Elizas Sicht
Träge lasse ich mich nach der Arbeit in meinem Auto fallen. Es fühlt sich merkwürdig an, dieses Mal allein im Auto zu sitzen und nicht mit Will gemeinsam zu fahren.
In den letzten Wochen hat er sich immer mehr in mein Herz geschlichen und jetzt wo wieder Funkstille zwischen uns herrscht, fehlt er mir sehr. Zwar sehe ich ihn bei der Arbeit und auch sonst müssen wir leider verdrängen, was zwischen uns passiert ist und vor allem – was er sich vergangenen Samstag auf der Taufe geleistet hat.
Ich habe versucht Nick von mir zu drängen, weil ich seine Art erstens von Beginn merkwürdig fand und der Grapscher absolut daneben war. Ich hasse derart aufdringliche Männer und mal ehrlich – wer versucht es bitteschön eine Frau auf einer Taufe aufzureißen?
Quinn hat mir danach zwar gesagt, dass Will mit Sicherheit nur zu viel getrunken hat und seine Nerven mit ihm durchgegangen sind, doch das ist mir egal. Er hat mich vor versammelter Mannschaft bloßgestellt und mich wie ein kleines Kind behandelt. Das, was das größte Problem zwischen uns darstellt, weil wir beide es zu einem Hindernis hochgeschaukelt haben, hat er gegen mich verwendet.
Mittlerweile ist es mir egal, wie alt wir beide sind. Er hat es trotzdem geschafft, mein Herz für sich zu gewinnen, weil ich weiß, dass auch er ein weiches Herz hat und sich nicht immer wie dieses Arschloch benimmt. Die Schichten mit ihm sind glücklicherweise bisher ohne Probleme verlaufen, aber das könnte auch daran liegen, dass ich ihn außerhalb der Untersuchungen nicht ansehe oder auch nur mit ihm spreche. Innerlich bin ich so geladen und könnte jeden Moment explodieren, doch das wäre im Krankenhaus vielleicht keine gute Idee.
Ich bin nach wie vor der Überzeugung, dass keiner von uns erfahren sollte, solange bis mein Praktikum bei ihm vorüber ist. Aber vielleicht sollte ich aufhören mir Hoffnungen zu machen, denn so wie es gerade aussieht, scheint es nicht so als würde aus uns noch einmal etwas werden.
Ich zucke zusammen, als jemand gegen meine Scheiben klopft und mich aus meinen Gedanken reißt. Ich fasse mir an die Brust und mein Puls geht deutlich schneller, weil ich mich zu Tode erschrocken habe.
Ich blicke Kyle an, der gerade dabei ist mich auszulachen, ehe ich das Fenster herunterfahre und ihm einen Blick schenke, der hoffentlich wütend genug aussieht. Das Zucken seiner Mundwinkel verrät mir jedoch, dass ich nur wenig Erfolg damit habe.
»Hast du Lust was Essen zu gehen?«, fragt er mich und ich sehe ihn überrascht an. »Geht auf mich«, schiebt er hinterher und grinst mich an.
»Klar, bist du zu Fuß?«
»Jap. Du müsstest mich nachher nur nach Hause bringen«, sagt er und ich lache leicht, ehe ich die Zentralverriegelung aufhebe. Er öffnet die Tür, schmeißt seinen Rucksack auf den Rücksitz meines Wagens und schwingt sich dann auf den Beifahrersitz. Er muss die Position des Sitzes erst einmal verändern, weil vorher Will dort immer gesessen hat. Kyle ist im Gegensatz zu Will nur ein wenig größer wie ich, was ich bisher immer belächelt habe.
Generell sind die beiden ganz anders. Will ist groß und gut gebaut. Seine Muskeln zeigen sich bei jeder Bewegung, die er macht. Kyle ist ebenfalls trainiert, wirkt jedoch durch seine Größe nicht so stark wie Will – und das meine ich, ohne ihn schlecht machen zu wollen. Kyle ist attraktiv, aber ganz einfach nicht mein Typ.
Er zieht die Tür zu und ich parke aus. Mit langsamen Tempo fahre ich vom Parkplatz und muss auf einige Autos warten, ehe mir jemand am Haupteingang des Krankenhauses auffällt.
Will.
Sein Blick und geradewegs auf meinen Wagen ausgerichtet und so grimmig wie seine Miene schon wieder ist, bestärkt sich das Gefühl in mir, dass er ganz genau erkannt hat, dass Kyle neben mir sitzt. Ich weiß genau, was er jetzt denkt, jedoch kann ich daran nichts ändern.
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The Secret I Hide
ChickLitWilliam ist der Älteste der Morrison-Geschwister und arbeitet als Oberarzt in einem Krankenhaus in San Francisco. Seine Arbeit spannt ihn viel ein, sodass für eine Frau gar keine Zeit übrig bleibt. Als Eliza jedoch in sein Leben stolpert, beginnt er...
