Die verlorenen Wälder

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Die verlorenen Wälder

Das Gras raschelte unter seinen Stiefeln, als Flo durch das Labyrinth der verlorenen Wälder schlich, sein Schwert kampfbereit in der Hand. Was auch immer die Kokiris getötet hatte musste noch hier in der Nähe sein...

„Was willst du denn gegen dieses Etwas ausrichten? Die Kokiris sind nicht wehrlos, aber sie hatten keine Abwehrverletzungen. Nichts deutete auf einen Kampf hin! Was auch immer das war hat sie überrascht, hat ihnen keine Zeit gegeben zu reagieren, sich zu wehren. Warum denkst du, dass es bei dir anders sein sollte? Sobald die Sonne aufgeht wirst du, genauso wie die Kokiris, tot in diesem Labyrinth liegen. Die leeren Augen auf einen Punkt fixiert, den nur du sehen kannst."

Flo rümpfte verächtlich die Nase und schüttelte den Gedanken ab. Darüber konnte er sich noch immer Gedanken machen, wenn er an den 3 Wächtern vorbeigekommen war, die den Waldtempel bewachten...

Floid lugte um die nächst Ecke und erstarrte.

Dort lag einer der Wächter. Die Keule noch in der leblosen Hand.

Flo ließ sein Schwert sinken und ging langsam auf den riesigen Körper zu. Was war hier passiert? Diese Wächter, von denen drei in dem Labyrinth vor dem Waldtempel stationiert waren, waren beinahe unbesiegbar! Floid selbst hatte sich immer nur an ihnen vorbei geschlichen, um zu verhindern, dass ihre Keule ihn das Genick brach.

Jetzt stieg er, mit übervorsichtigen Schritten, über den riesigen, toten Körper hinweg.

„Warum freust du dich nicht, Flo? So halten sie dich nicht auf, können dich nicht mehr verletzten..."

Flüsterte etwas in seinem Kopf, womit sie auch Recht hatte und doch hätte er sich besser gefühlt, wenn außer seinen Schritten noch andere durch den verlorenen Wald gehallt wären. So spürte er nur die Gegenwart des Todes, der ihm seinen eisigen Atem in den Nacken blies.

Mit einem letzten Blick auf den Toten zischte er zu sich selbst in die stille Nacht

„Reiß' dich, verdammt nochmal, zusammen, Flo! Das ist nicht das erste Mal, dass du eine Leiche siehst. Man steigt besser über die Leiche eines Feindes, als über die Leiche eines Freundes. Am Ende dieses Labyrinthes wartet Frodo..."

War es die Sorge um Frodo, oder die Angst vor dem Tod und der in Stille in der kalten Luft, die ihn rennen ließen?

Die Einzige, die es vermag euch das zu sagen bin wohl ich selbst, doch dieses kleine Detail überlasse ich gerne eurer Fantasie...

Genauso wie der erste Wächter lag auch das zweite, riesige Monster tot in einem Gang des Labyrinths, doch ohne sich ein weiteres Mal in dem Anblick des toten Körpers und der leeren Augen zu verfangen sprang Floid über den leblosen Schatten hinweg und rannte weiter, bis er endlich an einer steinernen Treppe angelangt war.

Das erste Zeichen von Zivilisation, seit dem Dorf der Kokiri.

Eigentlich sollte auf diesen Stufen der größte und mächtigste Wächter von allen warten, von dem auch die längste Narbe an Floids rechtem Bein stammte. Sie würde ihn für immer an den Tag erinnern, an dem er den Waldtempel zum ersten Mal betreten hatte.

So steig er über die letzte, riesige Leiche und betrat zum ersten Mal seit Jahren die überwucherte Lichtung.

Die Ranken, welche sich in die Mauer und in das tote Holz eines Baumes krallten war nur noch zahlreicher und dichter geworden, seit der das letzte Mal hier gewesen war.

Routiniert zog er den Fanghaken aus seinem Gürtel und suchte nach einem Platz, an dem die Ranken dicht genug waren, um sein Gewicht zu halten.

Es hatte einmal eine Treppe gegeben, hinauf zu dem steinernen Eingang, der früher sicher einmal majestätisch ausgesehen haben musste, doch der Verfall hatte den Stein schon vor langer Zeit das Leben gekostet. Jetzt standen nur noch die beiden ersten Stufen auf der Lichtung, halb von dem hohen Gras verschluckt.

Wie viele Jahre war es mittlerweile her, dass er hier gewesen war? 4 oder 5 Jahre?

Er zog sich hinauf, zu dem ehemaligen Eingang und betrat den Innenhof des Waldtempels.

Irgendwie hatte Floid gehofft ihm würde sich ein anderer Anblick bieten.

Auf den verwitterten Stufen zum nächsten Tor, noch immer beleuchtet von dem kalten, silbernen Licht des vollen Mondes, lagen die Leichen von zwei Wölfen.

Als Flo sich zu ihnen hinunter beugte, um ihren Puls zu prüfen, in der stillen Hoffnung, dass sie doch nur schlafen würden spürte er noch die Wärme in dem verfilzten Pelz sitzen, doch kein Herzschlag.

Sie waren noch nicht lange tot.




Make it Rain, FloidGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt