Elizas Sicht
Meine zweite Schicht und ich bin vollkommen durch den Wind. Das ist nicht zuletzt Wills Schuld, denn der hat mich heute Morgen halbnackt in der Umkleidekabine erwartet. Es ist nicht so, dass ich ihn beobachtet habe und er sich plötzlich zu mir gedreht hat, sondern ich bin im wahrsten Sinne des Wortes zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen.
Keine Ahnung, was er jetzt über mich denkt oder ob er denkt, dass ich ihn absichtlich angestarrt habe – das habe ich natürlich nicht.
Ich weiß einfach nicht, was ich bezüglich dieser Situation unternehmen soll. Ich traue mich nicht einmal mit meiner besten Freundin Zoey über dieses Schlamassel zu reden, weil ich Angst habe, dass sie es irgendwann ihren Eltern gegenüber erwähnen könnte und die würden es dann meinen Eltern erzählen. Zudem bin ich mir sicher, dass Zoeys Vater William ebenfalls kennen müsste, denn dieser ist im Verwaltungsrat des Krankenhauses tätig und wird ziemlich sicher wissen, dass er mein betreuender Arzt ist. Es ist nicht so, dass ich meiner besten Freundin nicht traue, aber manchmal kann sie die größten Geheimnisse ganz nebenbei erzählen, ohne auch nur zu bemerken, was sie gerade ausgeplaudert hat.
Ich klopfe an die Tür von Wills Büro, in das er sich seit Schichtbeginn verkrochen hat, während ich mir die Berichte der Nachtschicht durchgelesen habe, um auf dem neuesten Stand zu sein. Seit fünf Minuten sitzt ein sechszehn-jähriges Mädchen mit ihrer Freundin in Behandlungszimmer 3 und ich weiß nicht wieso, aber mich beschleicht das Gefühl, dass Angelegenheit dringlich ist.
»Herein!«
Ich atme kurz ein und aus, ehe ich die Klinke herunterdrücke und meinen Kopf durch die Tür stecke.
»Ein Patient verlangt nach dir«, sage ich und er nickt, ehe er aufspringt und mir entgegenläuft.
»Irre ich mich oder hatten wir nicht eigentlich erst nach acht Uhr Termine?«
»Sie hat sich unten in der Notaufnahme gemeldet und wurde dann hierher geschickt. Sie wirkt ein wenig eingeschüchtert und hat nur ihre Freundin dabei. Vielleicht sollten wir ihre Eltern anrufen?«
»Wie alt ist sie denn?«
»Sechzehn Jahre«, erwidere ich und er nickt, bevor er seinen Kopf schüttelt.
»Wir dürfen ab vierzehn ohne Einverständnis der Eltern behandeln. Wenn sie ohne ihre Eltern kommt, hat das meist einen Grund«, sagt er und ich nicke.
Gemeinsam laufen wir zum Behandlungsraum, wo sich die beiden Mädchen befinden.
»Hallo. Ich bin Dr. Morrison. Ich habe gehört, Cleo braucht meine Hilfe«, fragt er charmant und lässt sich auf seinem Stuhl fallen, bevor er in die Nähe der Behandlungsliege rollt. Ich glaube kaum, dass die beiden Mädchen gerade so einen Humor gebrauchen können, mische mich jedoch nicht ein.
»Ich... Ich... «, beginnt sie unsicher und Will setzt sich kerzengerade hin und sieht sie abwartend an. »Ist auch eine Ärztin anwesend?«, fragt sie und sieht mich ein wenig hoffnungsvoll an, doch ich schüttele leicht den Kopf.
»Ms. Kingsley ist meine Praktikantin. Vertrau mir Cleo. Ich mache meinen Job auch hervorragend. Du kannst ruhig erzählen, was los ist. Ich darf niemandem etwas sagen«, teilt er ihr mit und sie sieht ihn mit großen Augen an.
»Ich hatte... Also...«
»Sie hatte heute Nacht mit einem Junge ihr erstes Mal, aber sie haben nicht verhütet«, mischt sich ihre Freundin nun ein, als Cleo nichts sagt.
Will nickt bloß.
»Und jetzt möchtet ihr, dass ich was tue?«
»Ich brauche dringend die Pille danach, aber ich vertrage diese Dinger nicht. Ich bekomme immer Ausschlag und deswegen wollte ich fragen, ob Sie mir nicht anders helfen können«, sagt sie leise. Die Arme tut mir schrecklich leid. Die Situation muss ihr sicherlich nicht leicht fallen und ich kann verstehen, dass sie lieber von einer Frau behandelt werden würde.
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The Secret I Hide
ChickLitWilliam ist der Älteste der Morrison-Geschwister und arbeitet als Oberarzt in einem Krankenhaus in San Francisco. Seine Arbeit spannt ihn viel ein, sodass für eine Frau gar keine Zeit übrig bleibt. Als Eliza jedoch in sein Leben stolpert, beginnt er...
