Zurück im 'alten' London

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Ich wende mich an den älteren Luke, "Sag mal...", der ältere Luke sieht mich an, "sind wir uns schonmal irgendwo begegnet?"

Der Angesprochene macht kurz große Augen, bevor er sich wieder fängt, "Nein, also... in gewisser Weise schon.", schmunzelnd sieht er mich.
"Das... verwirrt mich jetzt.", gebe ich zu und der ältere Luke deutet auf sein jüngeres Ich.
"Oh, na klar. Ich verstehe."
Mich überkam das seltsame Gefühl, das er nicht gelogen hat. In Bezug auf den kleinen Luke schon, da hatte er gelogen. Aber nicht in der Tatsache, das wir uns schonmal begegnet sind.
Das hatte ich an seiner vorherigen Reaktion erkannt.

"Wann wurde denn eigentlich dieser Leuchtturm, der dort in der Themse steht, gebaut, Luke?", fragt der kleine Luke.
"Ich würde sagen, vor etwa fünf Jahren.", antwortet der ältere Luke.
"Hat sich denn niemand über diese merkwürdige Platzierung gewundert?", fragt Layton, "Es erscheint mir sinnlos, ein solches Gebäude mitten in der Themse zu errichten."
"Da haben Sie wohl recht, Professor. Aber leider ist mir diese Sache ebenso ein Rätsel wie Ihnen.", sagt der ältere Luke, "Wir können uns später noch über die Stadtgeschichte unterhalten. Aber nun müssen wir wirklich zum Uhrenladen."

Bevor wir unseren Weg zum Uhrenladen fortsetzen konnten, wurden wir abermals aufgehalten. Ein Gentleman namens Graham ist bestohlen worden. Und zwar hat ein Papagei ihm seine wertvollen Manschettenknöpfe abgenommen.
Dank der Zusammenarbeit des großen und des kleinen Luke, hatte der werte Herr bald seine geliebten Knöpfe wieder. Bei der Gelegenheit hatte sich der jüngere Luke auch gleich mit dem Papagei angefreundet.
Luke's Gabe, Tiere zu verstehen, habe ich schon immer bewundert. Er hat auch schon versucht es mir beizubringen, allerdings mit geringem Erfolg. Also habe ich es bleiben lassen.

Nun endlich wieder in der Flatstone Street angelangt, schlägt der ältere Luke vor, das wir nicht den normalen Weg nehmen sollten, sondern einen anderen.
"Nach Westen? Führt dieser Weg ebenfalls zur Midland Road?", fragt der jüngere Luke.
"Das tut er, und zwar in der Hälfte der Zeit.", bejaht der ältere Luke.
Also war das schonmal beschlossene Sache.
Wir kamen in einen kleinen Park, der im Anbetracht der Situation des zukünftigen Londons mit seiner beruhigenden Stille nicht recht in das Bild passen wollte. Es war sehr entspannend hier und ich wollte eigentlich hier bleiben, aber ebenfalls wie der Professor hatte ich etwas im London unserer Zeit zu tun.
"Die Midland Road befindet sich auf der anderen Seite des Tores.", kaum hatte der ältere Luke das gesagt, rannte der kleine Luke mit den Worten: "Ich renne vor und öffne es!" los.
"He! Das Tor ist verschlossen!", ruft der kleine Luke, nachdem er an dem Tor gerüttelt hat.
"Verschlossen?", fragt der große Luke ungläubig, "Das kann nicht sein. Tritt mal zur Seite, Luke. Ich kriege es schon auf."
Doch auch er konnte es nicht öffnen.
"Seltsam... Es ist tatsächlich verriegelt.", stellt er nachdenklich fest.
"Schaut mal, ihr zwei. Auf dem Tor ist ein merkwürdiges Zahlenschloss angebracht.", sagt Layton und der große Luke versucht sogleich es zu entschlüsseln.
Doch selbst als der große Luke das Rätsel gelöst hat, ließ sich die Tür noch immer nicht öffnen.
"Bevor wir noch mehr Zeit verlieren, wollen wir nicht versuchen, das Tor aufzustemmen? Es ist zwar nicht die feinste Art, aber die Zeit drängt.", sage ich.
"Gute Idee. Wir scheinen ohnehin wenig Alternativen zu haben.", stimmt der Professor dem Vorschlag zu.
"Nun gut. Seid ihr bereit? Alle zusammen! Achtung... Fertig... Los!", gibt der ältere Luke das Kommando und wir stemmen uns gegen die Tür.
Glücklicherweise bekamen wir sie auf.
Anscheinend nur um gleich darauf über den Körper eines am Boden liegenden Mannes zu stolpern.
Jedenfalls erging es mir so.
Doch bevor ich tatsächlich fallen konnte, packt der große Luke mich schnell am Arm und zieht mich an sich. Er hatte mir schon wieder geholfen.
Es fühlte sich so unfassbar vertraut an, in seinen Armen zu liegen und ich schließe für einen Moment die Augen.
"Hast du dich verletzt?"
Die Stimme des älteren Luke hatte mich wie durch einen langen Tunnel erreicht, er schien weit weg zu sein.
Als ich mir wieder ins Gedächtnis rief, dass er mich in seinen Armen hält, erwache ich aus meiner Trance.
"Ja... eh... nein. Alles in Ordnung. Ich bin nur ein wenig erschrocken.", lächele ich ihn entschuldigend an.
Es schien, als wollte er mich gar nicht loslassen, tat es dann aber doch.
"Und schon wieder habe ich jemanden verjagt.", seuftzt der Professor. Anscheinend sprach er von dem Herrn, welchen es gerade von den Füßen gefegt hatte, als wir das Tor aufgestemmt haben.
"Nehmen Sie es sich nicht so zu Herzen, Professor.", der ältere Luke scheint wieder voll da zu sein.
"Konzentrieren wir uns lieber darauf, zum Uhrenladen zu kommen. Wir sind gleich da."

Ja, diese Gegend kommt mir tatsächlich ziemlich vertraut vor.
Kurz darauf erreichen wir den Uhrenladen.
Der ältere Luke zeigte uns das geheime Klopfzeichen und wir konnten das Geschäft wieder betreten.
"Anscheinend ist niemand hier.", sagt der kleine Luke, nachdem er sich kurz umgesehen hat.
"Hi hi ho! Sieh mal einer an, wer wieder da ist!"
"Huch! Haben Sie mich vielleicht erschreckt!", Luke war beim Klang der Stimme von Hora, der Ladenbesitzerin, zusammengezuckt.
"Ich sehe, du hast das geheime Klopfzeichen gelernt, mein Lieber.", sagt Hora.
"Eigentlich war ich es, der geklopft hat, Hora. Ist Tickley hier?", fragt der ältere Luke.
"Ah, da bist du ja, Luke. Tickley ist im Hinterzimmer.", erzählt Hora und lässt uns vorbei.
"Oh, bist du etwa mit den Besitzern des Uhrenladens befreundet, Luke?", fragt der kleinere Luke, als wir ins Hinterzimmer gehen.
"Anscheinend habe ich es versäumt, es zu erwähnen. Ja, Hora und Tickley haben mir die ganze Zeit über geholfen.", sagt der ältere Luke und sein Mund verzieht sich zu einem schelmischen lächeln.

Ich folge dem Professor und unserem Luke, während der ältere Luke vorne bei Hora blieb.
Mir war gerade nicht nach reden, deshalb stelle ich mich zwar neben Layton und den kleinen Luke, aber ich sagte kein Wort.
Ich war noch am überlegen, ob ich, wenn wir im London der Gegenwart sind, wirklich zur Tat schreiten soll.
Tatsächlich schickte mich erst der bebende Boden zurück in die Realität.
Ich hatte wieder Druck auf den Ohren, nachdem das Beben abgeklungen war. Aber wenigstens war mir nicht wieder schwindelig.
Ganz im Gegensatz zu unserem Luke. Dem Kleinen scheint es gar nicht gut zu gehen.

Wir verlassen das Geschäft und befinden uns wieder in der Dunklen Gasse in Baldwin.
"Da beißt die Maus keinen Faden ab, Professor. Wir sind zurück in unserer Zeit!", sagt Luke sogleich.
"Ja, sieht ganz so aus.", sage ich überrascht. Ich hatte wirklich nicht erwartet, wieder hier zu sein.
"Die Umgebung hier kommt mir tatsächlich wieder vertraut vor.", bestätigt auch Layton.

"Warum wollen Sie denn nochmal zur Universität, Professor?", frage ich Layton.
"Nun ja, ich bereite mich auf das Treffen mit Inspektor Chelmey vor.", lächelt der Professor.
"Ach so.", ich sehe auf den Boden, "Professor?"
"Ja?"
"Könnte ich auf eigene Faust agieren?", frage ich und sehe den Professor an.
"Was hast du denn vor?", fragt dieser.
"Ich muss... nein, sagen wir, ich will mich noch einer Sache vergewissern. Und ich möchte dafür nicht noch mehr unserer knappen Zeit in Anspruch nehmen.", erkläre ich.
"Du betreibst also eigene Nachforschungen?", der Professor wurde kurz ernst, bevor sein lächeln zurückkehrt, "Na schön. Aber pass auf dich auf, ja?"
"Versprochen, Professor. Passt ihr beide auch auf euch auf.", lächele ich und renne los.
"Warte, Cheryl!"
Die Stimme des Professors ließ mich anhalten und ich drehe mich um, "Ja?"
"Wo treffen wir uns?"
"Ich werde im London der Zukunft im Hotel 'Duke' auf euch warten. Bis dann!"
Nun ließ ich mich nicht aufhalten und rannte schnell durch die Straßen Londons.

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_Sylfaen_

Zerbrochene ErinnerungenWo Geschichten leben. Entdecke jetzt