PoV Angel
Ich drehe mich nochmal um, und sehe, wie er sich vergewissert, dass ich auch wirklich am Haus ankomme und erst als ich mit halben Fuß im Haus stehe, fährt er los. Nachdenklich beobachte ich die roten Rücklichter des Autos bis sie verschwinden und gehe dann ganz rein.
***
Den kalten Sand unter meinen Füßen spürend, starrte ich auf das dunkle Meer vor mir. Wellen versuchten sich gegenseitig in der Menge des Wassers, welches sie an Land spülten, zu übertrumpfen. Mein Blick galt der Ferne und meine Gedanken waren bei meinen Brüdern. Obwohl ich es wohl niemals laut zugegeben hätte, war mir klar, wie sehr ich die Jungs vermisste. Ich vermisste es, mit ihnen zu kochen, mich in ihre Betten zu kuscheln und selbst die verhassten Familienausflüge fing ich an zu vermissen.
Wenn ich ganz ehrlich mit mir war, musste ich zugeben, dass ich die Jungs wieder zurück wollte, wieder bei mir und das selbst nach alldem wie sie mich verlassen und zurückgelassen haben.
Ich schüttelte leicht meinen Kopf, obwohl ich wusste, dass ich dadurch nicht meine Gedanken verscheuchen würde. Im Versuch mich abzulenken, dachte ich an den gestrigen Tag und an Gray. Zugeben musste ich schon, dass er etwas an sich hatte, was ihn sehr interessant wirken ließ und schlecht aussehend war er definitiv nicht.
Selbst nicht genau wissend, warum ich es tat, nahm ich mein Handy in die Hand, suchte nach Grays Kontakt und rief ihn kurzerhand an. Es tutete nicht lang bis sich seine raue Stimme meldete: "Hallo?"
"Na du, was machst du so?"
"Angel? Es ist fast nachts, was ist passiert? Warum rufst du an?" Seine Stimme klang besorgt, was mich zum Lachen brachte. "Du musst dir doch um mich keine Sorgen machen, alles gut."
"Mhh" Er klang absolut nicht überzeugt und ich lenkte vom Thema ab: "Magst du herkommen? Ich bin am Strand."
Mit einem komischen Unterton, fragte er mich: "Bist du allein?" Ich konnte seinen Unterton nicht ganz deuten und so ging ich einfach davon aus, es sei nicht wichtig "Jap, alsoooo lässt du mich hier weiter alleine?"
"Warte eine Minute, ich hole dich ab, da laufen komische Leute rum, sei vorsichtig" Er wartete eine Antwort von mir gar nicht ab, stattdessen hörte ich nur das alt bekannte Tuten, wie immer wenn die Leitung tot ist und nahm mein Handy vom Ohr weg.
Was meinte er mit dem Satz, dass hier komische Leute rumliefen? Ich war hier sofern ich das im Dunklen erkennen konnte recht alleine. Tja, dann musste ich wohl die komische Person hier sein, wäre auch nichts Neues.
***
"Angel, heyy" Ich schreckte durch die leise und sehr besorgt klingende Stimme neben mir hoch. Gray kniete neben mir und als ich in seine Augen sah, schien sein Blick fast weich, so dass ich mich beinahe in seinen Augen verlor. Zärtlich strich er mir ein paar Haare aus meinem Gesicht und ein leichtes Lächeln umspielte seine Lippen. Auch meine Mundwinkel zogen sich hoch und formten ein Lächeln.
"Du bist ja schon hier?" Meine Stimme war rau und ich räusperte mich. Erst jetzt wurde mir richtig klar, dass ich auf dem kalten Sand lag. War ich echt am Strand eingeschlafen? Die Situation kam mir ja bekannt vor.
Ein leises Lachen unterbrach meinen Gedankengang. "Schon. Du bist gut. Ich habe dich die letzte Stunde lang gesucht. Deine Ortsangabe Strand war nicht so genau und dann hast du nicht mal mehr auf meine Anrufe reagiert."
"Oh ups" Ich setzte mich langsam auf und auch Gray setze sich neben mich. Eine längere Zeit war es zwischen uns still, wir beide hatten nicht wirklich etwas zu sagen, aber es war definitiv kein unangenehme Stille zwischen uns. Eher war es so, dass wir beide nachdachten und die Gesellschaft trotz des nicht vorhandenen Gesprächs genossen.
Es wurde windig und ein Schauer überzog meinen Körper. Gray, der so dicht neben mir saß, dass unsere Arme sich berührten, sah wie eine Gänsehaut meine nackten Arme überzog und weiter schweigend zog er seinen Pulli aus und drückte ihn mir in die Hand.
Ich blickte erst auf den Pulli in meinen Händen, dann schaute ich zu ihm hoch. Unsere Blicke trafen sich und leise flüsterte ich "Danke", wobei man das durch den immer lauter rauschenden Wind wohl kaum verstand.
"Soll ich der Prinzessin jetzt auch noch helfen, den Pulli überzuziehen?" Belustigt schaute er auf seinen schwarzen Pulli, den ich immer noch festhielt, seit Gray ihn mir in die Hände gedrückt hatte. Ich lachte leicht, streifte den Pulli über und konnte es dabei nicht lassen, einmal tief einzuatmen. Der Pulli hatte den männlichen Geruch Grays angenommen und ich konnte den angenehmen Duft seines Parfums riechen.
Mir war sein Pulli natürlich um einiges zu groß, so dass selbst meine Hände in den langen Ärmeln verschwanden und der Pulli schon die Hälfte meiner Oberschenkel überdeckte. Als ich wieder zu dem Jungen neben mir sah, lächelte er mich an.
Fast traurig wurde ich, als er seinen Blick abwandte um in den Himmel zu starren. Kurz betrachtete ich ihn noch weiter so, bis ich seinem Blick folgte und nun ebenfalls die dunklen Wolken über uns sah.
"Sieht nach Regen aus" stellte Gray fest und kaum sprach er diese Worte aus, fing es schon an zu nieseln und aus den kleinen Tropfen wurden in kurzer Zeit immer größere Tropfen. Es war ein warmer Sommerregen und so windig wie vorhin war es nicht mehr.
Gray stand auf. Ich dagegen blieb sitzen. Er streckte mir seine Hand entgegen, die ich ergriff und zog mich hoch. Durch den plötzlichen Schwung taumelte ich beim Aufstehen und er hielt mich fest. Ich wurde gegen ihn gedrückt und so standen wir weiter in einer Umarmung da, während er seine Arme um mich schloß und ich vorsichtig meinen Kopf auf seiner Brust ablegte. Ich konnte sein Herz klopfen hören und spürte seine Körperwärme unter seinem durchnässten T-shirt.
Der Regen prasselte immer noch auf uns nieder, doch in diesem Moment war ich glücklich. Der Moment gehörte nur mir und Gray. Ich hob meinen Kopf und als ich zu ihm aufblickte, sah ich, wie auch er zu mir runter sah. Wir beide sagten nichts und trotzdem fühlte ich mich ihm so verbunden, wie einem Menschen schon lange nicht mehr.
Er ließ mich los und legte einer seiner Hände an meine linke Wange. Seine andere Hand legte er an meine Hüfte um mich wieder enger an sich zu ziehen. Meine rechte Hand fuhr zu seinem Nacken und mein Daumen machte leichte kreisende Bewegungen hinter seinem Ohr. Ich schaute in seine Augen und er in meine. Dann sah er auf meine Lippen, beugte sich etwas weiter zu mir runter und küsste mich.
~ Lisa
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My second identity
Ficção AdolescenteHinter mir fliegt die Lagerhalle in die Luft, ein Grinsen breitet sich auf meinem Gesicht aus. Mission erfolgreich! - Amy Blake Black Angel So verschieden und doch so gleich 2 Identitäten und doch nur eine Person Amy Blake, ein Mädchen was nicht so...
