Das ist Amy! ^
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Vor der Haustür angekommen sauge ich die frische Luft, genau wie heute Morgen, tief in meine Lunge. Hungrig steige ich die Treppe hoch und schließe die Tür auf.
Aus der Küche höre ich das Klappern der Töpfe. Scheinbar hat Jay mich noch nicht bemerkt. Nachdem ich meine Tasche abgestellt und die Schuhe ausgezogen habe schleiche ich in die Küche.
„Buh", hauche ich in Jays rechtes Ohr.
„Aaah", schreit er auf und dreht sich mit erhobenem Kochlöffel blitzschnell zu mir um. Ich lache los. „Geht's noch?! Ich hätte fast einen Herzinfarkt bekommen!", beschwert er sich.
„Wolltest...wolltest du...mich damit...", ich deute mit der einen Hand auf den Kochlöffel und halte mir mit der anderen den Bauch, „schlagen?" Irritiert folgt er meinem Blick und scheint erst jetzt zu bemerken, dass er den Kochlöffel immer noch fest umklammert drohend vor sich hält. Er stimmt in mein Lachen ein.
„So jetzt ist aber gut. Ich hab Putenfilet in Kruste mit gefüllten Nudeln gemacht.", er zwinkert mir zu. Ich lecke mir vorfreudig über die Lippen und versuche an ihm vorbei in die Töpfe zu sehen. Da er aber, im Gegensatz zu mir, über 1.80 Meter groß und ziemlich muskulös ist, kann er mich geschickt davon abhalten und schiebt mich in Richtung Küchenschränke.
„Du kannst ja schon mal den Tisch decken. Das Essen ist in fünf Minuten fertig.", sagt er und wendet sich wieder den Töpfen zu, während ich Teller, Besteck und Gläser auf den Tisch stelle.
„Ich hab übrigens die Post hochgeholt. Sie liegt im Flur auf der Kommode.", fällt Jay ein.
„Hast du auch gesaugt?", frage ich ihn mit hochgezogenen Augenbrauen. Ertappt sieht er mich an. „Mann Jay, ich habe Samstag geputzt. Du hast mit deinen Kumpels alles nach fünf Minuten wieder dreckig gemacht und ich soll jetzt nochmal putzen?!", fahre ich ihn an.
„Ich machs nach dem Essen, okay?", schlägt er mit Hundeblick vor. Einen bösen Blick werfe ich ihm noch zu, bevor ich mich umdrehe und im Flur die Post hole.
Ich lege die Briefe auf den Tisch und Jay füllt unsere Teller.
Er ist mein bester Freund und weiß, wie er mich um den Finger wickeln kann und so bin ich ihm auch nicht lange böse.
Während dem Essen erzähle ich ihm kurz von dem Mann im Baumarkt und Jay amüsiert sich köstlich.
„Rob wartet pünktlich um 19:30Uhr auf uns.", erinnere ich Jay an das geplante Treffen mit unserem gemeinsamen Kumpel und Nachbarn.
„Jaja, er wartet eigentlich nur auf dich. Er wünscht sich doch, dass ich nicht mitkomme, damit er sich an dich ranmachen kann.", sagt Jay nur. Ich winke genervt ab. Diese Diskussion hatten wir schon hundertmal. Jay ist felsenfest davon überzeugt, dass Rob schon seit seinem Einzug vor ein paar Monaten auf mich steht.
„Du kennst meine Meinung dazu. Ich bin kein Beziehungstyp.", erkläre ich.
„Du willst keiner sein. Aber du darfst diese Sache nicht dein Leben bestimmen lassen. Versuch es doch einfach mit Rob, vielleicht ist er ja der Richtige!", beharrt Jay.
Als er merkt, dass mit mir nicht zu reden ist seufzt er ergeben und fängt ein neues Thema an.
„Zeig mal die Briefe her."
Ich nehme den Stapel in die Hand und sortiere die Briefe. Ein paar gebe ich Jay und zwei sind an mich adressiert.
Der erste ist eine Rechnung für eine Autoreparatur und ich muss kurz lächeln, als ich den Preis sehe. Mit ein bisschen Geflirte habe ich den Automechaniker überzeugt den Preis zu senken.
Der andere Brief sieht edel aus. Vorsichtig ziehe ich eine rosa Karte heraus.
„Das ist eine Einladung zur Taufe meiner Nichte!", quietsche ich glücklich.
„Die kleine Liliana wird getauft?", erfreut sieht Jay mich an.
„Ich glaub wir haben sie das letzte mal gesehen, als Dan und Josy uns drei Monate nach der Geburt mit ihr besucht haben.", überlege ich und Jay nickt.
„Das ist jetzt aber auch schon über vier Monate her. Wann findet sie denn statt?"
Ich werfe einen weiteren Blick in die Karte.
„In zwei Wochen.", sage ich und im nächsten Moment sehe ich wo die Taufe sein soll.
„Nein! Nein, nein, nein, nein, nein! Ich werde absagen. Ich lass mir irgendeine Ausrede einfallen. Nie wieder gehe ich nach Mitara!", beschließe ich verärgert und schlage bekräftigend mit meiner Hand auf den Tisch.
Auch Jay wirft einen Blick in die Karte und nimmt dann meine Hand.
„Amy, ich weiß, dass dir das ganz und gar nicht passt, aber sie ist deine Nichte. Und Dan und Josy haben schon als sie hier waren immer wieder betont wie sehr sie sich über deinen Besuch freuen würden. Pete vermisst dich bestimmt auch."
„Mein Vater kann mich ja einfach hier besuchen, wenn er mich vermisst. Und Liliana kann ich noch oft genug sehen."
„Wir besprechen das morgen. Schlaf erst mal eine Nacht drüber und entscheide dich dann. Voreilige Entscheidungen werden zu 99% bereut."
„Wir müssen uns jetzt fertig machen. Und du musst noch saugen!", sage ich nachdrücklich und räume meinen Teller in die Spülmaschine, während mich Jays besorgter Blick verfolgt.
„Das Essen war Super lecker.", sage ich versöhnlich, gehe in mein Schlafzimmer und lasse mich auf mein Bett fallen.
Ich will wirklich unter keinen Umständen in meine alte Heimatstadt fahren. Die Erinnerungen prasseln auf mich ein und ich habe das Gefühl von ihnen begraben zu werden. Ich wollte nie wieder schwach sein! Ich wollte nie wieder an ihn denken!
Aber es ist zu spät, die Einladung hat die Wunden wieder aufgerissen.
Eine Träne rollt meine Wange hinab. Eine zweite folgt. Leise weine ich vor mich hin. Plötzlich senkt sich die Matratze neben mir. Ich rieche den vertrauten Jay-Geruch und Sekunden später spüre ich seine Hand, mit der er sanft die Tränen wegwischt.
Ich schluchze einmal kurz auf und drehe mich in seine Richtung. Mein Kopf liegt auf seiner Brust, er hält mich einfach fest. Wir brauchen keine Worte. Ich lausche seinem gleichmäßigen Herzschlag, der eine beruhigende Wirkung auf mich hat.
Nach ein paar Minuten, in denen meine Tränen versiegt sind, löse ich mich langsam von ihm.
Er setzt sich auf und streicht mit über den Kopf.
"Du solltest dich fertig machen. Oder soll ich Rob absagen?", fragt er fürsorglich. Ich schüttle den Kopf und stehe auf. Er tut es mir gleich und gibt mir noch einen kurzen tröstlichen Kuss auf die Stirn.
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Heimatlos
RomantikEndlich läuft Amys Leben wieder in geregelten Bahnen. Sie ist glücklich. Doch ihre vermeintlich heile Welt gerät ins Wanken, als sie für eine Woche in ihre Heimat zurückkehren soll. Sie ist gezwungen sich alten Bekannten zu stellen. Tommy und Will b...
