Erschöpft lasse ich mich auf mein Bett fallen. Wer ist denn bitte auf die Idee gekommen, bis fünf Uhr nachmittags Menschen in der Schule und in den letzten Stunden dann auch noch mit einer Klausur zu quälen? Und wieso schreibt man nach den Abiprüfungen überhaupt noch Klausuren? Der Gedanke, dass ich das jetzt alles hinter mir habe und nur noch die Zeit bis zum Abiball überstehen muss, macht mich dann aber doch stolz.
Ich taste nach meinen Kopfhörern, die ich heute morgen schon mit weiser Voraussicht auf meinen Nachttisch gelegt habe. Da ich mich aber genau verkehrt herum aufs Bett geworfen habe und sie deshalb logischerweise nicht sehen kann, was mir nebenbei bemerkt sehr häufig passiert, kriege ich, wie jedes Mal, diese Panik, dass sie jemand gestohlen haben muss. Alles endet dann damit, dass ich wie eine Irre mit meinen Armen durch die Gegend fuchtele. Wenn man halt auch zu faul ist, um sich umzudrehen...
Es kommt, wie es kommen musste: Durch ein Scheppern zucke ich zusammen. Super. Randnotiz an mich: Niemals mit dem Rücken zum Nachttisch nach den darauf liegenden Kopfhörern suchen. Genervt, dass ich mich so spät am Abend doch noch bewegen muss, drehe ich mich um. Wie zu erwarten war, kann ich meine Lampe am Boden ausmachen. Ich schaue erst gar nicht nach, ob sie den Sturz überlebt hat, sondern greife nach den ersehnten Kopfhörern, die ich mit der ganzen Fuchtelei auch fast runtergeworfen hätte.
Zufrieden suche ich nach einer bequemen Liegeposition um den restlichen, nicht mehr so langen Abend zu entspannen.
Nach zwei Stunden muss ich dann aber doch aufstehen, da sich mein Magen bemerkbar macht. Mit heißhungriger Erwartung öffne ich den Kühlschrank. Als ich die Hand nach meinem Lieblingsjoghurt ausstrecke, greift sie ins Leere. Fassungslos starre ich auf die freie Fläche. Kann man in diesem Haus überhaupt irgendwas für fünf Minuten aus den Augen lassen?
Frustriert schlage ich die Kühlschranktür zu und bestelle eine Pizza.
*****
Ich werde relativ unsanft von dem Nachrichtenton meines Handys geweckt. Kann man denn nicht mal am Wochenende ausschlafen? Im Halbschlaf taste ich nach dem Lichtschalter. Dass die Lampe immer noch unberührt auf dem Boden liegt, nehme ich mit einem Seufzen zur Kenntnis. Als ich sehe, wer mir geschrieben hat, schleicht sich ein Lächeln auf mein Gesicht und ich bin sofort wach.
Good morning my princess. I'll pick you up at 5. Das Herz am Ende lässt mein Lächeln noch breiter werden. Euphorisch stehe ich auf und öffne die Rollläden. Okay, ich habe doch länger geschlafen als gedacht. Die Sonne scheint direkt in mein Fenster, sodass ich vor dem hellen Licht die Augen zukneifen muss. Ein Blick auf die Uhr bestätigt mir, dass es ein Uhr mittags ist. Moment... Schon ein Uhr? Leicht panisch reiße ich meine Schlafzimmertüre auf und sprinte ins Bad, wo ich mir zuerst meine komplett zerzausten und schon leicht fettigen Haare ansehen muss. Hilfe...
Da bei mir aber vor dem Frühstück, das in diesem Fall zum Mittagessen wird, gar nichts geht, stecke ich sie mir einfach nur hoch und gehe in die Küche. Dort schmiere ich erstmal ein Brötchen mit viel Erdnussbutter und mache mir Kaffee. Nach meiner überaus leckeren Mahlzeit stelle ich mich vor den Kleiderschrank. Meine Entscheidung fällt auf mein neues blaues Kleid. Die passende Unterwäsche ist auch schnell gefunden und ich kann duschen gehen.
Einen langer Kampf mit meinen Haaren später, bin ich fertig. Ich betrachte mich noch einmal im Spiegel und ziehe die Haustüre hinter mir zu.
Kurz darauf werde ich in eine warme Umarmung gezogen. Shawn gibt mir einen Kuss auf die Stirn und sagt, nachdem er mich von oben nis unten genau inspiziert hat, mit einem großen Grinsen im Gesicht: "You look gorgeous, darling. Beautiful as always."
Obwohl wir uns schon seit zwei Jahren kennen, gehen ihm nie die Komplimente aus. Und ich weiß immer noch nicht, wie ich am Besten darauf reagieren soll. "You look amazing too", sage ich, während ich wahrscheinlich einer Tomate Konkurrenz machen könnte. Er sieht halt in seinem Hemd, bei dem er immer den obersten Knopf offen lässt, verboten gut aus. Aber auch selbst der schlichteste Pulli sieht bei ihm fabelhaft aus.
Und wieder einmal frage ich mich, womit ich ihn verdiene. Ich komme aber nicht dazu, mir weitere Gedanken zu machen, denn er nimmt meine Hand in Seine. Sofort steigt Wärme meinen Arm nach oben und es kribbelt angenehm. Nachdem er mir wie ein Gentleman die Autotür aufhält und mich einsteigen lässt, setzt er sich vors Steuer.
Dass er aber nicht den Weg in die Stadt anschlägt, sondern in eine Landstraße in die komplett andere Richtung einbiegt, überrascht mich nicht. Er hatte schon immer besondere Ideen, mit denen er mich jedes Mal staunen lässt.
Wenig später traue ich meinen Augen nicht: Er hilft mir aus dem Auto und ich befinde mich neben einer grünen und blühenden Wiese auf der eine überdimensionale Picknickdecke ausgebreitet ist auf der ich schon viel leckeres Essen entdecken kann. Unfähig etwas zu sagen, stehe ich da. Ich spüre wie sich Shawn's Arme von hinten um mich schlingen. Um die Stille, die gerade zwischen uns herrscht, weil ich einfach viel zu baff bin, zu beenden sagt er leise, aber so, dass ich es noch verstehen kann: "You don't have to say anything. Just follow me." Sein Atem kitzelt in meinem Nacken.
Er führt mich zur Decke und nun kann ich sehen, wie viel Mühe er sich gemacht haben muss. Schokoladiges aber auch Gesundes wie Erdbeeren hat er liebevoll dekoriert hingestellt. Ein wahres Festmahl liegt hier.
"Hungry?", fragt mein Freund, obwohl er mich schon lange kennt und weiß, dass ich immer Hunger habe. Wir setzen uns und erst jetzt fällt mir auf, dass die Wiese etwas höher gelegen ist und wir einen schönen Ausblick haben. Die Sonne steht schon tief und in der Ferne kann ich unsere Stadt erkennen.
Eine Weile genießen wir die Aussicht und das Essen. An Shawn gelehnt beobachte ich wie die Sonne immer tiefer wandert. Die Rottöne geben allem hier ein schönes Flair.
Neben mir spüre ich, wie sich mein Freund anspannt. "Are you okay?", frage ich besorgt. "Sure, honey." Irgendwie kann er mich damit nicht beruhigen. Seine Stimme klingt anders als sonst. Sie zittert ein wenig und er weicht meinem Blick aus. Seine Finger streichen über meinen Arm und ich betrachte seine Tattoos. Er atmet einmal tief durch und langsam überkommt mich die Panik. Was ist, wenn er mir sagt, dass er mich nicht mehr liebt?
Seine Stimme klingt wieder fester als er sagt: "Don't worry, baby. I'm okay." Sein Augen blicken in Meine. "I love you, (Y/N). You're so beautiful. Not just your looks but your character. You're the best that could ever happen to me", überfällt er mich mit Komplimenten. Ich spüre wie ich rot werde. Aber was er vorhat, weiß ich immer noch nicht. "There've been good and bad times. And we always managed to get through together." Er spielt auf die gefakten Fotos an. Ich erinnere mich nicht gerne daran zurück. An den Streit. "In the past two years you stole little by little my heart. So I think I stole yours." Er steht auf, nimmt meine Hand und führt mich ein paar Schritte weiter. Er zittert ein bisschen. Und ich bin immer noch geflasht und ahnungslos. Die Sonne ist mittlerweile untergegangen. So stehe ich Hand in Hand mit meinem Freund unter einem fantastischen Sternenhimmel. Beeindruckt schaue ich nach oben und dann in seine Augen. "It took me long to find something to show you how much I love you. Look at the stars, count them. That's how much I love you." Ich bin einfach nur baff. Die Sterne zu zählen wäre unmöglich. Der ganze Himmel ist voll von ihnen. Er gibt mir aber nicht die Zeit weiter darüber nachzudenken. Seine Stimme zittert gar nicht mehr. "Ich liebe dich." Ein großes Lächeln ziert mein Gesicht, als er mir auf meiner Muttersprache noch einmal seine Liebe gesteht. Ich würde es am liebsten auch tun, aber meine Stimme versagt. Kein Wort kommt aus meinem Mund. Shawn drückt mir einen Kuss auf die Stirn. "Don't say anything. Later." Nach einem kurzen Durchatmen fährt er fort: "I'm glad to call you my girl. My girl who's always hungry." Er grinst. "My girl who's herself all the time, always funny. My girl who doesn't know how beautiful she is. My girl with her deep brown eyes and the most beautiful smile I've ever seen. But..." Ich halte die Luft an. "But being your boyfriend isn't enough for me. I don't want to be your boyfriend anymore." Was? "I want to be your husband. Willst du mich heiraten?" Ich sehe überrascht und überglücklich zu ihm herunter. Ich habe gar nicht gemerkt, dass er sich hingekniet hat. Mein Lächeln ist so breit wie nie. Seines auch. Ich beachte gar nicht den funkelnden Ring sondern nur sein Gesicht. "Ja", schaffe ich gerade noch zu sagen, bevor meine Stimme bricht. Ich spüre die Tränen, aber bevor sie mein Gesicht herunterlaufen können werden sie von ihm weggewischt. Er zieht mich zu sich heran, um mich zu küssen...
DU LIEST GERADE
Shawn Mendes Imagines
FanfictionIch denke, der Titel sagt alles... *Dialoge auf Englisch*
