Elizas Sicht
Nervosität sitzt mir seit einigen Tagen in den Knochen, denn jetzt geht es ans Eingemachte. Das erste Praktikum in einem Krankenhaus wartet auf mich und ich habe verdammt nochmal Schiss. Zum ersten Mal muss ich auf das Wissen zugreifen können, dass ich mir in den letzten zwei Jahren an der Medical School angeeignet habe. Ab heute werde ich zum ersten Mal mit echten Patienten arbeiten und das macht mir eine Heidenangst. Auch, wenn wir einen Betreuer bekommen, der für uns verantwortlich sein wird, lastet auch auf uns eine große Verantwortung. Es geht immerhin um Menschenleben, die in unserer Hand liegen. Ich weiß, dass ich das vorher gewusst habe, aber jetzt zu wissen, dass die wirkliche Arbeit losgeht, ist doch nochmal eine ganz andere Hausnummer.
Ich steige aus meinem Cabriolet, bevor ich abschließe und meinen schwarzen Lederrucksack auf meinen Rücken schwinge. Der Parkplatz ist rappelvoll und ich bin froh, dass ich ausnahmsweise mal früher losgefahren bin, damit ich definitiv pünktlich ankommen werde, egal was sich im Verkehr oder sonst irgendwo ereignen sollte.
Ich muss und werde einen guten Eindruck machen. Meine Eltern zählen auf mich und ich will sie nicht enttäuschen. Mein Dad leitet seit mehr als zehn Jahren dieses Lehrkrankenhaus, das mit der Uni kooperiert. Allein deshalb will ich beweisen, dass ich nicht nur hier bin, weil mein Vater der Krankenhausdirektor ist. Ich bin mir bewusst, dass solche Bemerkungen mit Sicherheit auf mich zukommen werden.
Ich laufe zum Eingang und mache mich auf den Weg zur Rezeption.
Sobald die Leute vor mir aus der Schlange verschwinden, lächle ich Rosa, eine gute Freundin meines Vaters an.
»Hey, Schätzchen. Da bist du ja. Bist du bereit für deinen ersten Tag?«, begrüßt sie mich und ich lache leicht, ehe ich nicke.
»Ich bin bereit, aber ich könnte mir vor Angst auch in die Hosen machen«, sage ich und zucke mit den Schultern.
»Ich glaube, du bist nicht die Einzige. Ein Mädchen hat vorhin schon geweint. Unglaublich, wie groß die Belastung für manche ist«, sagt sie und ich nicke leicht. »Du kannst hoch in den letzten Stock fahren. Ihr werdet in den Konferenzräumen erwartet. Ich glaube, dein Vater wird auch dazu kommen«, sagt sie und ich nicke.
»Okay, danke. Ich wünsche dir einen schönen Tag, Rosa«, verabschiede ich mich mit einem kleinen Lächeln, bevor ich mich auf den Weg zum Fahrstuhl mache.
Ich hoffe, mein Vater hält sich an die Abmachung, dass wir uns im Krankenhaus professionell verhalten werden. Er kann sehr beschützend sein, aber vor meinen Vorgesetzten und Kollegen muss das wirklich nicht sein. Ich bin vierundzwanzig Jahre alt und definitiv kein kleines Kind mehr. Ich liebe ihn und Mom sehr, aber ich bin eine erwachsene Frau und kann tun und lassen, was ich möchte.
Mit dem Beginn der Medical School bin ich von Zuhause in eine eigene Wohnung gezogen, die meine Eltern finanziell unterstützen. Ich bin mir deutlich bewusst, dass ich damit sehr viel Glück habe und dass es nicht jedem so ergeht, weshalb ich ihnen sehr dankbar bin, dass sie mich im Studium so sehr unterstützen. Zuhause fiel mir irgendwann einfach die Decke auf den Kopf und sobald ich nur daran gedacht hatte auszugehen, hat mein Dad mich versucht mich irgendetwas Anderem abzulenken. Gut, dass Mom der Ruhepol unserer Familie ist und mir immer ein bisschen Freilauf verschaffen und Dad zurückgepfiffen hat. Ich glaube der Puls meines Dads schießt sofort ins Unermessliche, wenn er nur daran denkt, dass ich mit einem Mann Sex haben könnte.
Ich schüttele den Kopf, ehe sich die Türen des Fahrstuhls gerade schließen wollen, als sich eine weitere Gruppe an Menschen hereinquetschen. Ich trete einen Schritt zurück, damit alle genug Platz haben und ich nicht vollends zerquetscht werde. Endlich setzt sich der Fahrstuhl in Bewegung und ich atme tief ein und aus, als ich ein Kichern neben mir wahrnehme.
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The Secret I Hide
ChickLitWilliam ist der Älteste der Morrison-Geschwister und arbeitet als Oberarzt in einem Krankenhaus in San Francisco. Seine Arbeit spannt ihn viel ein, sodass für eine Frau gar keine Zeit übrig bleibt. Als Eliza jedoch in sein Leben stolpert, beginnt er...
