"Also kochen wird nicht deine Stärke." lachte Ailee und rettete die Nudeln auf unserem Herd vor dem Überkochen.
Ich zuckte mit den Schultern. "Hab noch nie wirklich gekocht." murmelte ich und stellte zwei Teller auf den Tisch.
"So leid es mir tut. Das merkt man dir an, Raiee." zog sie mich auf und grinste frech.
Ich hatte in den letzten beiden Tagen gelernt, dass ich ihre Bemerkungen nicht all zu ernst nehmen sollte.
Es war als spaß gemeint und langsam fing ich an sie zu verstehen, fing an zu verstehen, dass das leben hier leichter war, einfacher.
Ein lauter seufzer entfiel mir als ich das Besteck heraussuchte und es ebenfalls auf den Tisch legte.
"Raiee, das wird schon. Glaub mir. Kochen ist keine Kunst, das kann jeder." munterte sie mich auf und tätschelte mir die Schulter, als sie den Topf mit den Nudeln ebenfalls auf unseren Tisch gestellt hatte. "Man brauch da halt nur Übung."
Ailee machte eine wegwischende Handbewegung und setzte sich auf ihren Platz.
Bevor ich mich setzte blickte ich nocheinmal zur Wohnungstür.
Vor zwei Tagen hatte ich den Brief von Wonho erhalten und war zwei mal vor ihm gewarnt worden. Er hatte sich auch nicht mehr blicken lassen. Nichtmal als ich mit meinem Bruder und Jooheon und in die Freizeithalle lief
"Erwartest du Besuch?" fragte Ailee mich und schaufelte sich einen Berg Nudeln auf ihren Teller, bevor sie diesen mit Soße ertränkte.
Ich schüttelte den Kopf.
"Dann schau nicht immer so zur Tür, das ist ja unheimlich, als würdest du Geister sehen." lachte sie und tat mir Nudeln auf meinen Teller.
Ich griff selber zur Soße.
"Tu ich aber nicht." murmelte ich und begann zu essen.
Ailee zuckte mit den Schultern. "Sowas soll es aber mal gegeben haben." merkte sie nur an und stopfte sich ihre beladene Gabel in dem Mund.
"Was war das eigentlich für ein Brief, der bei dem Schlüsselkästchen mit dabei war?" wollte Ailee wissen und legte neugierig den Kopf schief.
Jetzt zuckte ich mit den Schultern.
"Nur ein kleiner Gruß." nuschelte ich.
Ailee rollte ihre dunklen Augen. "Von wem?" löcherte sie mich und sah mich eindringlich an.
Ich setzte an zu reden, doch verstummte.
Sie und Wonho schienen sich nicht sonderlich zu verstehen, da konnte es keine gute Idee sein, wenn ich ihr sagen würde, dass der Brief von ihm war.
"Darf ich raten? Wonho." erkannte sie selber und seufzte angestrengt.
Auf meinen Teller blickend nickte ich und wagte es nicht aufzusehen.
"Er ist wirklich kein guter Umgang für einen Unschuldsengel wie dich. Raiee, das ist ein wirlich gutgemeinter Rat: Halte dich an deinen Bruder und Hyungwon. Hyungwon ist hier überall gern gesehen. Seinem Vater gehört das alles hier." erklärte sie mir und sah mich nun weich an.
Wieder nickte ich und sprach nun eher als ich hätte denken können.
"Was hast du eigentlich gegen Wonho?" fragte ich sie leise.
Ailee senkte ihre Gabel und ließ mich nicht aus ihrem Blick.
"Ich weiß es nicht. Aber er ist merkwürdig, ist einfach hier aufgetaucht und hat beschlossen zu bleiben. Bei Hyungwon und Shownu und Co. mag er ja aufgenommen worden sein, aber die anderen nehmen Abstand." ließ sie mich wissen.
"Woher kommt er?" fragte ich weiter und ließ meine Gabel ebenfalls auf dem Teller liegen.
Ailee zuckte mit den Schultern. "Das weiß keiner. Gerüchte existieren, dass er aus dem Norden kommen soll und alles verloren hat. Angeblich soll er Ewigkeiten herumgestreunert sein, eh er hier ankam." erzählte sie.
"Er selber gibt nichts von sich Preis und legt sich gerne mal mit den Wächtern in der kleinen Stadt hier in der Nähe an."
Ailee verstumte, als es klopfte und sprang sofort auf, um dem Besucher die Tür zuöffnen.
Bestimmt würde es wieder mein Bruder sein, der Fragen würde ob ich ihn, Jooheon und noch ein paar andere begleiten würde.
"Ailee, wie sehr ich mich doch immer freue dein Gesicht zu sehen."
Eine mir bekannte Stimme erklang voller Sarkasmus.
"Oh Wonho wenn ich dich sehe würde ich dir gerne vor Freude meinen Mageninhalt ins Gesicht schleudern." säuselte sie ebenso.
"Entzückend das zu hören, aber ich würde mich viel mehr freuen, würde ich deine Mitbewohnerin zu Gesicht bekommen. Denn ich bezweifle, dass sie mir so an die Gurgel gehen will wie du."
Ich drehte mich zur Tür und sah Wonho gelassen im Türrahmen lehnen, Ailee dagegen stand da, als würde sie ihm jeden Moment die Gabel von ihrem Platz in den Hals rammen.
"Raiee? Schon dich nicht mehr im Krankentrakt zu sehen." lächelte er mir in einem ganz anderen Ton zu .
Zögerlich erwiederte ich es und seines wurde nur breiter.
"Lass uns was unternehmen. Ich denke mal du bist in den letzten Tagen nicht viel rausgekommen." bot er an und legte den Kopf schief.
Ailee war dabei die Türen zuzuziehen. "Wir essen grade, komm doch am besten gar nicht wieder." erklang sie bittersüß, doch Wonho stemmte sofort seinen Fuß dagegen.
"Ich kann mir ihr auch etwas essen gehen. Es liegt an Raiee was sie will."
Braune, ausdrucksstarke Augen sahen in meine und leuchteten.
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Clan X
FanfictionIn den Geschichten der älteren Generationen hieß es, es gab einst eine Welt in der es erlaubt war das zu sagen und zu tun was man selber für richtig hielt. Man sagte es gab Rechte, Regeln, Gesetze, die für Menschen würdig waren, die es allen gut geh...
