Einen Schritt weiter

58 3 0
                                    

》Der Stammgast kommt also wirklich aus Chinatown. Da liegt die Vermutung, dass es sich um den bösen Hershel Layton handelt, sehr nahe.
Und wenn er sich wirklich ständig verkleidet, wie es der Junge aus Chinatown sagte, und wie der Professor einen Zylinder trägt, dann war dieser Stammgast der Mann, den wir suchen.《

Also hieß es jetzt: Zurück zum Pagodenturm.
Vielleicht gewährt uns der Herr, der uns den Weg versperrt hat, jetzt Einlass.
Und wenn wir uns den Eintritt mit einem Rätsel verschaffen müssen!
Wir werden...
"Oh, Fluke!"
Beim klang dieser Stimme hebe ich schnell den Blick, welchen ich bis gerade eben noch auf den Boden gerichtet hatte.
"Oh Schreck! W-was willst du denn hier, Belle?", fragt der kleine Luke erschrocken.
Der große Luke neben mir schmunzelt, "Kennt ihr dieses Fräulein?", flüstert er mir zu.
"Ein bisschen.", grinse ich.
"Und, wer ist sie?"
"Hm... sagen wir, sie ist eine Verehrerin von unserem kleinen Luke hier."
"Ah, ich verstehe."

"Nur keine Sorge, Luke ist schlicht ein wenig überrascht.", sagt der Professor, ehe der kleine Luke noch etwas sagen konnte, "Ich muss schon sagen, welch glücklicher Zufall, dass wir hier aufeinandertreffen."
"Zufall?", fragt Belle und ihre Augen beginnen zu glänzen, "Oh nein! Nein, nein, nein! Das ist Schicksal! Ganz klar! Fluke und ich sind nämlich füreinander bestimmt!"

"Aha, du hast mir ja noch gar nichts von deinem Glück erzählt.", grinse ich den großen Luke von der Seite an.
"Ich schwöre es, ich bin dem Mädchen in meiner Vergangenheit nie begegnet.", versichert der ältere Luke, "Hör bitte auf mich so anzugrinsen." Zum ersten Mal sehe ich den älteren Luke rot werden, auch wenn es nur ein leichter Rotschimmer ist.

"Ich... bin mir sicher, dass man es so ausdrücken mag.", sagt Layton.
"Schicksal? Bestimmung? Luke, was hast du diesem lieben Mädchen nur erzählt?", fragt Flora an den kleinen Luke gewendet.
"Ich? Nichts! Gar nichts! Da liegt ein gewaltiger Irrtum vor!", Luke wendet sich an Belle und scheint nach den richtigen Worten zu suchen, "B-Belle und ich sind... Wir sind kein Pärchen! Beileibe nicht!"
"Oh, Fluke! Du bist so süß, wenn du dich zierst... Ich könnte dich glatt auffressen!", das junge Mädchen hörte einfach nicht auf das Turteltäubchen zu spielen. Dabei waren Lukes Worte klar und deutlich gewesen.
"Ich ziere mich überhaupt nicht! Und süß bin ich auch nicht! Eher sauer!", verteidigt sich der kleine Luke.

"Hey, jetzt sei doch nicht sauer, Cheryl. Das war einfach zu gefährlich für dich.", versucht der Junge, welcher im Schneidersitz vor mir sitzt, mich zu beruhigen.
"Aber ich wollte den Drachen vom Baum holen!", eingeschnappt verschränke ich die Arme vor mir und blase die Wangen auf.
Der Junge seuftzt leise, doch er gab nicht auf, "Hör mal, nächstes Jahr nehme ich dich mit in die geheime Höhle!"
"Wirklich?", frage ich nach und meine Wut war wie gebannt.
"Ja, natürlich. Dagegen ist dieser Baum nichts! Indianerehrenwort!", er grinst und streckt mir seinen kleinen Finger hin. Wir verhaken unsere kleinen Finger ineinander, "Indianerehrenwort!", wiederhole ich mit einem breiten Lächeln.

Seltsam... wieder eine Erinnerung. Dann hatte ich mich noch nicht an alles erinnert.
Aber wenn ich daran denke, was meinen Eltern passiert war... wollte ich mich überhaupt erinnern?
Ich schüttele den Kopf und somit auch die Zweifel weg; natürlich wollte ich alles wissen!
Was bringt es mir, wenn ich nur die halbe Wahrheit kenne?
"Beeil dich, Cheryl! Wir müssen den Pagodenturm erreichen, ehe der Clan die Wachen um ebendiesen verstärkt!", sagt der ältere Luke und geht auffordernd ein paar Schritte Richtung Wald.
》Und wie er immer auf mich Acht gibt...《, ich sehe den älteren Luke an und folge ihm dann mit schnellem Schritt.
"Was denn? Ist der Clan etwa hinter uns her?", frage ich, als wir zu den anderen aufgeschlossen haben.
"Du hast wieder geträumt, nicht wahr?", der ältere Luke sieht mich an.
"Ja... tut mir leid."

"Der Herr steht noch immer da.", sagt Flora, als wir dem Glockentor näher kamen.
"In der Tat. Vielleicht lässt er uns jetzt passieren.", sagt Layton und wir kommen vor dem Clanmitglied zum stehen.
"Hmpf. Da seid ihr ja wieder.", der Herr schien alles andere als begeistert darüber zu sein uns zu sehen.
Hatte er angenommen, dass wir bereits vom Clan gefasst wurden?
Der Professor ging nicht weiter darauf ein, "Wir hörten, dass der Herr des Hauses wieder heimgekehrt ist."
"Da haben Sie in der Tat richtig gehört.", bestätigt der Herr.
"Dürfen wir Sie demzufolge bitten, uns eintreten zu lassen?", fragt Layton.
"Von mir aus.", antwortet das Mitglied des Clans.
Das überrascht mich jetzt. Ich dachte...
"Oder vielmehr: gerne, wenn ihr die kleine Prüfung besteht, die ich euch stelle.", beendet der Mann seinen Satz.
》Ich hab's gewusst...《
"Als der Boss zurückkehrte, befahl er mir, niemanden durchzulassen, der dieses Rätsel nicht löst.", erklärt der Herr.

"...Der Boss hatte mal wieder recht. Ihr müsst diejenigen sein, auf die er gewartet hat.", grummelt der Mann.
"Wir dürfen also eintreten?", Layton lächelt zufrieden.
"Nun... Ja. Geht einfach gerade aus bis zum Pagodenturm. Und lasst den Boss besser nicht warten.", warnt nun der Mann, welcher uns bis gerade eben noch den Weg versperrte.
》Die meiste Zeit haben wir sowieso an ihm verloren. Langsam bereitet mir der Kerl Kopfschmerzen.《
Der Mann öffnet das Tor und lässt uns passieren.
Endlich kamen wir unserem Ziel wieder ein Stück näher.
"Der Pagodenturm ist nicht mehr fern...", sagt der kleine Luke und sieht zu dem riesigen Turm, der hinter den Lagerhäusern in den Himmel ragt.
"Endlich treten der gute und der böse Professor einander leibhaftig gegenüber.", die Lippen des älteren Lukes ziert ein siegessicheres Grinsen.
"Und wie soll das gehen, wenn unser Professor gar nicht da ist?", fragt Flora ruhig.
"Hä?", "Was?", der ältere und der jüngere Luke sehen das braunhaarige Mädchen fragend an.
"Was meinst du-", auch ich bemerke jetzt, dass der Professor verschwunden ist, "Aber wie...? Der Professor war doch gerade direkt neben mir!"
"Wo ist denn der Professor hin?", fragt der kleine Lehrling Laytons.
"Wie vom Erdboden verschluckt...", der große Luke sieht sich suchend um.
"Dabei hat er doch gerade noch das Rätsel des Torwächters gelöst...", sage ich und sehe zurück zu dem Tor, welches wir schon ein paar Meter hinter uns gelassen haben.
"Ja, und das Tor hat er ebenfalls mit uns zusammen durchschritten.", sagt der ältere Luke.
"Aber er ging uns ein Stück voraus. Ich glaube, ich habe ihn kurz winken sehen...", erklärt Flora.
"Aber wo ist er nur hin?", fragt der ältere Luke daraufhin.
"Ich weiß auch nicht. Aber wenn ich mich recht erinnere, hat er mir zugelächelt." Flora war die Ruhe in Person, aber auch die Einzige von uns, die den Professor gesehen hat.
Vielleicht war sie deshalb so ruhig.
"Aber... wieso das alles?", der kleine Luke schaut leicht zerknirscht drein.
"Das frage ich mich ebenfalls. Der Professor handelt nie ohne einen guten Grund...", der große Luke beginnt nachzudenken, "Wieso also sollte er sich so heimlich von uns fortschleichen?"
"Darauf kann ich mir auch keinen Reim machen...", ich sehe Flora an, welche neben mir steht, "Oh... Flora du hast da einen Zettel am Rücken kleben."
"Huch! Oh nein, wie peinlich! Hat mir da etwa jemand einen Streich gespielt?", Flora fühlte sich sichtlich unbehaglich.
"Da steht was drauf! Und es ist die Handschrift des Professors!", der ältere Luke hatte den Zettel sofort unter die Lupe genommen.
Auch der kleine Luke wirft einen Blick auf den Zettel, "Lasst mich mal lesen... 'Geht ohne mich weiter. Ich bin bald wieder bei euch.' "

-----------------------------------------------------------

_Sylfaen_

Zerbrochene ErinnerungenWo Geschichten leben. Entdecke jetzt