17.

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Der Regen trommelt gleichmäßig gegen das Dach und erzeugt seinen unverkennbaren Rhythmus. Ich wickele mich fester in meine Decke, einschlafen kann ich jetzt aber nicht mehr.

Ohne die Augen zu öffnen taste ich links von mir nach Shawn, spüre aber nur blanke Matratze, die den Großteil ihrer Wärme längst abgegeben hat.

Ich schlage verwirrt die Augen auf um mich zu vergewissern, dass er dennoch neben mir liegt.

Die Decke ist zurückgeschoben. Nur die Matratze strahlt mir entgegen. Das Bett ist leer. Ich reibe mir die Augen.

Mein Wecker zeigt 8:32 Uhr an.

Abgesehen von dem Regen dringen weitere Geräusche in mein Ohr, die ich zuvor nicht gehört habe. Leider bin ich zu müde, um sie zuzuordnen und zu wach, um noch einmal einzuschlafen.

Ich strecke mich ausgiebig, bevor ich meine Füße aus der Decke strecke und mich aufsetze. Eine leichte Gänsehaut zieht sich über meinen Körper, dem Temperaturunterschied zwischen Bett und Schlafzimmer verschuldet.

Ich fische das nächstbeste Kleidungsstück vom Boden, das ich als Hoodie identifizieren kann. Ich kann mich gar nicht erinnern, ihn auf den Boden geworfen zu haben.

Nach zehn Schritten mit blanken Füßen über den kalten Boden, bin ich am Schrank angekommen, aus dem ich mir eine Jogginghose herausziehe und mir überziehe.

Warme Socken habe ich auch schnell gefunden und angezogen.

Im Rausgehen nehme ich mein Haargummi mit, um mir meine Haare wenigstens irgendwie nach hinten zu binden.

Als ich die Türe wieder hinter mir schließe, kann ich nun deutlich die Geräusche erkennen.

Leise trete ich über den Flur und mache an der Tür zum Wohnzimmer Halt. Durch die offene Tür dringt leise Musik in meine Ohren. Ein weiteres Geräusch erregt meine Aufmerksamkeit und lässt mich neugierig werden.

Bedacht die beiden nicht zu stören, lehne ich mich an den Türrahmen.

Ich kann nicht anders als zu lächeln, als ich die beiden sehe. Shawn singt leise zu den Liedern, die aus dem Radio klingen, während er unseren Sohn in seinen Armen auf und ab wippt. Dieser lacht vergnügt und versucht auf seine Weise mitzusingen, was sich einfach süß anhört, da er die Texte nicht kennt und deshalb einfach vor sich hin nuschelt.

Als eines von Shawns Liedern gespielt wird, dreht er das Radio ein wenig lauter. "This is your dad's song. Cool, isn't it?", erklärt er begeistert. Elijah jedoch zeigt wenig Interesse an der Musik seines Vaters sondern beschäftigt sich lieber mit den Bendeln an dessen Hoodie.

"Come on", Shawn wirkt ein wenig eingeschnappt und zieht eine Schnute. Wieder keine Reaktion von seinem Sohn. Dieser schenkt seine volle Aufmerksamkeit weiterhin den Bendeln. Shawn zieht diese aus den kleinen Händen und richtet seine Kapuze wieder, die durch das Ziehen unseres Sohnes in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Er geht in Richtung Küche, weiterhin Elijah in seinen Armen haltend. Ich folge den beiden auf leisen Sohlen, nachdem sie um die Ecke verschwunden sind.

Als ich vorsichtig in die Küche linse, sehe ich Shawn einen Schokonikolaus aus dem Schrank holen. "Schh...", er hält einen Finger an seinen Mund, als unser Sohn fröhlich quietschend seine kurzen Arme danach ausstreckt, "We don't wanna wake up mommy, do we?" Der Kleine ist schüttelt sofort den Kopf und ist still.

Shawn drückt Elijah einen Kuss auf die Stirn, bevor er ihn absetzt, die Verpackung öffnet und ihm die Schokolade in die Hand gibt. "Don't eat everything, we're gonna eat breakfast later, when mommy's up, okay?"

Sein Satz scheint nicht wirklich bei unserem Sohn angekommen zu sein. Er stopft sich genüsslich Bissen für Bissen die Schokolade in den Mund. Shawn beobachtet ihn aufmerksam und kniet sich zu Elijah um das restliche Plastik von der Schokolade zu entfernen, damit dieser es nicht verschlucken kann.

Er dreht sich für einen kurzen Moment weg, um das Plastik in dem Müll zu werfen. Genau in diesem Augenblick schmiert sich Elijah die Hälfte der Schokolade ins Gesicht. Ich halte mir die Hand vor den Mund um mich nicht mit meinem Lachen zu verraten. "Oh no..." Shawn hat sich mittlerweile wieder umgedreht und sieht zu Elijah hinab, der ihn ganz unschuldig mit großen Augen anschaut.

Er nimmt ihm die übrig gebliebene, halb verlaufene Schokolade aus der Hand und legt sie neben die Spüle. Danach hebt er vorsichtig unseren Sohn hoch, um ihn auf die Anrichte zu setzen und mit einem Seufzer das Ausmaß des Schlamassels festzustellen. Mit einer Hand Elijah weiterhin festhaltend, hält er ein Tuch unter den Wasserhahn, mit dem er die Schokolade aus Elijahs Gesicht wischt.

Diesem scheint das ganze sichtlich zu gefallen. Man könnte fast meinen, dass er aus purer Absicht gehandelt hat; so, wie er verschmitzt grinsend dasitzt. Nach wenigen Minuten ist die Schokolade abgewischt und Shawn erkennbar völlig fertig. Seine Vaterrolle, in die er schnell hineingewachsen war, überfordert ihn selbst nach zwei Jahren immer noch häufig. Dennoch stellt er sich den Herausforderungen und lernt aus seinen Fehlern und würde nie auf die Idee kommen, sich aus der Sache zurückzuziehen und mich die Arbeit erledigen lassen. 

Dafür hat er unseren Sohn viel zu gern.

"Mommy." Elijahs Blick fällt auf mich. Sogleich streckt er seine Arme nach mir aus und strahlt glücklich. Shawn dreht sich nun auch um. "Y/N...", er klingt überrascht und ein wenig ertappt, "I didn't want to wake you up. You've always been the one of us who got up in the middle of the night."

Er küsst mich sanft auf die Stirn und nimmt mich in den Arm. Elijah beginnt in seinen Armen zu strampeln, da er nun nicht mehr Shawn ungeteilte Aufmerksamkeit genießt. Dieser wirft mir einen Blick zu und wir grinsen uns an. "I think he wants his mommy." Er übergibt mir unseren Sohn, der in meinen Armen sofort friedlich wird und sich an mich kuschelt.

"How do you do that every time?", fragt Shawn ein wenig beleidigt. Ich zucke daraufhin mit den Schultern: "Don't be offended, you haven't carried him around for eight months. But still, he likes you too, don't worry."

"I'm gonna make breakfast since you're awake now, too",  teilt mir Shawn mit, während er sich daran macht, alles vorzubereiten und auf den Tisch zu stellen; jedoch nicht ohne Elijah zuvor ein wenig zu kitzeln und mir einen richtigen Kuss zu geben.

Ich hatte bei diesem Kapitel Realinspiration. Es war einfach nur knuffig. Eigentlich wollte ich das Kapitel schon früher hochladen, aber ich hatte einfach nicht die Kreativität, das, was in meinem Kopf rumgespukt ist, in einen ordentlichen Text zu verfassen. Falls das Ende ein wenig hingeklatscht wirkt, das ist es auch, sorry. Aber ich wollte das 5k Dankeschön-Kapitel endlich hochladen. 


Shawn Mendes ImaginesWo Geschichten leben. Entdecke jetzt