusammen und raufte mich mit schmerzenden Muskeln auf die Beine und das ganz ohne Ailees hilfe.
Wir machten uns auf dem Weg zum Ausgang, doch bevor wir hinaus in den Morgen traten rief Ailee ein lautes 'Wir verschwinden dann mal!' durch die Halle, was murmeln als Antwort mit sich brachte.
"Hast du dich hier gut eingelebt?" fragte sie mich als wir draußen waren.
Ich nickte.
Es war nun schon fast befreiend und nicht mehr ungewohnt, dass hier nirgends mehr Wächter herumschwirrten und Kinder und ihre Eltern ärgerten oder Mahnungen wegen Fehlverhalten verteilten.
Es war entspannend an Nachmittagen die Kinder hier spielen zu sehen, so wie sie es wollten, wie es für Kinder richtig war und immer sein würde.
Ein lautes, mechanisches Knurren holte mich aus meinen Gedanken und nahe am Waldrand erblickte ich die Gestalt meines großen Bruders mit einer Scharr anderen in seinem Alter darunter auch Jooheon und Minhyuk, so wie Wonho, der breit in meine Richtung grinste, als er mich aus der Ferne erkannte.
Ailee seufzte genervt, sagte aber keinen Ton.
Neben der Gruppe Jungs und junger Männer stand ein beängstigend monströser Wagen auf dessen Haube der saß, der gestern mit meinem Bruder an der kleinen Halle war und mir noch immer mit seinem Namen unbekannt war.
"Was haben die vor?" fragte ich Ailee und deutete mit meinem Kinn in die Richtung.
"Vielleicht ist das Ding kaputt und sie wollen es reparieren."
Sie klang nicht sonderlich glaubhaft.
"Ich habe so ein Ding noch nicht oft gesehen, aber ich bin mir sicher es braucht keine fünfzehn Personen um es zu reperieren."
Murmelte ich und sah zu meinem Bruder, der sich vertieft mit Jooheon unterhielt und von einem Bein aufs andere zappelte.
Ich kannte meinen Bruder und einzigen Verwandten gut genug, um zu sagen und sicher festzustellen, dass er nervös ohne Ende war, es aber durch ein aufgelegtes Lächeln versteckte.
"Doch, doch. Die können zickig sein, wenn sie wollen und einer alleine oder zwei haben nicht die nerven für soetwas." sprach sie befällig und viel zu unbekümmert.
Ich zog eine Augenbraue hoch und beließ es bei ihren Worten.
Vielleicht würde mein Bruder mir erzählen was er da gemacht habe, wenn ich ihn später besuchen würde, falls er dann mal nicht mit Jooheon, Shownu oder Minhyuk am zocken war.
Ailee steuerte nicht sofort wieder auf das Glasgebäude zu, in dem wir lebten, sondern auf ein kleines, edeles Häusschen.
Es sah aus als würde es noch aus der Zeit vor dem Krieg stammen, so wie alles andere hier auch.
Hier war alles unversehen und im besten Zustand und das obwohl die Hallen über hundert Jahre alt waren und man ihnen von außen die Zeit stark ansah.
Doch keine Fenster waren eingeschlagen, alle waren sie ganz, als hätten sie schon vor dem gigantischen Krieg so existiert.
"Das ist die Cafeteria. Vor dem Krieg war das ein Restaurant. Ein Laden in dem sich die Menschen teueres Essen bestellen konnten. Jetzt gibt es denen Essen, die zu faul sind sich selber was zu machen, oder die einfach nicht kochen können." erklärte sie mir und stupste mich mit dem Ellenbogen an.
"Ich habe vorher noch nie gekocht." murmelte ich schuldbewusst und schlang meine Arme um mich, als ich seufzte.
Ailee lachte. "Das war doch nicht böse gemeint, einfach nur ein kleiner Scherz. Sei nicht immer so verbissen."
Ich zwang mir ein Lächeln ins Gesicht und klang ein wenig empört. "Ich bin nich verbissen! Ich verstehe mehr Witze, als am Anfang." protestierte ich und sah zu ihr.
Sie nickte. "Definitiv. Du fängst an unsere Sprache hier zu verstehen." grinste sie stolz.
Die Türen des alten Restaurants gingen alleine auf und gaben den Blick auf einen Saal voller Tische und Stühle frei, die alle in einem einfachen rot gehalten waren.
Der Boden bestand aus hellem Holz und die Wände waren weiß gestrichen mit roten, verschnörkelten Mustern, die mich an eines der Tattoos erinnerten, die meine Mutter mir als Kind auf meine Haut gemalt hatte, wenn sie irgendwo einen Stift gefunden hatte.
Ich wollte meine Hand dann wochenlang nicht waschen, weil ich das Muster so toll und schön fand und die anderen Kinder, die in unserer Nähe lebten es auch haben wollten, aber ihre Mütter wollten nicht das meine Mutter es ihnen auf die Hand malte.
Unsere Eltern wussten, dass sie nicht viele Mittel hatten uns eine tolle Kindheit zu schenken, doch sie haben jedes einzelne mit voller Kraft ausgeschöpft und uns Kind sein lassen.
Wir mussten nicht betteln oder arbeiten gehen wie einige andere.
In dem Haus in dem wir gelebt hatten durften wir toben und spielen, ohne dass uns die Wächter je erwischten.
Ich trottete Ailee zu einem Tisch hinter her, von dem sie sich ein Tablett nahm und mir eins in die Hand drückte.
"Bedien dich. Hungern ist das letzte was du hier musst." meinte sie zu mir und ließ zu einem langen Tisch, auf dem unzählige gefüllte Teller standen.
Woher hatten die das ganze Essen?
Unmöglich konnten sie es hier selber angebaut haben, das wäre nich möglich gewesen.
Das ging einfach nicht.
Nur zögerlich füllte ich den Teller auf meinem Tablett und folgte Ailee zu einem der Tische, an den sie sich setzte.
"Woher haben die das hier alles?" harkte ich vorsichtig nach und biss von einer der Früchte ab, die Platz auf meine Teller gefunden hatten.
"Keine Ahnung." wieder klang sie viel zu unbekümmert und beiläufig.
Erneut hatte sie mich belogen und schien es nicht zu bereuen.
Im Hinterkopf speicherte ich mir ab Wonho später danach zu fragen, sollte ich ihn nochmal sehen, oder Hyungwon.
Seinem ziemlich herrischen und strengen Vater gehörte hier schließlich alles. Er musste es wissen.
Ohne, dass ich es bestimmen konnte, beschlich mich ein schlechtes Gewissen.
Ich aß hier ohne bedenken, während es Menschen gab, Kinder, Frauen, Männer gab, die jeden Tag hungerten.
Hier hatte man mich tagelang mit Essen zugestopft anders wo würden Kinder herfür mehr als nur dankbar sein.
Plötzlich schmeckten all die Süßigkeiten und das andere Zeugs mir nicht mehr und ich fand es im innersten fairer würde hier eine kleine unschuldige fünfjährige aus einem der armen Dörfer mit ihrer Famile sitzen und nicht ich.
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Clan X
FanfictionIn den Geschichten der älteren Generationen hieß es, es gab einst eine Welt in der es erlaubt war das zu sagen und zu tun was man selber für richtig hielt. Man sagte es gab Rechte, Regeln, Gesetze, die für Menschen würdig waren, die es allen gut geh...
