Kapitel 13.

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Ruckartig werde ich aus meinem Schlaf gerissen, als jemand lautstark mein Zimmer betritt. Müde öffne ich die Augen und sehe Sybilla, welche energisch meine Vorhänge aufreißt. Grell blendet mich das helle Sonnenlicht und schnell vergrabe ich meinen Kopf unter meiner warmen Decke. „Was tust du denn da?" Grummle ich und spüre wie das Bett etwas heruntersinkt, als meine Freundin sich neben mich setzt. „Dich wecken. Es ist neun Uhr morgens an einem Samstag." Erwidert diese fröhlich und ich spähe zögernd unter meiner Decke hervor. „Gaz genau. Einige schlafe da noch." Murre ich missmutig und ziehe mit einem Stöhnen wieder die Decke über mich. In der Nacht wurde ich von den verschiedensten Alpträumen geplagt und habe wenig geschlafen. „Einige vielleicht, aber du wirst jetzt aufstehen." Sagt die Schwarzhaarige fröhlich und zögernd spähe ich unter meiner Decke hervor. „Warum bist du so gut gelaunt?" Frage ich misstrauisch und sie schenkt mir ein breites Lächeln. Okay, irgendetwas habe ich verpasst. Wenn Sibylla glücklich ist, muss etwas wirklich Furchtbares passiert sein.

„Alecta, wieso nur bist du so vergesslich?" Fragt mich meine Freundin und zieht ruckartig die Decke von mir. Sofort ist mir kalt und seufzend setzte ich mich auf. „Jetzt sag mir doch einfach, wieso du um neun Uhr morgens an einem Samstag in meinem Zimmer stehst und grinst, als hätte Emiliano um deine Hand angehalten." Murre ich müde und streiche mir ein paar zerzauste Strähnen aus dem Gesicht. Zu meinem entsetzten lehnt Sybilla sich vor und kneift mir in die Backen. „Du bist echt niedlich, wenn du morgens aufwachst." Lacht sie und verstört bringe ich etwas Abstand zwischen uns. Summend erhebt sich die Werwölfin und wirft mir ein paar Sportklamotten aus dem Schrank zu. „Jetzt komm. Wir haben heute Training!" Flötet sie, ehe meine Zimmertür hinter ihr ins Schloss fällt. 

Mit einem Stöhnen lasse ich mich nach hinten fallen und reibe mir müde über das Gesicht. „Training." Murmle ich. Da hatte ich komplett vergessen. Da ich eine Wächterin bin, ist es für mich sehr wichtig, immer fit und kampfbereit zu sein. Es vergeht nie ein Tag, an welchem ich nicht wenigstens etwas Krafttraining mache oder joggen gehe. Die anderen Wölfe, abgesehen von den Kriegern, trainieren einmal im Monat. Bei unserem Rudel ist es heute wieder so weit. Langsam rolle ich zu meiner Bettkante und stehe auf. Mein Blick fällt auf den kleinen Spiegel an der Wand und schnell schaue ich wieder weg. Meine Haare sehen aus wie ein Vogelnest und ich habe den Abdruck meines Kissens im Gesicht. Wow, ich bin eine echte Morgenschönheit. Etwas motivierter stehe ich auf und wechsle meinen Schlafanzug gegen eine schwarze Sportleggins und einen weißen Sport-BH. Dann versuche ich mit einer Bürste meine Haare in Ordnung zu kriegen und zu einem hohen, geflochtenen Zopf zusammenzubinden. Duschen würde ich nach dem Training, essen auch. Vorsichtig werfe ich einen Blick in den Spiegel und bin wesentlich zufriedener. 

Es klopft und Amelia steckt ihren Kopf herein. Ihre besorgten Augen landen auf mir und ich zwinge mich zu einem Lächeln. „Guten morgen Luna, was verschafft mir die Ehre?" Frage ich sie und trete zu ihr. „Ich wollte nur sehen, ob meine Lieblingswächterin bereit fürs Training ist." Erwidert die Mate meines Bruders und legt einen Arm um mich. Eisern hate ich an meinem grinsen fest. „Selbstverständlich." Gemeinsam gehen wir nach unten in den Keller, wo die anderen bereits warten. „Also gut. Alecta und ich fangen wir an, ihr andere wärmt euch währenddessen auf." Befiehlt Ryan und mit einem unterdrücktem Seufzten hole ich meine weißen Bandagen, um sie mir um die Hände zu wickeln. Mäßig motiviert stelle ich mich meinem Bruder gegenüber, welcher ebenfalls Bandagen um seine Hände gewickelt hat. „Warum so gut gelaunt?" Fragt er mich und beginnt, seine Fäuste in meine Richtung zu schleudern. „Woher soll ich in diesen Zeiten bitte gute Laune herbekommen?" Frage ich grummelnd und weiche geschickt aus. Ein stöhnen entweicht ihm, als ich meine Faust in seinem Magen versenke. „Weiß nicht. Vielleicht Drogen?" Bringt er hervor und ein Lächeln bildet sich auf meinen Lippen. Mein Bruder richtet sich auf und geht wieder in Stellung. Ernst blicken seine dunklen Augen mich an. „oder aber, du verträgst dich mit deinem Mate." Sagte er und überrascht reiße ich die Augen auf.

 Abgelenkt blocke ich seinen Tritt nur halb und gerate ins Taumeln. „Eher besteige ich den Thron Chinas." Knurre ich und fege seine Beine weg. Mit einem dumpfen laut schlägt er auf der Matte auf und ich helfe ihm wieder hoch. „Achte nicht nur auf meine Hände, sondern auch auf meinen restlichen Körper." Sage ich und wir nehmen unsere Positionen wieder ein. „Warum solltest du dich nicht mit deinem Mate vertragen? Ich weiß, was er dir angetan hat, aber du musst doch das Band spüren." Keucht Ryder und greift an. Geschickt weiche ich aus, doch durch seine Worte abgelenkt bekomme ich den letzten harken nicht mit und schmerz explodiert an meinem Kiefer. Ich taumle zurück und spüre den metallischen Geschmack von But in meinem Mund. Wie eklig. Mit dem Handrücken wische ich mir etwas Blut aus dem Mundwinkel und betrachte die dunkle Flüssigkeit auf meinen Bandagen. „Wenn du mich schlägst, dann spüre ich den Schmerzen körperlich. Ich sehe mein Blut und weiß, dass ich verwundet worden bin. Jeder kann sehen, dass ich blute. Aber man muss nicht zuschlagen, um jemanden weh zu tun. Worte reichen. Worte tun weh. Schweigen tut weh. Verachtung tut weh. Verrat und Gleichgültigkeit tun weh. Diese Dinge musste ich so lange überwinden. Niemand hat gesehen, dass ich blute. Niemand hat den Schmerz in meinen Augen betrachtet, anders als du, wenn du mir im Kampf gegenüberstehst. Eine Rudelgemeinschaft baut auf Liebe und Vertrauen. Auf eine Verbindung zwischen jedem Mitglied. Ich habe in dieser Hölle ausgeharrt und meine einzige Hoffnung, mein einziger Lichtblick, war mein Mate. Mein Seelenverwandter. Meine vervollkommne Hälfte. Doch wie bitter war der Schmerz, der Verrat als mich ebendieser, genau wie alle anderen, hat fallen lassen. Eine Matebindung ist besonders. Wir sind Seelenverwandte, werden von einander angezogen und ja verdammt, natürlich spüre ich das Band in meinem Herzen. Ich will ihm nahe sein, mich von ihm in die Arme nehme lassen und einfach meine Augen schließen, doch da ist kein vertrauen, in meinem Herzen. Die Mateverbindung sorgt für eine solche Liebe zwischen den Partnern, dass sie zu einer Seele verschmelzen. Doch wie kann ich jemanden lieben, dem ich nicht vertraue? 

Liebe ist für mich, wenn eine Person mich glücklicher machen kann, als alle anderen Menschen auf der Welt. Liebe ist für mich, Zuhause zu sein. Jemanden zu haben, der einen einfach in die Arme schließt und den Schmerz der Welt vergessen lässt. Liebe ist für mich, der anderen Person bedingungslos vertrauen zu können. Vertrauen ist das Gefühl einem Menschen sogar dann glauben zu können, wenn man weiß, dass man an seiner Stelle Lügen würde. Mein Vertrauen zu Ames lässt sich nicht durch deine logischen Argumente aufbauen, es ist eine Sache des Herzes. Ihr könnt das nicht verstehen. Jack kennt seine Mate nicht und ihr anderen habt euch gefunden und ohne Probleme eure Verbindung aufgebaut. Ihr wurdet nicht so oft verletzt, wie ich. Wenn du verletzt wurdest, dann konzentrierst du dich irgendwann nicht mehr darauf, was dich verletzt hat, sondern was du daraus gelernt hast. Ich habe gelernt, dass mein altes Rudel grausam ist. Das sie keinen Wert auf die enge Verbindung zwischen den Rudelmitgliedern legen. Ich habe gelernt, dass mein Mate mir mit einem höhnischen Lächeln in die Augen blicken konnte, während er mich von sich wies." Ich verstumme und zaghaft tritt Amelia etwas vor. „Aber es gibt doch noch Hoffnung. Er will dir doch beweisen, dass er sich wirklich verändert hat. Es gibt noch Hoffnung und die stirbt bekanntermaßen zuletzt." Haucht sie getroffen und streckt zögernd eine Hand nach mir aus. Mit einem leisen Knurren weiche ich zurück. „Die Hoffnung stirbt nur zuletzt, weil die Realität so ein schlechter Schütze ist. Tiger ändern ihre Streifen nicht. Wölfe nicht ihren Mondgesang. Ich bin ein gebrannter Wolf, mit mehr Brandblasen in der Seele, als ich auszuhalten glaubte. Ich werde nicht mehr mit dem Feuer spielen. Nie wieder."

Hallo meine lieben Leserinnen und Leser,

da ich nächste Woche wieder in die Schule muss dachte ich, ich lade vorher noch ein neues kapitel hoch. Ich habe diesesmal ein paar Absätze eingefügt, weil das meiner meinung nach leichter zu lesen ist und deswegen wollte ich das einmal ausprobieren. da ich gerade irgendwie ein wenig neben der Spur bin, habe ich ein paar mehr oder weniegr philosophische Sprüche eingefädelt, aber irgendwie war ich inder Stimmugn dafür :)

Bis zum nächsten Kapitel,

Calietha



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