On The Way

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Bestimmt seit Stunden liefen wir durch Wälder und über Lichtungen und noch immer sah ich weder andere Menschen noch etwas, was einem Dorf ähnlich sah.
Die Sonne ging allmähnlich unter und meine Beine begannen weh zu tun.
Noch nie in meinem Leben war ich so viel gelaufen wie heute und noch immer schien kein Ende in sicht zu sein.
Mein Bruder schien das nicht zu stören.
Er lief gute zehn Meter vor mir mit dem, der sich selber den Lauf des Gewehrs des Wächters an den Kopf hielt.
Von weitem sah es so aus als würden sie sich wirklich angeregt miteinaner unterhalten, doch hören konnte ich nichts.
Nahe neben mir lief der mit den weißblonden Haaren und den ausdrucksstarken braunen Augen.
Er hatte mir in den vergangenen Stunden die ein oder andere Frage gestellt, doch ich hatte sie nur durch nicken oder kopfschütteln beantwortet.
Ich hatte nie viel Kontakt zu anderen und war dementsprechend auch ein wenig zurückhaltend und schüchtern, was der neben mir nur belächeln konnte.
Der schwarzhaarige lief ein wenig abseits von uns und blieb ab und an mal stehen, betrachtete etwas und lief schließlich weiter, wenn ich es mir richtig gemerkt hatte, hieß er Hyungwon.
In seiner Nähe lief der mit dem weißen Top und den muskulösen Armen und schüttelte immer nur mit dem Kopf, wenn Hyungwon ab und an stehen blieb.

"Im Gegensatz zu deinem großen Bruder scheinst du nicht sehr gesprächig." der neben mir lachte mit seiner samtig weichen Stimme und kam mir einen Schritt näher, ich wich aus und nickte nur.
"Dir wird keiner die Zunge absäbeln, wenn du mal ein Tönchen zwitscherst mein kleines Vögelchen." ermutigte er mich munter und schielte mit seinen braunen Augen zu mir.
Ich ließ das seufzen in meine Hals hängen und zuckte stadessen nur mit meinen Schultern.
"Also stumm bist du nicht. Reden hab ich dich ja gehört." merkte er an.
Weiter ein Fuß vor den anderen setzend schwieg ich und spürte mit jedem weiteren Schritt, wie die Kraft aus meinen Beinen wich, doch auf ihnen halten tat ich es trotzdem.
Ich wollte nicht stehen bleiben, wollte wissen wohin man Changkyun und mich führte, wollte wissen was uns erwarten würde, wo wir hinkommen würden.

"Jooheon!"
Ich erschrack als der blonde ohne vorwarnung losplärrte und sah zu ihm auf.
Ein freches Lächeln zierte die vollen Lippen. Er wusste, dass ich gezuckt hatte.
Jooheon, so stellte es sich heraus, war der der mit meinem Bruder zusammen lief.
Er drehte sich um und lief Rückwärts weiter über die Lichtung, die wir überquerten.
"Was gibts?" plärrte er zurück.
Der neben mir lachte. Ein Lachen so unbeschwert und ungezwungen, wie ich es noch nie gehört hatte.
"Spricht ihr Bruder auch so wenig?" herumbrüllte er schließlich und zeigte mit seinem Daumen auf mich.
"Raiee ist schüchtern, brauch ne Weile, bis sie mit fremdem warm wird!" rief Changkyun als Antwort zurück.
Jetzt ließ ich mir den Seufzer ungeschont über die Lippen wandern und spürte die braunen Augen meines neben mir wieder.
"Raiee ist dein Name also."
Glücklich wohl ein Gesprächsthema gefunden zu haben redete der neben mir wieder an mich gewandt.
Ich nickte nur und ignorierte seinen Blick auf mich.
"Ein wirklich hübscher Name, wirklich. Mir ist noch nie jemand begegnet der Raiee heißt." schwafelte er und versuchte mich dazu zu animieren meinen Mund aufzumachen.
Jedoch bewirkte er das Gegenteil.
Er fing an zu nerven und wenn ich genervt war, redete ich mit niemandem.
"Ich bin übrigens Wonho und sehr erfreut dich kennenzulernen gesprächige Raiee." stellte er sich vor.
Erneut seufzte ich und wäre am liebsten zu meinem Bruder vorgesprintet, hätten meine Füße noch ausgehalten.

Ich genoss das schweigen was wieder einsetzte, als Wonho mitbekam, dass ich mich wohl nicht dazu überreden lassen würde mit ihm zu sprechen.
Bevor ich mich fremden näherte, beobachtete ich sie erst um zu wissen wie sie drauf waren und für gewöhnlich distanzierte ich mich dann wieder. Hier würde es aber schlecht werden mich einfach zu verstecken und nur meinen Bruder als Bezugsperson anzuerkennen.

Die Sonne war mittlerweile verschwunden und Hyungwon und der mit den muskulösen Armen liefen unmittelbar vor uns.
Es war kühler geworden und in dem dünnen T-Shirt was ich trug fing ich an zu frieren.
Ich schlang meine Arme um mich und versuchte die Kälte auszublenden.
Changkyun und Jooheon beleuchteten den Weg weit vor uns mit Taschenlampen.
Etwas bei dem ich gedacht hatte, dass es nur Wächter besitzen würden.
Wonho hielt noch immer den Mund.
Der einzige der Töne von sich gab war Hyungwon, der munter vor sich hinsummte.
Im Gegensatz zu Wonho nervte mich dies aber nicht sonderlich.
Hyungwons summen war nur ein angenehmes Geräusch im Hintergrund der Tierlaute um uns herum.
Wie diese Tiere wohl aussahen, die sich hinter den Bäumen befanden?
Viele beschrieben sie als gefählich und furcheinflößend, menschenfressend.
Würde man ihnen begegnen sei es aus und vorbei mit dem Leben hieß es, doch beweisen konnte es keiner.
Die Tiere hielten sich von dem Dorf in dem ich mit meinem Bruder gelebt hatte fern, als schienen sie zu wissen, dass die Wächter nicht grade die waren mit denen man gut Tee trinken konnte.

Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen, als ich mit meinem Fuß in einem Loch im Boden hängen blieb und mit einem überraschten quiecken auf dem Boden aus Wurzeln und Laub landete.
"Alles okay?" fragte Hyungwon sofort besorgt und kniete sich neben mir.
Ich nickte und biss die Zähne zusammen, als ich meinen Fuß bewegte und mir das Gelenk bei meinem Kopfnicken einen Strich durch die Rechnung machte.
Der im Top rief nach Jooheon und meinte er sollte nicht mehr mit meinem Bruder soweit vorne laufen, da wir auch gut Licht gebrauchen könnten.
Die beiden machten kehrt und stapften mit den Lampen in den Händen zu uns.
Wonho kniete sich zu meinem Fuß und zog mir den durchgelaufenen, alten Schuh ab.
"Versuch das Gelenk mal zu drehen." wies er vorsichtig an.
Langsam versuchte ich meinen Fuß, wie vor wenigen Sekunden zu bewegen, doch wieder durchzuckte ein widerlicher Schmerz die Stelle und ich gab ein schmerzersticktes Zischen von mir.
Die Socke an meinem Fuß verschwand auch noch und Wonho drückte genau auf der stelle herum wo es wehtat.
Ich schrie vor schmerzen auf.
"Sag mal hast du nicht grade gemerkt, dass sie ihr Gelenk kaum bewegen kann?" fuhr der, der eben gerufen hatte Wonho an.
"Wollte nur schauen ob es gebrochen ist." keifte Wonho und richtete seine Augen schließlich auf mich. "Nur gestaucht. Der Knochen ist noch ganz."
Ein wenig verdattert blinzelte ich.
Knochen konnten brechen?

"Raiee!"
Mein Bruder hielt mir die Taschenlampe genau ins Gesicht.
"Was hast du wieder angestellt." entwich ihm ein lachen.
Ich blickte durch das Licht finster zu ihm auf.
Er brachte es fertig die Lampe von mir weg zu halten und funkelte besorgt mit seinen Augen.
"Nur hingefallen." murmelte ich und stützte mich auf meinen Armen auf.
"Nur hingefallen und Knöchel verstaucht." setzte Wonho meinen Satz weiter und zog mit Socke und Schuh vorsichtig wieder an, dennoch konnte ich mir nicht verkneifen mein Gesicht nicht zu verziehen, als er meinen Fuß falsch bewegte.
"Also laufen wirst du nicht mehr können." merkte der im Top an, der nichtmal zitterte.
"Danke für deine geistreiche Erkenntnis Shownu." bemerkte Wonho an den noch stehenden gerichtet und zog eine Augenbraue hoch.
Shownu entwich ein genervtes seufzen, so wie mir als es noch hell war.
Wonho ging also nicht nur mir auf die Nerven.
"Weit ist es nicht mehr. Bestimmt sehen uns die anderen schon. Ich trage sie." beschloss Wonho.
Mein Bruder warf einen nicht sonderlich begeisterten Blick auf den blonden.
"Ich werde sie tragen, sie ist meine Schwester." stemmte er sich dagegen und kniete sich mit der Lampe in der Hand zu mir herunter.
"Du musst sie nicht tragen, bist selber erschöpft. Weder du noch deine Schwester seid es gewohnt so lange und viel zu laufen. Müh dich nicht selber ab." kam es gutgemeint von Hyungwon, der Changkyun aufbauend zulächelte.
Mein Bruder fuhr sich durch die Haare und nickte schließlich.
"Meinetwegen." grummelte er.
Wonho reagierte sofort und hatte mich keine Sekunde später auf seine Arme genommen.

"Überraschend schwer." merkte er grinsend an und lief los.
"Ich werd dir gleich überraschend schwer." kam es von meinem Bruder, der direkt neben uns lief und den Weg leuchtete.
"Das war ein Spaß, sarkasmus, ironie. Etwas sagen, aber das Gegenteil meinen. Ihr werdet schnell zu wissen bekommen, wie das ganze geht." erklärte Wonho.
"Eigentlich meinte ich das sie viel zu leicht ist. Aber das wird sich geben. Bei uns gibt es genug Essen. Hungern müsst ihr garantiert nicht."
stellte er richtig.

Wieder brach schweigen aus und dadurch dass ich nichtmehr lief, spürte ich, wie müde und ausgelaugt ich eigentlich war.
Ohne dass ich es eigentlich wollte, ließ ich meinen Kopf auf Wonhos Schulter sinken.
Von ihm ging ein merkwürdig, gut riechender Geruch aus, den ich noch nie in der Nase hatte.
Dementsprechend konnte ich auch nicht identifizieren, was es war, aber es war ein angenehmer Duft, der leicht in der Nase hing.
Wonho lachte leise.
"Das nennt sich Parfüm."
Ich spürte meine Wangen warm werden, als er mich dabei ertappte, das ich an ihm geschnuppert hatte.
"Das muss dir nicht peinlich sein Raiee. Es ist etwas neues für dich, da ist es normal, dass man sich darauf fixiert." erklärte er mir ruhig und überhaupt nicht nervig.
Ich blieb wieder ruhig.
Nicht weil er mich wieder nervte, sondern weil seine ruhige Stimme und dieses dieser was auch immer Pafum eine beruhigende, noch müderer machende Wirkung auf mich hatte, die meine Lider schwer werden und mich, trotz pochender schmerzen in meinem rechten Fuß einschlafen ließ.





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