Time Stands Still

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Nie hatten sich Tage und Nächte länger angefühlt, als in der letzten Woche.
Die Zeit schien eingeschlafen zu sein. Am Tage saß ich entweder an meinem Fenster und sah nach draußen oder kauerte bei meinem Bruder und Jooheon herum, der mich ansah, als würde er mich dazu drängen wollen mit Wonho zu reden.
Doch das konnte er vergessen.
Er hatte seine und ich meine Entscheidung gefällt und so wie ich ihn einschätzte würde er seine genauso wenig zurückziehen, wie ich meine.
Changkyun bekam davon nichts mit, sondern war eher erfreut darüber, dass ich endlich mal mehr Zeit mit ihm verbrachte.
Eine Silbe darüber, wieso ich seinen Worten aufeinmal nachkam, war von ihm nicht zu erwarten.
Wieso auch? Er hasste Wonho wegen irgendwas, was passiert war, mir aber keiner erzählen wollte, nur um mein bestes zu wollen.

Im Moment wäre es für mich das beste einmal wirklich richtig zu schlafen, denn nichtmal in der Nacht bekam ich ein Auge zu.
Ailee hatte mir irgendwas in die Hand gedrückt, mit dem ich meine Augenringe überdecken konnte, hatte mich aber nicht über meine plötzliche Schlaflosigkeit und Distanz zu Wonho ausgefragt.
Vielleicht konnte sie sich ihre Verbindungen auf gewisse weise selber ziehen, sie war schließlich alles andere als dumm.
Hyungwon war auch mehr als einmal hier und hatte versucht irgendwas aus mir heraus zubekommen, weshalb Wonho und ich seit Tagen kein Wort mehr wechselten, wo es doch an diesem Tag in der Freizeithalle noch ganz anders aussah.
Ich schwieg solange, bis er verzweifelte und wieder ging.
Er versuchte sich noch bei Ailee über das was wohl passiert war zu informieren, doch sie meinte nur, dass sie mich nicht dazu zwingen würde etwas zu erzählen und dass es doch klar war, dass es doch so enden musste, da Wonho ein emotionaler Trampel war.

Wenn Wonho und ich uns auf der Lichtung im vorbei gehen sahen, schenkte er mir einen Blick, von dem ich nicht wusste, was ich davon halten sollte.
Das übliche glitzern in ihnen war erloschen, das braun nicht mehr so satt wie sonst immer.
Wie unter meinen Augen zeichneten sich dunkle Ringe ab, aber er versteckte sie nicht, anders als ich.
Hatte Changkyun ihn bemerkt wechselte er die Richtung und lief mit mir irgendwo anders hin.
Ich war ihm dankbar dafür, hätte nicht gewusst, wie lange ich seinem Blick noch aushalten könnte, ohne in den Wald zu fliehen und durchzudrehen.

"Ich habe gesagt ich zwinge dich nicht dazu, mir zu erzählen was zwischen dir und Wonho vorgefallen ist. Aber seit gut einer Woche kauerst du hier vor dich hin, als wäre dein Bruder oder so gestorben.
Raiee, ich mache mir sorgen um dich und ich will, dass du mir jetzt erzählst, wieso du Wonho und Hyungwon aus dem Weg gehst und dich aufeinmal an die Worte deines Bruders hälst."
Verlangte Ailee von mir am Abend und sah mich erwartungsvoll an.
Ich stocherte in meiner unangerührten Nudelsuppe herum und versuchte ihren Blick zu ignorieren.
Sie seufzte aufgebracht.
"Ich mag Wonho nicht, aber Hyungwon und auch er findet es schrecklich, wie ihr beide euch wegen irgendetwas aufführt. Wir wollen euch nur helfen und das können wir nicht, wenn wir nicht wissen was los ist."

Mein Löffel landete in der Schale.
"Ich will weder deine noch Hyungwons Hilfe. Wir haben beide eine Entscheidung getroffen und müssen nun mit unseren Konseuenzen Leben." murmelte ich mit verdorbenem Appetit und hatte vor aufzustehen.
Ailee hielt mich zurück.
"Wenn du die Nudeln jetzt nicht isst, lass ich dich in den Krankentrakt einweisen. Ich habe die letzten Tage lange genug zugesehen, wie du dich ums Essen gedrückt hast." mahnte sie mich.
"Und ich wette Wonho würde es nicht begeistern, wenn er dich dort besuchen kommen müsste."
Setzte sie nach.
Im inneren trafen mich ihre Worte, doch äußerlich prallten sie von mir ab.
"Er würde mich nicht besuchen kommen." führte ich ihr vor Augen und schielte zu ihr.
"Wieso? Weil ihr beide grade einen auf Zickenterror macht? Verdammt, Raiee, reiß dich mal zusammen!" sie wurde lauter.
Ich zuckte zusammen und sah sie aus verengten Augen an.
"Du hast doch keine Ahnung was passiert ist! Also halte dich daraus!" plärrte ich und sauste in mein Zimmer.

Ich sank gegen die Tür und zog die Knie an.
Was sprach den dagegen mir einfach zu erzählen, was hier vorsich ging?
Was sprach dagegen es mich wissen zu lassen? Mich wissen zu lassen, wieso mein Bruder Wonho so sehr hasste, was in diesen Tagen passiert war, als sie weg waren!
Da musste es etwas geben, aber keiner hielt es für nötig es mich wissen zu lassen, als wäre mir Wonho nicht wichtig und ich nicht Changkyuns Schwester.
Ich hatte ein recht darauf zu erfahren, was da vor sich ging, aber nein, wie ein kleines Kind versuchte man mir alles kunterbunt zu malen, dabei meinte Hyungwon doch selber, dass hier bei langem nicht alles so friedlich war, wie es aussah.

"Raiee?" sprach Ailee leise gegen das Holz der Tür von der anderen Seite.
Ich ignorierte sie und hielt mir die Ohren zu.
Von keinem mehr wollte ich etwas hören, von keinem etwas sehen.
Sie sollten erst wieder vor meine Augen treten, wenn sie mir alles erzählen würden, ansonsten würde ich hier drinnen verhungern, dass stand fest!

Bestimmt Stunden später wurde die Tür zu meinem Zimmer aufgeschoben und ich weg von dem Fleck, an dem ich bis jetzt saß.
Ich hörte Schritte, doch keiner sprach.
War wohl auch besser so, sonst wäre ich bestimmt ausgeflippt.
Meine Augen wollte ich nicht öffnen, es hatte sich gut angefühlt, wenigsten ein paar Stunden schlaf zu bekommen, wenn ich in den letzen gar keinen hatte.

"Wir müssen herausbekommen, was zwischen ihnen vorgefallen ist."
Das war ohne zweifel Hyungwon.
Ailees Seufzen ertönte.
"Sie sagt nichts. Vorhin am Tisch ist sie ausgeflippt und übermüdet ist sie auch noch." erklang sie besorgt.
Kalt lachte Hyungwon.
"Bei Wonho nicht anders. Bei jedem kleinen Geräusch oder bei jeder kleinen Frage die ich ihm stelle, dreht er durch." erzählte er.
"Es wird immer schlimmer, er will kaum noch raus, wohl aus Angst sie zu sehen." murmelte er in Gedanken versunken.
"Wir müssen doch da irgendwas tun. Ich meine ich mag Wonho nicht sonderlich, aber in dem Fall tut er mir sogar leid."
Wieder lachte Hyungwon.
"Das ihn ein Mädchen mal so aus der Bahn werfen kann." witzelte er.

Jemand kniete sich zu mir und hob mich hoch.
"Eine gute Sache hatte ihr ausraster, sie schläft endlich mal." nuschelte Ailee, die mich nicht trug.
"Vielleicht sollte ich Wonho auch mal dazu bringen."
Hyungwon legte mich auf meinem Bett ab und legte mir die Decke über.
Er seufzte.
"Ich hab das Gefühl, es hat nicht damit zu tun, dass er sie geküsst hat." vermutete er und hatte recht.
Dass er mich geküsst und mein Bruder es gesehen hatte war nun zumindest mein kleinstes Problem, da Changkyun nun der Meinung war, dass ich Abstand zu Wonho genommen hatte.
"Es wird eher daraus hinaus laufen, dass nichtmal er ihr erzählen will, was passiert ist und wieso ihr Bruder ihn so hasst." schloss Ailee, schlau wie immer.

"Also haben wir zwei Möglichkeiten." fasste Hyungwon.
"Entweder wir erzählen ihr es und lassen es darauf hinauslaufen, dass sie Wonho dann entgültig nicht mehr sehen will. Oder wir setzen unsere Sturköpfe solange bei Wasser und Brot zusammen, bis er mit der Sprache rausrückt." stellte er ein ultimtum. Schritte waren wieder zu hören, wohl Hyungwons und die Tür schloss sich kurz darauf wieder.
Er würde nichts sagen.
Wonho würde nicht den Mund aufmachen, selbst wenn ein weiterer Krieg ausbrechen würde oder er mich ein letztes Mal wirklich sehen würde.
Er würde dicht halten, nicht um mich zu schützen, sondern seine eigene Haut, dass hatte ich eben aufeinmal verstanden.
Würde es ihn nicht besonders mit betreffen, wüsste ich es schließlich schon lange, aber er, so wie die anderen ließen mich ja offensichtlich willentlich im Dunkeln tappen, nur damir er selber mir sein dunkles Geheimnis anvertrauen konnte.

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