Am Ende zählt der Wille

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Behutsam legt er einen Arm um mich, "Du musst keine Angst haben. Ich bin bei dir."

Ein lauter Knall ertönt und ich zucke zusammen.
Ich sehe zu Clive, dieser versucht hektisch den Koloss wieder in seine Gewalt zu bringen, doch dies gelingt ihm nicht.
Sein Blick schnippt auf die Monitore überhalb der Steuerungseinrichtung.
"Was ist da los?", er konnte sich selbst nicht erklären, was mit der Maschine passiert.
Der Koloss läuft selbstständig durch London und zerstört es.
Ich stehe vom Boden auf - vorhin hatte ich mich hingesetzt, damit ich die Zerstörung nicht mit ansehen muss - musste mich dabei aber an der kalten Metallwand festhalten, da die Maschine zu stark wankt.
"Das gibt's doch nicht!", Clive greift sich an den Kopf.
Sein Plan, an dem er so lange gearbeitet hat, ging gerade den Bach runter und seine bessere Welt, von der er stets geträumt hatte, löste sich in Wohlgefallen auf.
Langsam geht er zu den Fenstern und stützt sich auf dem Sims ab.
Vorsichtigem Schrittes laufe ich zu ihm, bleibe neben ihm stehen und sehe zuerst meinen Bruder an und dann nach draussen.
Die Sicht wird von schwarzen Rauchwolken verdeckt, welche der Wind in unregelmäßigen Abständen weggbläst.
Ganz sicher, dass war des Professors Arbeit. Er hatte eine Möglichkeit gefunden die Waffe zu zerstören und London somit zu Retten.
》Danke Professor.《, ich schließe meine Augen und lächele.
Als ich die Augen wieder öffne, sehe ich einen verzweifelten Clive vor mir; ich würde bis zum letzten Moment an seiner Seite bleiben.
Eine Flucht wäre sowieso nicht mehr möglich, ich konnte mir nicht vorstellen, dass hier noch irgendetwas planmäßig funktioniert.
Abgesehen von der Zerstörungskraft natürlich.
Ebenso hatte ich meine Zweifel, ob Clive mich begleiten würde, wenn wir tatsächlich noch die Möglichkeit zur Flucht hätten.
"Das darf doch nicht... Das darf doch nicht wahr sein!", Clive schüttelt den Kopf und schlägt mit der zweiten Hand auf den Fenstersims, "So kann es nicht enden!"
Sein Ausruf wird von einem lauten Knall übertönt.
Schnell dreht er sich um; schneller als ich gucken konnte drückte er mich beschützend an sich und die Welt um mich herum wurde schwarz...

"Hey, was macht ihr da?!", schnell kommt Clive auf die drei Jungs, welche mich bedrängen, zugestürmt.
Eine Prügelei entstand und trotz der Tatsache, dass die Jungs zu dritt gegen meinen Bruder ankämpften, verloren sie und rannten davon wie geprügelte Hunde.
Clive war nicht verschont worden. Ein blaues Auge, viele Kratzer von denen einige bluten.
Kurz darauf sitzen wir nebeneinander im Gras und schauen auf den See.
"Geht's dir gut?", fragt er und lächelt besorgt.
Ein stummes Nicken meinerseits folgt.
"Warum haben diese Kerle dich belästigt?", wollte der Ältere schließlich wissen.
"Weil meine Haare rot sind..."
Im Augenwinkel sehe ich das Clive mich weiterhin ansieht.
Langsam war er mit seinem Latein am Ende. Immerhin war es nicht das erste Mal, das ich wegen meiner roten Haare geärgert wurde.
"Ich finde sie schön."
Mein Blick wandert zurück auf meinen Bruder, "Ehrlich?"
"Ja. Rote Haare sind etwas sehr seltenes und deshalb was ganz besonderes!", strahlt er.
Somit zaubert er auch mir ein Strahlen ins Gesicht, welches der Sonne Konkurrenz machen könnte.
"Cheryl, was hälst du davon, wenn wir später dafür sorgen können, dass alle so akzeptiert werden, wie sie sind?"
"Wie meinst du das?"
"Lass uns diese Welt zu einem besseren Ort machen!", grinst er glücklich.
Ich bin voll und ganz von seiner Idee begeistert, "Ja!!"

Erzähler Sicht

Celeste gelangt durch eines der Fenster ins Innere der laufenden Festung.
Anders als sie es aus dem fliegenden Laytonmobil sah, sitzt der junge Mann jetzt im Schneidersitz und den Rücken zu ihr gewendet vor ihr.
"Cheryl... bitte wach auf...", ein leiser Schluchzer erklingt und ließ Clive nicht mehr im geringsten an den Verbrecher erinnern, welcher er kurz zuvor noch gewesen ist, "Es tut mir so leid... bitte... lass mich nicht allein... Cheryl..."
In den Armen des jungen Mannes, der seinen Mut verloren hatte, lag der Körper eines jungen Mädchens.
Der Körper seiner jüngeren Schwester Cheryl.
"Es ist vorbei ...", flüstert Clive.
Celeste geht auf ihn zu, "Das ist nicht wahr, Clive. Du kannst von Vorne beginnen und den Schaden wiedergutmachen."
Der Angesprochene wendet seinen Blick von dem Mädchen ab und sieht nun Celeste an, "Aber wie?"
"Reden wir später darüber. Aber jetzt müssen wir so schnell wie möglich fort von hier!"
"Aber wieso... Wieso helfen Sie mir?", das der junge Mann den Tränen nah ist, sieht man an seinen glänzenden Augen.
"Ich kann dich hier nicht einfach zurücklassen."
"Aber... Aber wissen Sie nicht, was ich getan habe? Was ich erreichen wollte?"
"Ja, trotzdem würde ich dich nie hier umkommen lassen. Letzten Endes ist diese Tragödie auf die Fehler von uns Wissenschaftlern zurückzuführen."
"Ich... Ich verstehe.", Clive unterbricht sich und sieht seine jüngere Schwester an, "Aber Cheryl-"
"Cheryl ist am Leben.", unterbricht Celeste ihn, als sie den Puls des rothaarigen Mädchens gefühlt hat.
"W-Wirklich?", Hoffnung schimmert in Clives Augen auf.
"Ja, wirklich. Aber jetzt müssen wir hier raus!"
Obwohl Clive sich kaum selbst auf den Beinen halten konnte, trägt er Cheryl in seinen Armen.
Er würde alles dafür geben, um sie sicher von hier wegzubringen.
Mit Celestes Hilfe kann er sie durch das Fenster nach draussen auf die Plattform bringen.
Kurz darauf hört man auch schon ein brummendes Geräusch und in nicht allzuweiter Ferne erkennt man zwei Lichter.
Das fliegende Laytonmobil.
Layton kommt ihnen zur Hilfe.
Gerade rechtzeitig, denn der Koloss läuft rückwärts auf das Loch zu, aus welchem er aus dem falschen London gekommen war.
Kaum saßen die drei in dem fliegenden Auto und waren ein paar Meter weggeflogen, bestätigt ein lauter Knall, das der Koloss soeben explodiert war.
Clive sitzt erschöpft, was durchaus an seinen Verletzungen lag, auf dem Rücksitz im Auto; die bewusstlose Cheryl lehnt an ihm.
Schützend den Arm um sie gelegt schließt er seine Augen.

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_Sylfaen_

Zerbrochene ErinnerungenWo Geschichten leben. Entdecke jetzt