19.

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*Amanda*
„Babe, du musst endlich aufstehen.", dringt Wills Stimme an mein Ohr. Scheinbar steht er schon eine Zeit lang neben meinem Bett und versucht mich zu wecken.
Ohne meine Augen zu öffnen, strecke ich dir Arme nach ihm aus und ziehe seinen Kopf zu mir. Er küsst mich bereitwillig und hebt mich dann blitzartig aus dem Bett.
Erschrocken öffnen ich meine Augen und sehe ihn an.
„Guten Morgen. Du solltest dich jetzt endlich fertig machen. Die Taufe beginnt in zwei Stunden.", informiert er mich und setzt mich wieder ab.
„Morgen. Ich bin ja schon auf dem Weg.", gähne ich und schnappe mir meine rausgelegten Sachen und trotte müde ins Bad.
Als ich geschniegelt und gestriegelt wieder heraustrete, fühle ich mich deutlich erfrischt und gehe beschwingt ins Wohnzimmer, aus dem ich bereits Stimmen höre.
„Guten Morgen.", begrüße ich Dan, Josy und Lilly.
Will kommt aus der Küche und stellt einen Brotkorb auf den Tisch. Während wir beginnen zu frühstücken, füttert Dan seine Tochter mit dem restlichen Brei.
„So, mein Schatz, jetzt zieht Mama dir dein wunderschönes Taufkleid an.", kündigt er an und reicht Lilly an seine Freundin.
Die beiden machen sich auf den Weg nach oben.
„Sag mal, Alter, wollt ihr nicht irgendwann mal heiraten? Ihr seid schon ziemlich lange zusammen, habt ein Kind. Eure Tochter wird sogar schon in der Kirche getauft.", meint Will plötzlich an Dan gewandt.
„Wir haben schon oft darüber geredet, aber Josy möchte nicht. Sie sagt, dass sie keine Hochzeit braucht, um sich meiner Liebe sicher zu sein und lieber ewig Freundin oder Verlobte als Ehefrau sein möchte. Ihrer Meinung nach zerstört die Ehe die Liebe.", antwortet dieser schulterzuckend.
„Sie scheint genau zu wissen, was sie will. Bewundernswert.", befinde ich.
„Würdest du gerne heiraten?", fragt Will frei heraus.
„Ähm...äh...", mache ich überfordert. Mit dieser Frage überrumpelt und bedrängt er mich sehr. Natürlich kann er das nicht wissen, aber heiraten war immer ein großer Wunsch von mir. Tommy und ich hatten schon Pläne gemacht und wenn ich nichts von seiner Affäre mit Eve mitbekommen hätte, wären wir jetzt sehr wahrscheinlich verheiratet.
„Naja, eigentlich schon, aber so notwendig ist die Ehe gar nicht. Hauptsache ich werde bedingungslos geliebt. Josy hat schon recht, die Liebe ist viel wichtiger als die Ehe.", bekenne ich schließlich.
Will wirft mir einen nachdenklichem Blick zu und scheint etwas erwidern zu wollen.
„Und, wie findet ihr das Kleid?", fragt Josy in dem Moment und ich bin mehr als glücklich über die Unterbrechung.
Ich drehe mich um und sie hält mir meine Nichte hin.
„Wow, wunderschön!", hauche ich bewundern und betrachte verzückt das weiße traumhafte Kleid.
„Das hast du wirklich schön hinbekommen.", sagt auch Will anerkennend und Josy wird leicht rot.
„Ich muss jetzt los. Matt wartet bestimmt schon auf mich.", fällt mir ein. Ich nehme meine Papiere und mache mich schnell auf den Weg zu ihm.

***

Matt steht ungeduldig im Hausflur und zieht mich direkt in seine Wohnung.
Er trägt einen schicken grauen Anzug und hat sein kurzes Haar sogar etwas gegelt.
„Kannst du eben die Kerze aus dem Schrank holen? Ich muss noch meine Papiere einpacken.", erklärt er gehetzt und verschwindet in einem Zimmer. Seufzend gehe ich zum Wohnzimmerschrank und nehme unsere selbstgestaltete Kerze heraus. Sie ist schön geworden. Hoffentlich werden Josy, Dan und Liliana das genauso sehen.
„Hab alles.", reißt mich Matt aus meinen Gedanken und wir machen uns auf den Weg zur Kirche. Der große, starke Mann neben mir wirkt lange nicht so selbstsicher wie sonst.
„Was bist du denn so nervös?", frage ich belustigt, als er zum tausendsten Mal an seinem Anzug herumzupft.
„Entschuldige bitte, ich werde zum ersten Mal Patenonkel. Da bin ich etwas nervös, vor allen Anderen da vorne zu stehen mit so einer Verantwortung.", antwortet er leicht gereizt.
„Du musst dir keine Gedanken machen! Du kennst doch alle, die kommen. Außerdem wird Liliana dich lieben, vor allem als Patenonkel. Josy hat mir erzählt wie liebevoll du mit ihr umgehst. Du wirst das toll machen!", ermutige ich ihn und er wirft mir ein unsicheres Lächeln zu. Je näher wir der Kirche kommen, desto langsamer wird er. Kurzerhand hake ich mich bei ihm unter und ziehe ihn bestimmt hinein.
Ein paar Bankreihen sind schon gut gefüllt und ich verschaffe mir kurz einen Überblick.
Dann stockt mir der Atem. Er ist hier!

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