Die Festung der Gerudos

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Die Festung der Gerudos

Sand hing noch immer in allen Falten seines Gewandes, als Floid durch die große Ebene ritt, Epona zu ihrem schnellsten Galopp antrieb, doch es war ihm egal.

Sein bester Freund war ein gefangener Ganondorfs und damit auch ein Gefangener der Geudos. Etwas Schlimmeres konnte einem in Hyrule nicht passieren. Die Frage, jedoch, die sich immer wieder in seine Gedanken schlich war das ‚Warum?'

Warum war Frodo noch immer Gandondorfs gefangener? Wofür brauchte er ihn, denn wenn er ihn nicht brauchen würde wäre er schon längst nicht mehr am Leben. Wollte er Floid mit seinem besten Freund erpressen, wollte er ihn dazu zwingen aufzugeben, Hyrule ihm zu überlassen? Aber dazu hatte Ganondorf die Chance gehabt. Im Waldtempel hätte er seine Forderungen stellen können, aber er hatte es nicht getan! Warum sollte er warten? Oder brauchte der dunkle Herrscher Hyrules Frodo doch für etwas anderes?

Bei den Gedanken wurde Floid schlecht.

Es war seine Schuld, dass Frodo hier war, genauso wie es seine Schuld war, dass seine Schwester hierher verschleppt worden war. Er liebte sie beide, wollte sie beschützen, wollte sie zurück nach Hause bringen, doch was geschah, wenn er es nicht schaffte? Wenn dieses beiden Menschen, die ihm so viel bedeuteten in dieser verfluchten Welt, diesem verfluchten Land sterben sollten, dann könnte er sich das niemals verzeihen. Mit diesem Gedanken würde Flo niemals weiterleben können.

So sponnen sich seine Gedanken zu einem dunklen Netzt aus Angst, Zweifel, Hass und Schuldgefühlen, während er mit Epona über die weite Ebene jagte, immer weiter Richtung Süden, wo der Wind heiß und der Boden unsicher war. Es war nicht nur der Gegenwind, der ihm die Tränen in die Augen trieb.

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Es verging mehr, als ein Tag, bis Flo endlich mit seinem Pferd an der recht instabilen Brücke stand, die herüber in die Gerudowüste führte. Sobald er gemerkt hatte, dass die Sonne begann hinter dem Horizont zu verschwinden hatte er, ohne Epona anzuhalten, seine Ocarina aus der Satteltasche gezogen und die Hymne der Sonne gespielt.

Jetzt begann die Sonne bereits einen zweiten Versuch ihre wohlverdiente Nachtruhe anzutreten und zum zweiten Mal zog Floid seine Ocarina hervor.

Er brauchte Tageslicht, um in die Festung der Gerundos zu kommen und zum Ausruhen konnte er nicht, auch wenn die Ringe unter seinen Augen tiefer und dunkler waren, als je zuvor.

Keinen einzigen Blick warf er hinter sich auf die grüne Ebene, als er Epona mit einem leisen Schnalzen der Zunge zu verstehen gab, dass sie weiter laufen sollte. Vielleicht hätte er sich umsehen sollen, ein letztes Mal auf die Schönheit hinter sich, denn es war möglich, dass er sie kein zweites Mal sehen würde, dass er diese Wüste nie wieder, weder lebend, doch tot verlassen würde.

Aber Flo ritt einfach weiter.

Die zweite Sache, die ihm entging war der Anblick einer zierlichen Gestalt auf dem besten Rennpferd in ganz Hyrule, die ihm unbemerkt, seit einigen Stunden folgte.

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Epona atmete schwer und ihr Fell war schweißgetränkt, als sie endlich das Tal der Gerudos erreichten. Nachdenklich sah der junge Mann auf die, aus Sandstein gebaute Festung, welche sich an den Fels hinter sich schmiegte, als wäre sie einfach daraus gewachsen. Schließlich stieg er ab, überprüfte, ob er alle seine Waffen am Gürtel hatte und schickte Epona zurück auf die weite Ebene von Hyrule, damit sie sich ausruhen konnte. Er hatte die letzen Tag viel von ihr abverlangt.

So schlich er sich, in den Schatten der Felsen, an die Festung heran, um über die Dächer schließlich durch das höchst gelegenste und schlechte bewachtest Fenster hinein zu kommen. Dann musste er nur noch unbemerkt in den Zellentrakt kommen. Dort musste Frodo sich befinden.

Auf das erste Dach stahl er sich, wie ein Schatten. Kein Laut hallte durch die verlassene Wüste, außer das Pfeifen des heißen Windes, der den Sand von Ort zu Ort trug. Auch auf das zweite Dach kam er ohne Probleme. Die Sandsteine waren grob aus dem Fels gehauen worden und luden daher gerade dazu ein an ihnen hinauf zu klettern, doch bei den dritten Dach passierte es.

Floid war nur noch ein Dach von dem höchsten Fenster entfernt, als sich unter seinen Füßen einer der Steine löste. Erschrocken versuchte er noch sein Gewicht zu verlagern, es irgendwie zu verhindern, doch es war schon zu spät. Einer der großen Sandsteine der Mauer brach und ein riesiges Fragment stürzte scheppernd hinunter auf das letzte Dach.

Die Komplette Gerundowüste musste es gehört haben...

So krallte Flo sich also an die Wand, wartete und lauschte wissend in die Stille der stärksten Festung Hyrules, doch... es passierte nichts.

Kein Gerudo pflückte ihn von der Mauer, schoss ihm einen Pfeil zwischen die Schulterblätter, oder spießte ihn mit ihrem langen Säbel auf. Es blieb einfach still.

Nachdem einige Minuten vergangen waren, die Floid wie Tage vorkamen, wagte er es langsam weiter zu klettern. Warum hatte niemand auf dieses Geräusch reagiert? Es passierte nicht alle Tage, dass sich einer der Steine aus der Mauen lösten und sämtliche Gerudo Kriegerinnen waren zu sehr gedrillt, um so ein außergewöhnliches Geräusch zu ignorieren. War die Festung etwa verlassen?

Dieser Gedanke drängte sich ihm immer mehr auf, auch als er endlich in einem der steinernen Gänge stand. Er sah auf seinem ganzen Weg keine einzige Wache, bis er schließlich vor dem Eingang des Zellentraktes stand. Hier musste Frodo sein.

Mit einem Schaudern dachte er daran, wie abgemagert und schwach sein bester Freund gewesen war, als er ihn das letzte Mal gesehen hatte. Welcher Anblick würde ihn hinter dieser Tür erwarten?

Mit zitternden Fingern stieß Floid das mit Eisen beschlagene Holz auf und schlüpfte in den Raum hinein, der für viele ein jahrelanges Gefängnis war. Die Luft darin war stickig, schmeckte abgestanden und war so  heiß, dass ihm das grüne Leinen seines Oberteiles schon nach einigen Augenblicken an der Haut klebte. In der ersten Sekunde glaubte er keine Luft zu bekommen, die Welt vor seinen Augen wurde schwarz, doch nach kurzer Zeit legte sich das schon wieder. Es war noch genau so, wie das letzte Mal, als er hier gewesen war.

Alleine der Aufenthalt in den Zellen war eine Folter und Frodo musste seit fast 2 Tagen hier sein!

Hastig lief er an den Gittern der Zellen entlang, doch alle, an denen er vorbei schritt waren leer. War das eine Illusion? Träumte er? War er in dem Waldtempel mit einem Fluch belegt worden?

Floid erstarrte. Nicht, weil ihm die Lösung auf seine unzähligen Fragen eingefallen wäre, sondern, weil er etwas gesehen hatte, was er geglaubt hatte nie wieder zu sehen.

In einer der Zellen saß eine abgemagerte, junge Frau. Ihre braunen, verfilzten Haare reichten ihr bis zur Hüfte, ihr Gesicht war mit Staub, Sand und Schweiß bedeckt.

Trotzdem erkannte er sie.

Vor ihm saß seine Zwillingsschwester, die ein Teil von ihm, insgeheim schon seit Jahren aufgegeben hatte.


Vor ihm, in dieser Zelle, saß Joeleen.

 

Make it Rain, FloidWo Geschichten leben. Entdecke jetzt