Der Markt in Hyrule

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Der Markt in Hyrule

Das Leinenoberteil mit den langen Ärmeln kratzte auf Flos Haut, doch es verdeckte alles, was ihn verraten hätte.

Auch, wenn selbst die letzten Gerudos aus der Hauptstadt Hyrules verschwunden waren hatte er darauf bestanden Epona, mit dem Masterschwert am Sattel in Reichweite zu lassen. Er hatte den Kampf mit Ganondorf sicher nicht überlebt, weil er blind auf irgendwelche Dinge vertraute.

Als er das letzte Mal mit Malon hier, auf dem Markt, gewesen war waren die Straßen verdreckt und staubig gewesen. Kälte und Armut hatte auf dem rauen Kopfsteinpflaster Einzug gehalten, doch jetzt drang Musik schon vor dem Stadttor an seine Ohren. Die Stadt summte vor Leben und der Markt strotzte nur so vor Farben.

Alles hatte sich verändert.

Überschwänglich begrüßte Malon ihre Freunde von früher. Andere, die damals, als sie noch Kinder gewesen waren mit ihnen durch die kalten Straßen gejagt waren. Sie selbst, mit einer kläglichen Flasche magerer Milch, die anderen mit ein oder zwei Eiern, wieder andere mit etwas Mehl. Zusammen hatten sie es immer verkauft, ein Brot davon gebacken, wenn es gereicht hatte.

Jetzt hatten sie Körbe voller Eier und Säcke voller Mehl.

„Ich habe schon oft darüber nachgedacht, ob ich mir auch ein paar Hühner zulegen soll, oder vielleicht ein paar Felder.“

„Persönlich wäre ich eher für Felder.“

Murmelte Flo, während er sich staunend umsah.

„Hühner waren mir schon immer unheimlich.“

Mit schnellen Schritten zwängte er sich aus der Gruppe der alten, bekannten Hylianer heraus und wanderte auf dem sonnendurchfluteten Marktplatz umher, lauschte einem Gespräch und hatte in der nächsten Sekunde seine Ohren schon beim nächsten Getratsche, doch etwas interessantes hörte er nicht.

Als der Tag langsam begann sich dem Ende zuzuneigen seufzte Flo enttäuscht und beschloss zurück zu Malons Stand zu gehen, als er einen kleinen Jungen sah.

Er schien nicht älter als 11 und doch war kein Erwachsener in seiner Nähe. Keine besorgte Mutter, kein genervter Vater. Der kleine stand nur da, schmutzig und mit zerlumpten Gewändern und starrte auf einen Stand mit saftigen, roten Äpfeln.

Um ehrlich zu sein überraschte das Flo. Ganz Hyrule schien plötzlich gut, sauber, sonnig, ohne Armut zu sein, doch dieser kleine Junge war so abgemagert, als hätte er seit Tagen nichts richtiges gegessen.

Ohne zu zögern zog Floid ein paar Rubine aus seiner Tasche, gab sie dem Verkäufer an dem Stand und nahm sich den größten, saftigsten Apfel, den er finden konnte.

„Hast du hunger?“

Fragte Flo vorsichtig, um den Jungen nicht zu erschrecken. Dieser sah ihn nur aus großen Kinderaugen an und nickte dann langsam.

LeFloid gab ihm den Apfel, wobei der Ärmel seines rechten Armes etwas nach oben rutschte und den Blick auf seine Tattoos und die Narbe frei gab. Hastig zog er das Leinen wieder herunter, doch es war bereits zu spät. Der Junge hatte es gesehen. Angespannt legte Flo einen Finger auf die Lippen, es würde niemandem helfen, wenn der ganze Hyrule Markt plötzlich wusste wer er war, doch der Kleine starrte ihn einfach nur an.

Vorsichtig griff er mit seinen Kinderfingern nach dem groben Leinen seines Hemdes und krallte sich in den Stoff, als wäre Flo sein einziger Halt in dieser Welt.

„Bitte, folgen sie mir!“ Flüsterte er mit dünner Stimme „Ich brauche ihre Hilfe. Bitte!“

Ohne auf eine Antwort zu warten zog der kleine Junge ihn mit sich in eine etwas dunklere Seitengasse des Marktes. Hier gab es nur Backsteinwände, dicke Holztüren und geschlossene Fensterländen.

Gerade wollte er den Kleinen fragen, wo, bei den Göttinen, er ihn bitte hinführte tauchten ein paar Gestalten aus der Dunkelheit auf.

Sofort blieb Floid stehen, denn diese Männer würde er überall wieder erkennen.

Schnell riss er sich von den Jungen los und wollte zurück zu dem hellen Markt sprinten, doch zwei starke Arme packten ihn, drückten ihn gegen die Mauer hinter ihm und plötzlich legte sich eine Hand um seinen Kehle.

„Glück gehabt, Kleiner.“ Brummte eine tiefe Stimme. „Beim nächsten Mal sind wir nicht so geduldig…“

Einige Rubine klimperten.

„Aber… Aber wir hatten doch 10 vereinbart… Meine Schwester hat hunger…“

„Sei nicht so undankbar, du Balg! Du kannst froh sein, dass wir dir überhaupt noch etwas gegeben haben, so spät wie du ihn uns gebracht hast und jetzt verschwinde, bevor ich es mir anders überlege!“

Der Junge rannte davon.

Der Druck an Floids Kehle verstärkte sich noch. Er hatte sich reinlegen lassen und zwar mit dem ältesten Trick der Welt! Er war einfach zu gutmütig. Eine Falle…

Wer sich da vor ihm aufbaute hätte er zwischen tausenden wiedererkannt. Wie oft hatten sie ihm das Leben schwer gemacht? Wie oft hatte er die Schwerter mit ihnen gekreuzt? Wie oft hatte er sie besiegt? Es waren die wenigen, ehemaligen hylianischen Generäle, die Ganondorf gehabt hatte.

Solange der böse Herrscher an der Macht gewesen war hatten sie ein gutes, reiches Leben in Luxus geführt, doch Floid konnte sich gut vorstellen, wie sie, nach seinem Sturz, verbannt worden waren.

„So sehen wir uns wieder, Flo.“

Fauchte einer von ihnen.

„Musstest du wirklich so weit gehen? War es wirklich nötig unseren einzig wahren König zu töten? Es ist allein deine Schuld, dass sich unser altes Leben in Rauch aufgelöst hat und wir jetzt hier in der Gosse sitzen!“

Seine Stimme hatte sich zu einem bedrohlichen Zischen gesenkt. Flo konnte den fauligen Atem des Ex- Generals riechen und verzog angewidert die Nase.

„Weißt du, großer Retter Hyrules, das schreit nach Rache!“

Make it Rain, FloidGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt