Eine treue Gefährtin

257 22 4
                                        

Eine treue Gefährtin

Die aufgehende Sonne färbte das Gras der Ebene rot, als Flo die Augen öffnete. Malon schlief nach, er hörte es an ihrem ruhigen, gleichmäßigen Atem. So blad würde die junge Frau auch nicht aufwachen, denn sie war noch damit beschäftigt gewesen sein Oberteil zu flicken, als er schon in die Dämmerung des Schlafes abgedriftet war. Jetzt stand er vorsichtig auf, doch die Wunde an seiner Brust hatte aufgehört zu schmerzen. Wenn ihr Hof abgebrannt wäre hätte Malon noch immer bei der Kräuterhexe von Kakariko in die Lehre gehen können.

So leise er konnte schlich Flo durch die einfache Küche, zog das geflickte und gewaschene Oberteil über, legte den Waffengürtel an und nahm schließlich das zerbrochene, in Leinen geschlagene Masterschwert an sich.

Der einzige Schmied, der fähig sein könnte dieses Schwert wieder zu einer Waffe zu machen war der große Gorone, der beinahe an der Spitze des Todesberges lebte.

Wenn Flo zu Fuß gehen würde, dann wäre es eine Wanderung von beinahe 4 Tagen, doch mit etwas Hilfe…

Leise schloss Flo die Türhinter sich und sah sich auf dem Hof um. Bildete er sich das nur ein, oder war alles wirklich etwas friedlicher geworden?

Einige Kühe lagen, neben ihren Kälbchen, entspannt auf der saftigen Wiese und die beiden neuen Fohlen der Herde spielten miteinander. Alleine Ganondorfs Abwesenheit hatte Hyrule zu einem besseren Ort  gemacht.

Gedankenverloren zog Florian die Ocarina aus seiner Tasche und setzte den kühlen Ton an seine Lippen.

Er durfte sich nicht erlauben so etwas zu denken! Nur, weil Malon in Sicherheit war hieß das nicht, dass es auch Frodo gut ging.

„… und Joeleen.“

Flüsterte etwas in seinem Kopf.

„… oder hast du sie bereits vergessen und für tot erklärt? Hast du deine Schwester schon aufgegeben?“

Erschrocken von seinem plötzlichen Gedankengang verspielte er sich und ein hässlicher, schräger Ton trieb durch die klare Luft des wunderschönen Morgens.

Hastig schüttelte er den Kopf und spielte die Melodie ein zweites Mal. Jetzt fehlerfrei. Geduldig wartete er, bis der kühle Wind das Lied über die weite Ebene getragen hatte und wartete dann auf seine treue Gefährtin.

#   #   #

„Es ist ein schlechtes Jahr.“

Murmelte die kleine, 14 jährige Malon und stellte sich neben ihn an das Gatter der Pferdekoppel.

„Die Kühe geben kaum Milch und der beste Hengst in meinem Stall ist gestorben. Alles geht den Bach runter, seit mein Vater nicht mehr da ist. Gerade mal 2 Stuten sind tragend und ich habe nur ein Jungpferd, das ich demnächst einreiten muss.“

Das Mädchen wies auf eine braune, muskulöse Stute mir außergewöhnlich heller Mähne.

„Manche von Ganondorfs Generälen haben mir schon ein Vermögen für sie geboten, aber ich weiß, wie sie reiten und ihre Pferde behandeln. Nein, niemand wird sie bekommen!“

Leise summte das Mädchen, mit ihrer zärtlichen Stimme, eine Melodie und sofort hob die Stute den Kopf und trabte zu ihnen an den morschen Holzzaun.

„Ich muss in den Wassertempel.“

Sagte der junge Flo unvermittelt, als Malon begann sanft über das Fell der Stute zu streichen. Das Mädchen zuckte zusammen und sah ihn erschrocken an. Seit Tagen dachte Flo darüber nach, wie er es ihr sagen sollte. Auch, wenn Malon gerademal so alt war wie er selbst machte das Mädchen sich mehr Sorgen um ihn, als seine Mutter.

„Florian, der Wassertempel ist eines der schlimmsten und gefährlichsten Labyrinthe in ganz Hyrule! Das ist ein anderes Kaliber, als die verlorenen Wälder, oder Dodongos Höhle!“

„Nenn‘ mich bitte nicht Florian. Du bist nicht meine Mutter. Floid reicht doch auch…“

„Hier geht es nicht darum, wie ich dich nenne! Es geht darum, dass du nach einer Wanderrung von mehr als 3 Tagen in eines der gefürchtetsten Gebiete des Landes willst! Bewaffnet mit einem zweitklassigen Schwert und einem zweitklassigen Schwert und einem zerbeulten Schild! Bitte, Floid, denk für einen Moment nach. Rüste dich besser aus, bringe noch etwas über den Ort in Erfahrung und gib mir Zeit sie einzureiten.“

Mit dem Kopf wies Malon auf die junge Stute, die noch immer vor ihnen stand.

„Du kannst nicht zu Fuß durch ganz Hyrule wandern…“

„Aber ich kann doch gar nicht reiten!“

Reif Flo, doch seine Freundin unterbrach ihn.

„Dann bringe ich es dir bei. Sie ist sowieso zu temperamentvoll für eine Zuchtstute. Sie ist ein Pferd für die Schlacht. Jetzt musst du ihr nur noch einen Namen geben.“

Zum ersten Mal trafen die dunklen Augen der Stute seine eigenen. Er hatte es ausgesprochen, bevor sein Kopf auch nur  Zeit hatte einen klaren Gedanken zu Auswahl des Namens zu fassen.

„Epona.“                             

#   #   #

Eine Bewegung am Rande seines Sichtfeldes ließ Flo aus seinen Erinnerungen aufschrecken. Wie lange war das jetzt schon her, dass Malon ihm das Reiten beigebracht hatte? 13 jahre?

Mit zügigen Schritten ging er der Stute entgegen, die über die Ebene auf ihn zu trabte.

„Hallo Epona, meine Schönheit.“

Murmelte Flo in ihr braunes Fell und die Stute brummelte zustimmend zurück. Erst jetzt fiel ihm auf, wie sehr er das Pferd doch vermisst hatte. Schließlich war es Epona gewesen, die ihn, manchmal tagelang, durch Hyrule getragen hatte. Die Nächte, die er nur mit Epona neben dem Lagerfeuer verbracht hatte konnte er längst nicht mehr zählen.

„Komm, große.“

Flo schwang sich auf ihren Rücken und ließ das zerbrochene Masterschwert aus der Satteltasche gleiten.

„Auf zum Todesberg!“

Make it Rain, FloidGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt