„Mhm. Das schmeckt." Kennedy nahm sich die Schale mit dem Joghurt und den Früchten. Damit setzte er sich auf den Stuhl neben mein Bett, auf dem meine Mutter zwei mal am Tag Platz nahm. Um mir morgens etwas Zeit zu schenken und Abends, bevor sie zu Bett ging. Eigentlich weinte sie nur, wenn sie dachte ich schlief.
Kennedy löffelte und legte gemütlich seine Beine auf meinem Bett ab. Schmatzend leckte er auch den letzten Rest vom Löffel ab. Warum starrte ich ihn dabei so fasziniert an? Ich blickte zu meinen nackten Füßen, um sein Gesicht nicht länger anzusehen.
„Ich hoffe Du erstickst daran", kam es gehässig von meiner Seite des Zimmers.
„Ach, ich denke den verkrafte ich. Wie sieht's denn mit dem Toast aus? Ist der genießbar?" Nun nahm er sich auch noch meinen Roggenvollkorn Toast mit dem Ei Benedikt! Sollst du in der Hölle schmoren, Kennedy!
Der Tag wollte heute einfach nicht vergehen. Es war mittlerweile schon Mittag und noch immer hatte ich nichts gegessen. Kennedy würde die Wette nicht gewinnen. Ich hatte einen Willen aus Stahl.
„Hey, Kumpel. Na? Schon Hunger?" Er kam herein und nahm das Tablett mit dem Mittagessen von meinem Schoß, dass Julia mir ohne ein Wort gebracht hatte. „Oh mein Gott. Ich liebe Hackbraten. Mhm. Und Götterspeise!" Wieder setzte er sich zu mir und begann tatsächlich mein Essen in sich rein zu schlingen. Das Schmatzen und genüsslich die Augen verdrehen, ließ mich kalt. Nur der Ärger staute sich. Er dachte echt dass er mich damit Hungrig machen könnte!
„Weißt du, ich stand schon immer auf Himbeerwackelpudding. Und dann noch mit Vanillesoße. Heute ist echt mein Glückstag, hm?"
Er sah mich unablässig an und aß meinen Pudding. Dabei erwischte ich mich ständig wie ich ihm auf den Mund starrte. Dies machte mich wütend und ich sah ihn boshaft an. Er sollte verschwinden!
„Warum verpisst du dich nicht endlich? Friss doch in der Küche! Im Dienstbotenbereich, wo du hingehörst!"
Er blieb jedoch sitzen und aß genüsslich weiter und das ohne eine Mine zu verziehen. Als wäre ich Luft!
Der Abend kam und Mom saß neben mir, als das Abendessen kam. Julia stellte es auf mein Bett und drehte sich auf dem Fuße um und ging. Sie sprach nicht mehr mit mir.
„Und? Was hast du heute alles schönes gemacht? Wie verstehst du dich mit Kennedy? Er ist ein netter junger Mann. Sicher-"
„Mom! Bitte, lass mich in Ruhe mit dem Typen! Der macht rein garnichts! Er sitzt hier und frisst mein Essen!"
Meine Mutter seufzte und schüttelte den Kopf. „Theodore. Bitte. Versuch doch wenigstens mit zu machen. Die Ärzte sagen-"
„Ich scheiße darauf was die sagen! Ich werde mein lebenslang hier sitzen! Egal ob ich diesen Sport mache oder nicht!"
„Du bist so ein störrischer Junge. Warum willst du denn nicht verstehen, dass wir dir nur helfen wollen, mit der Situation umzugehen? Dein Vater und ich, wir lieben dich."
„Ja. So sehr, dass ihr mich in ein Pflegeheim stecken wollt!", schrie ich aus vollem Halse. Und gerade als meine Mutter etwas erwidern wollte kam Kennedy ins Zimmer.
„Bist du fertig mit essen?", fragte er. Warum kam es mir so vor, als wäre er extra ins Zimmer gekommen, um mir aus dieser Situation zu helfen?
„Also, dann iss erst mal etwas. Ich komme später noch mal zu dir. Dann sprechen wir über alles, mein Schatz." Sie stand auf, lächelte Kennedy kurz an und stöckelte davon.
„Ich habe jetzt keine Lust auf deine Spielchen. Lass mich alleine." Ich war müde und wollte mich mit keinem mehr auseinandersetzen.
„Weißt du, wenn du nur die Menschen vor den Kopf stößt, musst du dich echt nicht wundern, wenn du eines Tages allein' bist."
Was quatschte der da?
„Was denkst du eigentlich wer du bist? Du kommst in mein Zuhause und willst mir erklären wie ich mit meiner Familie umzugehen habe? Du machst nicht mal deinen Job richtig!"
„Du kannst mich nicht treffen mit deinen Worten, und deshalb wirst du laut. Du bist innerlich so zerfressen, dass du deine Launen an allen anderen auslässt. Weißt du Theodore. Sie werden sich das nicht immer von dir gefallen lassen. Glaub mir. Ich kenne das."
Ich konnte ihm nicht länger in die Augen schauen. Also sah ich mal wieder auf meine nackten Füße. „Lass mich alleine. Bitte." Ich starrte so lange zu meinen Füßen, bis ich die Tür hörte. Er war tatsächlich gegangen.
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Six reasons to live
Fiksi Remaja„Ich werde dir sechs Gründe zeigen ... für die es sich zu leben lohnt, Theodore." Theodore Janson ist Wettkampfschwimmer. Seit er denken kann, liebt er das Wasser. Als beliebtester Schüler der Highschool, lebt er ein unbeschwertes Leben. Bis zu jene...